Zwischen Donau und Altmühl...
Aufnahme von Eichstätt ins brennessel-Gebiet
Interview mit OB Arnulf Neumeyer
brennessel ist um eine Attraktion reicher - Eichstätt! Die Erweiterung des Aktionsradius
lag auf der Hand, liegt Eichstätt doch nur knapp 20 km von Neuburg entfernt.
Bei den Recherchen zu dieser Startaktion fiel auf, dass es sowohl großes Interesse
an einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Landkreisen gibt, wie aber auch latentes
Desinteresse... Doch gibt es allerhand Informationen und Aktivitäten wie Prognosen,
die zeigen, dass zwischen Neuburg-Schrobenhausen und Eichstätt eine Kooperation
am entstehen ist, bzw. die bestehende sukzessive ausgebaut wird. Um unseren Lesern
einen Einblick in die Gewerke der Bischofs- und Universitätsstadt zu vermitteln,
befragten wir Arnulf Neumeyer, den ‘roten’ Oberbürgermeister von
Eichstätt.
Der gebürtige Eichstätter
..macht den Job des Oberbürgermeisters nach eigenen Aussagen wahnsinnig gern.
Neumeyer ist seit über 30 Jahren mit seiner Frau Monika verheiratet und Vater
von zwei erwachsenen Töchtern. An dem Gerücht, dass Neumeyer bei der Kommunalwahl ‘nur
zum Spaß’ antrat, ist nichts dran. 1994 kamen mehrere Glücksfälle
für die Eichstätter SPD zusammen, der Vorgänger von Neumeyer trat
nicht mehr an, dann gab es die Amigo-Affäre um Max Streibl und last not least
waren sich die Partei-Oberen der CSU in Eichstätt nicht einig über ihren
Spitzenkandidaten. “Die Eichstätter wollten einfach etwas Neues ausprobieren
und wählten mich hernach in der Stichwahl mit über 58 % der Stimmen. Ich
habe in den 10 Jahren meiner Amtszeit nicht einen Tag erlebt, an dem ich nicht gerne
ins Rathaus gegangen wäre. Ob es jetzt um große Themen geht, wie z.B.
die Entscheidung über die Erschließung eines Baugebietes, oder ob es
sich um das Aufstellen einer Parkbank handelt, die sich eine ältere Dame wünscht
- man kann immer etwas zum Positiven verändern, und das oft ohne viel Bürokratie...
Denn ich bin nicht unbedingt ein Freund derselben, jedoch akzeptiere ich das bürokratisch
Notwendige.”
"Eichstätt ist keine Industriestadt"
und verfügt deshalb über ein geringes Aufkommen an Gewerbesteuer. Wir
sind eher eine Stadt des Mittelstands und des Öffentlichen Dienstes. Der größte
Arbeitgeber in unserer Region ist die Osram mit ca. 800 Beschäftigten. Alle
anderen Betriebe gehören dem Mittelstand an und beschäftigen bis zu 100
Mitarbeiter. Wir sind in Eichstätt sehr daran interessiert einen weiteren größeren
Arbeitgeber anzusiedeln und haben mit der kontinuierlichen Erschließung des
Gewerbegebietes die Weichen hierfür gestellt. Das Jahr 2001 bescherte uns z.B.
einen Gewerbesteuereinbruch von knapp 3 Mio. Mark. Dies machte viele Sparmaßnahmen
notwendig, wie z.B. einen Einstellungsstop in der Verwaltung oder gar die Schließung
der Eichstätter Musikschule, die jedoch nun als Nachfolgeverein erfolgreich
weiter arbeitet. Erfreulich ist bei uns die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit
nur knapp 3 % Arbeitslosen. In unserer heutigen Zeit kann man da schon beinahe von
Vollbeschäftigung sprechen. Interessant ist auch, dass weitaus mehr Menschen
zum Arbeiten nach Eichstätt einpendeln als umgekehrt.
Charakterisierung!
“Eichstätt ist eine Kleinstadt. Das hat den Vorteil, dass man vieles,
egal ob Probleme oder zukünftige Projekte, in persönlichen Gesprächen
klären kann. Der Nachteil ist, dass man immer präsent ist - man kommt nicht
aus. Eichstätt ist lebenswert, die Infrastruktur ist gewachsen, ob das jetzt
den Kindergarten- oder Schulbesuch betrifft, die Personenbeförderung im öffentlichen
Nahverkehr oder den Branchenmix wie auch die ärztliche Versorgung. Insbesondere
haben wir uns in den letzten Jahren um ein abwechslungsreiches Kulturleben bemüht.
