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Rubrik: Regional

13.February.2018

Stunde der Wintervögel 2018. Immer weniger Vögel in Bayern

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München: Bei der diesjährigen "Stunde der Wintervögel" machten so viele Menschen wie noch nie mit. Sie meldeten aber vergleichsweise wenig Vögel. Die Zählung ergab auch: München ist die vogelfeindlichste Stadt Bayerns.

Zum ersten Mal zählten bei der gemeinsamen Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" von LBV und NABU mehr als 32.000 Teilnehmer insgesamt mehr als 760.000 Vögel. Im Durchschnitt sahen sie aber nur noch 34 gefiederte Gäste pro Garten - im Jahr 2011 waren es noch 42. "Im Freistaat werden immer weniger Vögel beobachtet", heißt es in der LBV-Pressemitteilung zur Vogelzählung, die vom 5. bis 7. Januar 2018 stattfand.

Immer weniger Buchfinken und Grünfinken

Beunruhigend sind für den LBV die Abwärtstrends bei Buchfink und Grünfink. Ihre Zahlen nehmen zwar langsam, dafür aber seit Jahren stetig ab. "Bei beiden Vogelarten lässt sich ein trauriger Trend erkennen. Der Grünfink ist seit 2014 fast nur noch halb so oft in Gärten gezählt worden", berichtet Martina Gehret, die LBV-Beauftragte für Citizen Science. Auch der Rückgang von typischen Feldvögeln wie der Goldammer bereitet dem LBV große Sorgen. "Als typischer Vogel der Ackerlandschaft machen der Goldammer der zunehmende Flächenfraß, Monokulturen, der Einsatz von Agrargiften in der Landschaft und die Zerstörung von Randgehölzen und Sträuchern schwer zu schaffen", erklärt Gehret.

Der Star lässt sich wieder öfter blicken

Allerdings gibt es auch positive Ergebnisse: Noch nie wurden so viele Stare beobachtet wie Anfang Januar 2018. Mit knapp 6.500 Exemplaren wurde eine Rekordzahl dieses Überwinterers gezählt. Dazu passt es ganz ausgezeichnet, dass der Star auch zum Vogel des Jahres gekürt wurde. Nur um einen Platz verfehlt der Star die Liste der 20 am häufigsten beobachteten Vögel im Freistaat.

Meisen wieder auf dem Vormarsch

Das zweite positive Ergebnis: Die Liste führt nach einem starken Einbruch im Vorjahr wieder die Kohlmeise an - vor Haus- und Feldsperling. Auch Blau-, Sumpf-, Tannen- und Haubenmeisen wurden wieder häufiger gezählt als noch 2017. Der Bestandseinbruch wurde laut LBV im Laufe des Jahres wieder vollständig ausgeglichen.

Die Top 5 der "Stunde der Wintervögel"

Trotz rückläufiger Gesamtbestandszahlen lieferten sich nach der Kohlmeise Haus- und Feldsperling ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Plätze 2 und 3. Mit etwas Abstand dahinter landet die Blaumeise auf dem 4. Platz. Weit abgehängt wurde dagegen die Amsel auf Rang 5. Solche Schwankungen gab es aufgrund verschiedenster Faktoren schon in der Vergangenheit und sind laut LBV noch kein Grund zur Beunruhigung. Allerdings meint Martina Gehret: "Sollte die Amsel im nächsten Jahr erneut so schwach sein, muss die Situation neu bewertet werden." Doch bisher konnte die Amsel über die Jahre ihre Verluste immer wieder ausgleichen.

Neuer Spechtrekord

Das dritte positive Ergebnis: Der Buntspecht wurde so häufig und in so vielen Gärten wie noch nie beobachtet. Mit Platz 11 schaffte er es fast in die Top Ten. Auch seine Verwandten wie Grün-, Mittel- und Kleinspecht wurden häufiger gesichtet. "Perfekte Witterungsbedingungen und die damit verbundenen zahlreichen Borkenkäferarten bescherten den Spechten viel Nahrung und somit ein erfolgreiches Brutjahr", erklärt die Forstingenieurin Martina Gehret.

Steinkäuze und Kraniche

Großes Glück hatten die Teilnehmer, die einen seltenen Steinkauz in Seefeld und in Bayreuth beobachten konnten. In München und Miltenberg wurden Kraniche entdeckt, die wetterbedingt ungewöhnlich spät Richtung Südwesten flogen.

Zugvögel sparen sich die weite Reise

Die Vogelzählung zeigt auch, dass sich aufgrund des milden Winters manche Zugvogelarten die weite Reise in den Süden gespart haben. Solange der Boden nicht gefroren ist, finden sie bei uns immer noch Nahrung. "Je milder das Wetter in einer Region, desto mehr Überwinterer haben die Teilnehmer beobachtet", sagt Martina Gehret. Die meisten Stare wurden im nördlichen Bayern gezählt. In Unterfranken belegt er deshalb Rang 7, in Aschaffenburg war er sogar der dritthäufigste Vogel. "Ebenso auffällig waren bayernweit die vermehrten Meldungen von Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz und Bachstelze, die wie der Star zu den Kurzstreckenziehern gehören", sagt Martina Gehret. Diese Vögel reagieren oft sehr spontan auf die jeweilige Witterung. Bei einem plötzlichen Wintereinbruch ziehen sie kurzfristig in wärmere Regionen. "Wenn das Wetter weiterhin mild bleibt und der Winter nur regional, vereinzelt und kurz vorbeischaut, könnten die Daheimbleiber auch ihren Brutbeginn vorverlegen", erzählt Martina Gehret. Umso gefährlicher seien dann aber ein später Wintereinbruch oder Spätfrost. "Bei Vogelarten, die nur einmal im Jahr brüten, könnte das zu einem kompletten Brutausfall führen."

Regionale Unterschiede bei der Vogelzählung

Die meisten Vögel (41 pro Garten) bekamen die Niederbayern zu sehen. Danach folgten die Oberfranken (38), die Unterfranken (37), die Oberpfälzer (35) und die Schwaben (35). Unter dem bayerischen Durchschnitt von 34 lagen die Mittelfranken (33) und Oberbayern (30). In vielen Großstädten, etwa in Nürnberg (25 Vögel pro Garten) und Augsburg (25) lagen die Zahlen besonders niedrig. Mit im Schnitt nur 21 Vögeln pro Garten ist München erneut die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands.

Eine Stunde lang Vögel zählen - so ging's

Während einer beliebigen Stunde im Meldezeitraum sollten Vögel beobachtet werden. Die höchste Anzahl von Vögeln einer Art, die binnen dieser Stunde gleichzeitig gesehen wurden, wurde notiert. Wenn jemand also um 10 Uhr eine Amsel gesehen hat, um 10.30 Uhr vier Amseln und um 10.40 Uhr zwei Amseln - dann wurden nicht insgesamt sieben Tiere gemeldet, sondern vier. So wird verhindert, dass immer dieselben Tiere gezählt und gemeldet werden. - BR

Quelle: Rundschau-Newsletter




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