$headline = "Emotionen im Jahr 2004";
include("../../kopf.php") ;
?>
Das hat uns im vergangenen Jahr...
... erregt
- Mannesmann-Prozess: Deutsche-Bank-Chef und Ex-Aufsichtsratmitglied des Mannesmann-Konzerns Josef Ackermann streckte
vor Prozessbeginn breit grinsend die Finger zum Victory-/Siegeszeichen als hätte er es geahnt: Freispruch vom Vorwurf der schweren
Untreue, sowie deren Beihilfe für ihn und die anderen Angeklagten, u.a. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und Ex-IG Metall-Chef Klaus
Zwickel. Denn Raffgier ist (leider) nicht strafbar. Zur Erinnerung: Mit seiner Abwehrschlacht gegen die Übernahme durch Vodafone
trieb Esser die Mannesmann-Aktienkurse in die Höhe und gab anschließend doch klein bei, was ihm 30 Mio Euro „Anerkennungsprämie“ einbrachte.
Die Übernahme wurde genutzt, um auch anderen Managern und Ex-Vorständen ungerechtfertigte Abfindungen in Millionenhöhe
im Selbstbedienungsprinzip zuzuschieben. Übrigens: Der finanzielle Verlust beim Kauf der Firma Mannesmann ist steuerlich absetzbar.
Dem Staat entgehen dadurch voraussichtlich 20 Milliarden Euro an Steuereinnahmen verloren!
- Hartz IV wurde zum Negativbegriff bei Arbeitslosengeldempfängern. Mit dazu beigetragen haben sicher auch Horrormeldungen
wie die vom drohenden Hausverkauf für Arbeitslose. Vor allem in Ostdeutschland wurde gegen die Arbeitsmarktreform mit Zusammenlegung
der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ab Januar 2005 protestiert. Kurz vorm ersten Auszahlungstermin für das neue Arbeitslosengeld
II sieht der Arbeitslosenverband Deutschland schwarz. Seinen Berechnungen zufolge würden 50 bis 60 % der bisherigen Empfänger
von Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld zwischen 30 und 200 Euro weniger im Monat bekommen. Der Verband erwägt daher eine Klage
bis hin zum Bundesverfassungsgericht.
- “Körper-Welten”: Seit Jahren betreibt Gunter von Hagen einen florierenden Handel mit Leichen und Organen,
die er in 40 Länder verkauft. Seine umstrittene Leichenschau mit Plastinaten schockierte und faszinierte zugleich. Weltweit besuchten
rund 14 Mio Menschen die Ausstellung.
- Stillstand am Industriestandort Deutschland: Immer öfter blockieren oder verzögern fanatische Umweltschützer
oder private Querulanten wichtige Großprojekte in unserem Land und verhindern damit viele neue Arbeitsplätze.
Frankfurt: Seit Jahren kommt der Ausbau des Frankfurter Flughafens nicht voran. Gigantische 3,35 Milliarden Euro an Investitionen und
rund 100.000 Arbeitsplätze in der Region stehen durch 100.000 Einsprüche auf dem Spiel.
Hamburg: Beim Airbus-Werk soll die Startbahn verlängert werden, 4000 neue Arbeitsplätze könnten entstehen. 38 ha Land
werden dafür benötigt, die Besitzer wollen nicht verkaufen. Ohne Verlängerung kann jedoch Hamburg nicht Auslieferungszentrum
für den neuen Superjet A 380 werden, die Franzosen würden dann das Geschäft machen.
Berlin-Schöneberg: Gegen den geplanten Großflughafen (Baukosten 1,7 Mrd. Euro, 20.000 neue Jobs) liegen beim Bundesverwaltungsgericht
4000 Einzelklagen vor.
Baubeginn ist – wenn überhaupt – frühestens in 10 Jahren. Aber Arbeitsplätze bräuchte Deutschland jetzt,
oder?
- Die Passion Christi: „Brutal, antisemitisch, schockierend...“ Sehr hitzig wurde der von Mel Gibson produzierte
US-Streifen über die letzten 12 Stunden im Leben Jesu Christi samt Kreuzigung diskutiert. Zuschauer fielen beim Anblick der grausamen
Szenen in Ohnmacht oder bekamen einen Herzinfarkt. Also nichts für zart besaitete Seelen.
