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Meister der Opulenz: Zum Tod des Regisseurs Franco Zeffirelli


16. Jun. 2019 - 07:50

Roma: Franco Zeffirelli war einer der gro√üen italienischen Regisseure f√ľr Oper und Kino. Mit "Romeo und Julia" und "Jesus von Nazareth" wurde er bekannt, er inszenierte an den ber√ľhmten Opernh√§usern der Welt. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Kaum ein anderer Regisseur hat die italienische Oper so √ľppig und glanzvoll in Szene gesetzt wie Franco Zeffirelli. "Zu viel war ihm noch nie genug", wurde einst √ľber ihn geschrieben. Einen einfachen Charakter hatte er nicht, er war undiplomatisch und eigenwillig, manchmal radikal in seinen Ansichten und zornig auf alles, was ihm nicht ins Konzept passte. "Ich war immer schon ein zynischer, alter Wolf", bekannte er einmal. Gro√üe Stars und pers√∂nliche Emotionen Zeffirelli arbeitete mit den ganz Gro√üen des Fachs, von Riccardo Muti √ľber Joan Sutherland bis Luciano Pavarotti. Aber auch im Kino konnte der geb√ľrtige Florentiner Erfolge feiern und daf√ľr Weltstars wie Liz Taylor und Richard Burton verpflichten. Obwohl seine ganz gro√üen W√ľrfe schon ein paar Jahrzehnte zur√ľckliegen, gelangen ihm auch im Alter noch √ľberraschende Projekte, wie etwa "Callas Forever" (2002). Der Film mit Fanny Ardant in der Hauptrolle erregte auch deshalb Aufsehen, weil Zeffirelli darauf beharrte, dass er nicht beim renommierten Festival von Venedig gezeigt werden d√ľrfe. "Mein Film passt nicht nach Venedig, da werden ja nur iranische und indische Filme gezeigt", meinte er polemisch. Zuvor war ihm bereits mit "Tee mit Mussolini" (1999) etwas Neues gelungen. Nicht nur konnte er weibliche Superstars wie Cher, Maggie Smith und Judi Dench verpflichten ¬Ė er schwelgte auch pl√∂tzlich in Erinnerungen an sein eigenes Leben, an seine Kindheit und seine Jugend in Florenz. "Eine Mischung aus Versch√§mtheit und Nostalgie", nannte Zeffirelli das. Filmemachen sei eine wunderbare Kunstform, denn bei den Dreharbeiten habe er sowohl die Fakten als auch die Emotionen erneut durchleben k√∂nnen, schw√§rmte er in einem Interview: "Indem ich jene Zeit Revue passieren lasse, erinnere ich mich an kleine Details, Gesichter tauchen vor meinem inneren Auge auf und die Stra√üen von damals werden wieder lebendig." Die Liebe zu Shakespeare Zeffirelli wurde 1923 in Florenz als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt zun√§chst Architektur, hatte aber bereits seine Liebe zum Theater entdeckt und leitete eine Studentenb√ľhne. Den entscheidenden Ansto√ü f√ľr die Laufbahn bei Theater und Film hatte Luchino Visconti (1906-1976) gegeben, der ihn nach dem Zweiten Weltkrieg zu seinem Assistenten machte. Zun√§chst wurde Zeffirelli als B√ľhnenbildner bekannt, gemeinsam mit Salvador Dal√≠ schuf er die Kulissen f√ľr eine Shakespeare-Inszenierung. 