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Rubrik: Wirtschaft

19.September.2008

USA und England sagen Zockern den Kampf an

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Schlechte Zeiten für Spekulanten: Nach den Börsenbeben der vergangenen Tage ermittelt die US-Justiz gegen illegale Zocker, die US-Börsenaufsicht verschärft die Vorschriften gegen riskante Börsengeschäfte. Seit Mitternacht ist auch in Großbritannien der Handel mit Leerverkäufen vorerst verboten.

New York - Wegen des Verdachts auf betrügerische Spekulationen hat der US-Bundesstaat New York Ermittlungen eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der gezielten Verbreitung von "falschen Informationen und Gerüchten" mit dem Ziel, die Kurse bestimmter Aktien in den Keller zu treiben, sagte der New Yorker Justizminister Andrew Cuomo auf CNN.

Er ließ offen, gegen wen sich die Ermittlungen richteten, sagte aber, auch die aktuellen Kurzstürze könnten durch Zocker ausgelöst worden sein. Als Beispiele nannte Cuomo die Investmentbank Lehman Brothers, die am Montag Konkurs anmelden musste, und die Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs, deren Kurse zu Wochenbeginn rasant eingebrochen waren.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen sogenannte Leerverkäufe. Bei diesem verkauft ein Börsenteilnehmer Aktien, die sich gar nicht in seinem Besitz befinden. Zunächst werden Aktien aus einem anderen Wertpapierdepot geliehen. Der Verleiher schließt dazu einen Vertrag mit einem Kommissionär oder dem Leerverkäufer, dass bestimmte Aktien ausgeliehen werden. Der Leerverkäufer zahlt hierfür einen festgelegten Zins oder Prozentsatz an den Verleiher und erhält die Wertpapiere. Diese verkauft er über die Börse.

Fällt der Kurs tatsächlich, erfolgt der Rückkauf zum niedrigeren Kurs und anschließend eine Rückgabe der Aktien. Der Kursunterschied abzüglich Kosten macht den Gewinn. Bei anderer Entwicklung des Aktienkurses können entsprechende Verluste auftreten. Hier muss sich der Leerverkäufer zu gestiegenen Kursen wieder an der Börse eindecken, um die geliehenen Aktien zurückgeben zu können.

Selbst Morgan Stanley wettert gegen Zocker
Mit derartigen Methoden spekulieren vor allem Hedgefonds. Sie sind zwar im Grundsatz nicht illegal, sagte Cuomo. "Es ist aber illegal, wenn man sich verschwört, um vorsätzlich den Preis einer Aktie nach unten zu treiben und dann von dem Sturz zu profitieren", fügte er hinzu.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat die Regeln gegen solche Leerverkäufe bereits verschärft. Schon ab dem gestrigen Donnerstag müssen Verkäufer und Broker unter anderem mit dem Abwicklungstermin - drei Tage nach der Kaufvereinbarung - die verkauften Aktien tatsächlich vorlegen. Ansonsten drohen Strafen. "Die neuen Regeln machen sehr deutlich, dass die SEC null Toleranz für den Missbrauch von Leerverkäufen hat", sagte Aufsichtsratschef Christopher Cox.

Sogar die angeschlagene US-Investmentbank Morgan Stanley wettert inzwischen gegen Zocker. "Wir stecken mitten in einem Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist", erklärte Vorstandschef John Mack in einem internen Schreiben. "Investoren, die mit ungedeckten Leerverkäufen auf Kursverluste setzen, treiben derzeit unsere Aktien herunter", heißt es in dem Papier.

Bush stärkt SEC den Rücken
George W. Bush stärkte Cox trotz der aktuellen Turbulenzen den Rücken. Der US-Präsident reagierte damit auf die Forderung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain, Cox müsse entlassen werden. Bush habe weiterhin Vertrauen in Cox, sagte eine Sprecherin des US-Präsidialamts.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hatte Cox vorgeworfen, das Vertrauen der Bevölkerung verraten zu haben. "Wäre ich heute Präsident, würde ich ihn entlassen." Die SEC habe Regeln geduldet, die dazu geführt hätten, dass Spekulanten und Hedgefonds die Märkte in Casinos verwandelten, sagte McCain und führte als Beispiel ungedeckte Leerverkäufe an. "Das bedeutet ganz einfach, dass man Aktien verkaufen kann, die einem nicht einmal gehören."

Britische Finanzaufseher verbieten Leerverkäufe
Auch die britische Finanzaufsicht (FSA) verbot am Donnerstag Leerverkäufe. Das Verbot soll vorläufig bis zum 16. Januar gelten. Die FSA erhofft sich dadurch, die Abwärtsspirale bei den Bankenaktien aufzuhalten.

Politiker begrüßten die FSA-Entscheidung. Der Beschluss sei nach reiflicher Überlegung gefallen, um den Markt vor weiterer Instabilität zu bewahren, sagte FSA-Chef Hector Sants. Experten sehen solche Geschäfte als einen Grund für den Niedergang der Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS), die am Donnerstag vom Finanzkonzern Lloyds übernommen worden war.

Quelle: spiegel




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