Trotzdem oder gerade deswegen wurde er ein überwältigender Kassenerfolg, spielte 500 Mio Dollar ein!
... entsetzt
- Flutwellenkatastrophe in Südostasien
Vor der indonesischen Insel Sumatra lag des Zentrum des Seebebens, das mit einer Stärke von 9,0 auf der Richterskala (4. stärkstes
Beben seit dem weltweiten Aufzeichnungsbeginn im Jahre 1899) eine riesige, haushohe Flutwelle in Südostasien ausgelöst hatte,
die mit über 500 km/h auf die Strände zuraste.
Bis Redaktionsschluss ging man von über 23.000 Toten in Indien, Bangladesch, Thailand, Sri Lanka, Malediven und weiteren betroffenen
Ländern aus. Stündlich werden es mehr. Hilfsorganisationen befürchten weitere Opfer durch Seuchengefahr und Versorgungsengpässen.
Experten kritisierten, dass es für die gefährlichen Tsunami-Wellen kein Frühwarnsystem gibt wie beispielweise rund um
den Pazifischen Ozean. Ein solches Warnsystem hätte Tausende von Menschenleben retten können.
Terror auch in Europa: Fanatische Islamisten übten gleichzeitig vier Sprengstoff-Attentate auf Madrider Vorortzüge aus, wohl
als Vergeltungsmaßnahme für den spanischen Truppeneinsatz im Irak. Bilanz des verheerenden Blutbades: 191 Tote, 1500 Verletzte,
3000 Opfer und Helfer benötigen psychologische Hilfe.
- Folterbilder aus Irak: Weltweite Empörung und Entsetzen lösten Fotos über grausame Misshandlungen und
sexuelle Demütigungen an gefangenen Irakern durch amerikanisches Militärpersonal aus: körperliche Quälereien, Todesdrohungen,
totgeschlagene Häftlinge, Vergewaltigung weiblicher Gefangener, sexuelle Folterung männlicher Insassen etc. Und keiner will
davon gewusst haben, weder Präsident Bush noch sein Verteidigungsminister. New York Times Magazin sprach von einem „Desaster
für uns alle“, amerikanische Abgeordnete von einer „Katastrophe für die USA“. Die Folgen der Bilder könnten
schlimmer als jene des 11. Sept. 2001 sein, denn die verhassten westlichen Ungläubigen handelten so, wie es kein fanatischer Islamist
abartiger hätte erfinden können...
- Sittenskandal im Priesterseminar: Überzeugte Christen konnten es nicht fassen, als sie die Nachricht lasen: Nach
anonymen Hinweisen entdeckten Polizeifahnder im Priesterseminar St. Pölten/Österreich auf PC-Festplatten Hardcore-Videos und
rund 40.000 Pornobilder mit Sodomie und Kinderpornografie! „Alles nur Bubendummheiten“, kommentierte Bischof Kurt Krenn.
Das finden wir nicht. Homo-Bilder von Priestern, die sich küssen und ans Gemächt fassen, hätte man noch akzeptieren können,
aber keine Kinderpornografie. Der Vatikan machte dem kirchlichen Super-Gau durch die Schließung des sündigen Seminars ein
Ende. Bischof Krenn trat zurück.
- Geiseltragödie in Beslan: Bislang galt die Geiselnahme von 990 Besuchern eines Moskauer Theaters durch tschetschenische
Terroristen mit 174 Toten beim Sturm der Sicherheitskräfte als größte Tragödie in Russland. Am 1. September fand
sie eine Steigerung: Zum Schulanfang, in ganz Russland ein feierlicher Anlass, an dem Eltern und Großeltern die Kinder in die Schule
begleiten, stürmten 32 Terroristen eine Schule in Beslan, brachten1300 Schüler, Lehrer und Eltern in ihre Gewalt und verminten
das Gelände. Am 3. Tag explodiert durch Zufall ein Sprengsatz und tötet zahlreiche Geiseln. Binnen Minuten verwandelt sich
das Gelände in ein Schlachtfeld. Geiselnehmer schießen auf die Fliehenden, russische Sondereinheiten auf die Banditen. Ergebnis:
rund 350 Tote und mehr als 540 Verletzte.