1953 f√ľhrte er erstmals an der Mail√§nder Scala Regie. "In Italien funktionieren nur drei Institutionen: der Vatikan, die Mafia und die Scala in Mailand", sagte er sp√§ter. 1959 inszenierte er im Londoner Covent Garden, 1964 an der Met in New York. Immer wieder waren es Shakespeare-St√ľcke. 1966 verfilmte er Shakespeares "Der Widerspenstigen Z√§hmung" mit Elizabeth Taylor und Richard Burton. Trotz der Top-Stars winkten viele Kritiker ab: "Kein Film, von dem man lange sprechen wird, dazu fehlt es ihm an Originalit√§t und Entdeckerfreude", hie√ü es. Ganz anders die Resonanz bei "Romeo und Julia" ein Jahr sp√§ter. Die beiden Hauptdarsteller der Liebestrag√∂die waren zwei 16 und 17 Jahre alte Unbekannte, der Film konventionell und ohne modischen Schnickschnack, Padua mit seinen Kirchen und Pal√§sten wurde in Farben getaucht, die von Tizian h√§tten stammen k√∂nnen. "Mut zum Pathos, Mut zum Gef√ľhl", schrieb ein deutscher Kritiker damals. Der Film fesselte, gerade auch die Jugend. Nachfahre Leonardo da Vincis "Ich bin kein Mystiker, ich bin ein Pragmatiker", sagte Zeffirelli einmal √ľber sich. Religion und Ideologie seien seine Sache nicht. Aber das sollte sich √§ndern: Nach einem schweren Autounfall im Jahr 1969, bei dem der italienische Filmstar Gina Lollobrigida am Steuer sa√ü, fand er zu tiefer Fr√∂mmigkeit und zog entsprechend gegen die "Sexwelle" im italienischen Kino zu Felde. Das dekadent-lebenslustige Rom der Dolce-Vita-√Ąra nannte er "in Sachen Kultur ein schmutziges, unversch√§mtes, papistisches Dorf". 1973 drehte er den Franz-von- Assisi-Film "Bruder Sonne, Schwester Mond", 1977 kam sein "Jesus von Nazareth" in die Kinos ¬Ė mit Stars wie Robert Powell in der Titelrolle, Anne Bancroft, Claudia Cardinale, James Mason, Anthony Quinn und Peter Ustinov. Erst im April 2016 best√§tigten dann Experten eine Vermutung, die schon lange √ľber Zeffirellis Abstammung kursierte: Der Maestro war tats√§chlich ein Nachfahre des Universalgenies Leonardo da Vinci (1452-1519). In Zeffirellis Familie war dies schon l√§nger bekannt, hatte der Regisseur doch bereits 2007 anl√§sslich der Verleihung des "Premio Leonardo" erkl√§rt: "Meine Familie, die Corsi, stammt unter anderem von Leonardo da Vinci ab." Das Publikum l√§chelte und dachte, Zeffirelli mache einen Scherz. Ein sp√§ter Vorwurf und ein gro√ües Erbe Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Zeffirelli zur√ľckgezogen. In den Fokus r√ľckte er noch mal im Zuge der #MeToo-Debatte, in der ihn der US-amerikanische Schauspieler Johnathon Schaech mit schweren Vorw√ľrfen konfrontierte. Die Behauptungen seien nicht wahr, teilte der Adoptivsohn Giuseppe Corsi mit. Zeffirelli selbst √§u√üerte sich nicht mehr selbst zu den Vorw√ľrfen. Der Wolf ¬Ė "immer ungehorsam und nie linientreu" ¬Ė war alt geworden. Der Welt hinterl√§sst er ein gro√ües Erbe: Opulent und pr√§chtig ist es, sch√∂n und kunstvoll ¬Ė so wie das Italien, von dem Zeffirelli tr√§umte. Am Samstag ist Franco Zeffirelli, der sich zeitlebens gern als kettenrauchender Dandy gab, nach langer Krankheit im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Vorstellung des Ablebens - pl√∂tzlich nicht mehr Teil dieser Erde zu sein - mache Angst, sagte er im Januar 2018 kurz vor seinem 95. Geburtstag. Er habe seit einer Weile gelitten, sei am Samstagmittag aber friedlich gegangen, teilte sein Sohn Luciano mit. - BR - Mit Material von dpa.

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