Durch die Installation unseres ‘Haus der Jugend’ unter der Leitung von
Bernd Zengerle ist es uns gelungen, auch den Jugendlichen bei ihren Kulturprojekten
Gehör zu geben und deren Ideen in den Kulturkalender mit einfließen zu
lassen. Diesbezüglich treffe ich mich einmal wöchentlich mit Zengerle zum
Gedankenaustausch. In Eichstätt gibt es kein Kulturreferat. Durch die enge finanzielle
Situation der letzten Jahre waren wir gezwungen, die Eichstätter Sommerspiele
umzumodeln. Zum Glück konnten wir einige Leute aus dem alten Team für die
neue jährliche Kulturreihe gewinnen. Als Ansprechpartner für das Alte Stadttheater
(Asthe) haben wir noch zusätzliche kulturelle Möglichkeiten. Von einem
Kultur-Etat wie in anderen Städten kann jedoch in Eichstätt nicht die Rede
sein - zu begrenzt sind da unsere Möglichkeiten. Doch bin ich der Meinung, dass
für das Wenige, was wir zur Verfügung haben, das Optimale auf die Beine
gestellt wird - und manchmal sogar noch ein bisschen mehr... An dieser Stelle muss
man natürlich das kulturelle Engagement der Uni, der Kirche, der VHS und der
vielen Vereine in Eichstätt loben.”
Universitäts- und Bischofstadt
“Mit den Verantwortlichen der Universität und dem Bischof finden im Jahr
regelmäßige Treffen zum Gedankenaustausch statt. Insbesondere möchte
ich da unser gemeinsames Engagement um die Installation eines ‘Tourismus-Lehrstuhls’ an
der Uni Eichstätt hervorheben. Durch die Hartnäckigkeit von Karl Jägle,
der großzügigen Unterstützung der Sparkasse und dem Beitrag der Stadt
Eichstätt und dem Landkreis, ist es gelungen, diesen an der Uni auf 5 Jahre
einzurichten. Knapp 200 Studenten haben sich für den ersten Studiengang eingeschrieben.
Geplant ist u.a., dass für die Region 10 ein überregionaler Tourismus-Marketing-Auftritt
vorangebracht wird. Es kann keinen Sinn machen, dass jede Kommune hier ihr eigenes
Süppchen kocht und somit wertvolle Chancen für den Tourismus ausgelassen
werden. Der Tourismus ist für den Donau- und Altmühlbereich ein Wachstumsmarkt
und könnte gerade im Blick auf bevorstehende kulturelle Ereignisse, wie die
Landesausstellung in Neuburg, hervorragend angekurbelt werden.”
Wünsche für die Zukunft
“Ich wünsche mir, dass sich die Köpfe der großen Politik endlich
zusammenraufen, damit eine vernünftige Gemeindefinanzreform auf die Füße
kommt. Dies würde für die Zukunft den Kommunen viel Planungssicherheit
und nicht zuletzt dem Bürger wieder Vertrauen in die Politik geben. Überdies
darf Eichstätt auch weiter wachsen. Ich sage das im bezug auf das Gewerbe, Einwohner,
Universität und Kulturleben. Unsere Aufgabe muss es sein, die Attraktivität
unserer Stadt weiter auszubauen.”
Geschichtliche Eckdaten:
- 908: König Ludwig das Kind verleiht dem Bischof Erchanbald das Recht, im Kloster
Eichstätt Markt und Münzstätte einzurichten und eine Stadt zu erbauen.
Beginn der Ummauerung der Stadt.
- 1042: Eichstätt wird erstmals als “civitas” (Stadt) bezeichnet
- 14./15. Jh.: Blütezeit des Eichstätter Bürgertums. Vier Vorstädte
entstehen
- 1460: Gründung des Augustinerinnenklosters Marienstein
- 1597: Auf der Willibaldsburg wird ein Botanischer Garten angelegt.
- 1634: Eroberung und nahezu völlige Zerstörung der Stadt durch die Schweden
- 1704: Die Stadt feiert am 5. Juli ein Dankfest dafür, dass Eichstätt im
spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) trotz akuter Bedrohung vor größeren
Kriegsschäden bewahrt blieb.
- 1711: Gründung des Augustinerinnenklosters Notre Dame du Sacré Coeur
- 1716: Hofbaudirektor Gabriel de Gabrieli wirkt in Eichstätt bis 1747. Ihm sind
Eichstätts schönste Barockbauten zu verdanken.
- 1745: Tausend-Jahr-Feier der Diözese
- 1750: Mauritio Pedetti wirkt als Hofbaudirektor in Eichstätt bis 1979
- 1870: Eröffnung der Eisenbahnstrecke Ingolstadt-Eichstätt-Treuchtlingen
- 1886: Der Historische Verein Eichstätt wird gegründet und errichtet ein
Museum auf der Willibaldsburg
- 1951: Gründung der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Rebdorf ab 1952 in Eichstätt,
Jägerkaserne
- 1969: Gründung des Naturparks Altmühltal, des mit rund 3000 Quadratkilometern
Fläche größten Naturparks in Deutschland.
- 1972: Errichtung der kirchlichen Gesamthochschule Eichstätt
- 1973: Zwischen Eichstätt und Bolca Vesstenanova (Italien) wird eine Städtepartnerschaft
begründet
- 1976: Das Jura-Museum auf der Willibaldsburg wird eröffnet
- 1982: Das Diözesanmuseum beim Dom wird eröffnet
- 1987: Fertigstellung der neuen Universitätsbibliothek
- 1988: Einweihung des “Alten Stadttheaters”
- 1992: Einführung der ‘Stadtlinie’
- 1999: Einweihung des ‘Hauses der Jugend’
- 2002: Die Städtepartnerschaft mit Chrastava (ehem. Kratzau) in Tschechien
wird besiegelt