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Neue Lehrer zum Schulbeginn in Bayern: Ist mehr genug?


10. Sep. 2019 - 16:27

MĂŒnchen: FĂŒr mehr als 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Bayern hat heute wieder die Schule begonnen. Über 5.200 PĂ€dagogen wurden fĂŒr sie neu eingestellt. Aber reicht das? Der Lehrerverband ist skeptisch und warnt: "Die HĂŒtte brennt!"

Zum neuen Schuljahr wurden in Bayern gut 5.200 Lehrer und Lehrerinnen eingestellt, 1.000 Stellen davon wurden komplett neu geschaffen und sind unbefristet. Hinzu kommen 100 weitere Stellen fĂŒr Schulpsychologen und SchulsozialpĂ€dagogen. Im Detail sieht das so aus: An den Grundschulen haben 1.600 LehrkrĂ€fte ein Einstellungsangebot erhalten, an den Mittelschulen 690 LehrkrĂ€fte. Hinzu kommen 160 FachlehrkrĂ€fte und 60 FörderlehrkrĂ€fte. An den Förderschulen werden 540 LehrkrĂ€fte eingestellt, an den Realschulen 810 LehrkrĂ€fte, an den Gymnasien ebenfalls 810 LehrkrĂ€fte und an den beruflichen Schulen insgesamt 540 LehrkrĂ€fte. Nach Aussage von Kultusminister Michael Piazolo wird vor jeder Klasse ein Lehrer stehen. Er widerspricht damit der Darstellung, es gebe an den bayerischen Schulen einen akuten Personalmangel. Lehrerbedarfsprognose: Zu wenig Lehrer bei allen Schularten Aber: Steigende Geburtenzahlen, Zuwanderung und viele Pensionierungen von Lehrern fĂŒhren im Freistaat dazu, dass trotz der Neueinstellungen langfristig LehrkrĂ€fte an den Schulen fehlen. Das bayerische Kultusministerium selbst veröffentlicht regelmĂ€ĂŸig eine Lehrerbedarfsprognose – die Experten allerdings kritisch sehen. In der aktuellen Prognose des Ministeriums steht, dass es kĂŒnftig bei allen Schularten einen Mangel an dafĂŒr ausgebildeten Lehrern geben wird, an Gymnasien zumindest ab 2025. Der Lehrermangel, der bereits an Grund- und Mittelschulen in Bayern zu spĂŒren ist, wird sich bald auch an Gymnasien bemerkbar machen, sagt Walter Baier, Vorsitzender der Bayerischen Direktorenvereinigung, im Interview mit der Bayern 2-radioWelt. "Jetzt mĂŒssten deutlich mehr Menschen ein Lehramtsstudium beginnen, aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt weniger Referendare. Die Situation ist fatal, wenn man weiterdenkt. Die einzige Chance, die man jetzt hat, um den Effekt abzumildern, ist, die Lehrer mit sehr, sehr guten Noten, die derzeit nicht eingestellt werden, möglichst im System zu binden." Walter Baier, Bayerische Direktorenvereinigung Grundschulen droht drastischer Lehrermangel - außer in Bayern Bis 2025 fehlen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bundesweit 11.000 GrundschullehrkrĂ€fte mehr als im vergangenen Jahr von der Kultusministerkonferenz prognostiziert. 26.300 neue Grundschullehrerinnen und -lehrer werden in ganz Deutschland in den nĂ€chsten sechs Jahren fehlen, sagt die Bertelsmann-Stiftung. Die Kultusministerkonferenz war in ihrer Prognose lediglich von 15.300 fehlenden Absolventen ausgegangen. Die Lage ist drastisch – in Bayern allerdings deutlich weniger prekĂ€r als in anderen BundeslĂ€ndern. Grund fĂŒr die LĂŒcke sind stark gestiegene SchĂŒlerzahlen. Die Kultusministerkonferenz hatte mit viel weniger SchĂŒlern gerechnet. Neuer Einschulungskorridor stellt kleine Schulen vor Probleme Ab diesem Schuljahr gilt in Bayern zudem der neue Einschulungskorridor. Eltern, deren Kinder zwischen 1. Juli und 30. September 2013 geboren sind, konnten selbst entscheiden, ob sie ihr Kind ab diesem Jahr in die Schule schicken oder nicht. 44 Prozent haben sich fĂŒr eine spĂ€ter Einschulung entschieden. Kultusminister Piazolo rĂ€umt ein, dass es FĂ€lle gibt, in denen der Einschulungskorridor Schulen, KindergĂ€rten und Kommunen vor Herausforderungen gestellt hat. Beispiel: Train im Landkreis Kelheim. Die Grundschule in der niederbayerischen Gemeinde ist fĂŒr mehrere Millionen Euro saniert worden. Nur werden in diesem Schuljahr dort weniger SchĂŒler die Schulbank drĂŒcken als ursprĂŒnglich geplant. Das hat Folgen fĂŒr den Schulbetrieb: Statt einer Regelklasse pro Jahrgangsstufe, gibt es dort nun Kombiklassen. ErstklĂ€ssler lernen mit ZweitklĂ€ssler, ZweitklĂ€ssler mit DrittklĂ€sslern. Die Eltern sind unzufrieden. BLLV: "Die HĂŒtte brennt" Alarmierend findet die Situation auch der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV). In den kommenden Jahren stehe den Grund,- Mittel- und Förderschulen ein Personalmangel bevor, den es in dieser Dimension noch nie geben habe, sagte die BLLV-Vorsitzende Simone Fleischmann dem BR. Sie forderte Antworten auf unter anderem folgende Fragen: Wie gelingt es, mehr Lehrer in Grund,- Mittel- und Förderschulen zu bringen? Wie ist es um die Mobile Reserve bestellt? Und wie soll es mit der Zweitqualifizierung weitergehen? "Wenn nichts geschieht und es keine konstruktiven Antworten auf diese Fragen gibt, rennen wir sehenden Auges weiter in eine Krise hinein, die uns dann viele weitere Jahre beschĂ€ftigen wird." Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Schaut man auf die KlassengrĂ¶ĂŸe, hat sich im Vergleich zum vergangenen Schuljahr nichts getan. In den Grundschulen sind durchschnittlich 21 SchĂŒler in einer Klasse, an den Mittelschulen 10, an den Realschulen und den Gymnasien jeweils 25. Es brauche jetzt Lösungen fĂŒr die LehrkrĂ€fte und die Schulen, sagte Fleischmann. - BR

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