... erstaunt
- Bush bleibt Präsident: Trotz des großen Debakels im Irak-Krieg triumphierte Bush bei der Präsidentschaftswahl
gegen Kerry. Damit siegte das erzkonservative Amerika. Die Niederlage der Demokraten ist dramatisch, in 23 Staaten sind sie nicht mehr
konkurrenzfähig, ¾ der Fläche des Landes sind fest in republikanischer Hand. Gewählt wurde ein Präsident,
der den Wähler Halt bietet und dem sie zutrauen, Gut und Böse im Kampf gegen den Terrorismus zu unterscheiden. Der Irakkrieg
spielte bei der Wahl angeblich keine Rolle mehr.
- Rekruten misshandelt: Wie weit darf eine „realitätsnahe“ Ausbildung gehen? Um Rekruten auf den militärischen
Ernstfall, eventuell bei einem Auslandseinsatz, vorzubereiten, sollen Unteroffiziere die Soldaten z.B. mit Stromstößen aus
einem Feldtelefon misshandelt und eine Geiselnahme inszeniert haben. Die Rekruten selbst hatten sich nicht beschwert. Die Staatsanwalt
ermittelte, die Beschuldigten wurden vom Dienst suspendiert.
... amüsiert
- Pfahls Irrtum: Jetzt sitzt er im Gefängnis und ärgert sich wahrscheinlich grün und blau über diesen
verhängnisvollen Fehler! Die Festnahme des hochintelligenten und weltweit gesuchten Ex-Politikers haben die Ermittlungsbehörden
seinem Irrtum zu verdanken. Nach fünf Jahren Flucht war Holger Pfahl überraschend in Paris verhaftet worden. Er soll 1991 als
Parlamentarischer Staatssekretär im Zusammenhang mit dem Verkauf von Spürpanzern an Saudi-Arabien von dem inzwischen in Kanada
inhaftierten Lobbyisten Karl-Heinz Schreiber 1,94 Mio Euro Bestechungsgeld kassiert und nicht versteuert haben. Der Untergetauchte war
von Justizexperten in Paris nicht richtig beraten worden und glaubte deshalb, dass seine Taten inzwischen verjährt seien. Deshalb
gab er seine perfekte Deckung auf und bat einen Bekannten in Bonn per Fax um juristischen Beistand. Erst dadurch wurden die Zielfahnder
des Bundeskriminalamts wieder auf den früheren Präsidenten des Verfassungsschutzes aufmerksam. Merke: Nobody is perfect!
... überrascht
- Ich bin ein Star - holt mich hier raus! Dieser Satz erlangte den gleichen Bekanntheitsgrad in der deutschen Medienwelt
wie einst Wowereits Schwulen-Outing mit dem Zusatz “und das ist gut so”. Was vorher keiner geglaubt hatte: Die RTL-Urwaldshow
mit zweit- und drittrangigen Promis wurde zum “TV-Hit des Jahres”. Oft mehr als 7 Mio Zuschauer verfolgten schadenfroh, wie
Mitglieder der Dschungel-Crew allerlei eklige Mutproben zu absolvieren hatten. Kulturpessimisten brandmarkten den galoppierenden Verfall
der TV-Kultur. Aber wir haben trotzdem noch Hoffnung! Immerhin fanden die restlichen 73 Mio Deutsche den Aus- oder Umschaltknopf am TV-Gerät.
- Allianz-Arena-Schmiergeld-Skandal: Ein millionenschwerer Bestechungsskandal um Löwen-Präsident Karl-Heinz
Wildmoser erschütterte Bayern. Unter dem Verdacht, bei der Vergabe des Bauauftrags für das neue Allianz-Stadion 2,8 Mio Euro
Schmiergeld kassiert zu haben, wurden K.H. Wildmoser und sein Sohn, der einer der Geschäftsführer der Allianz-Arena GmbH ist,
sowie dessen ehemaliger Schulfreund verhaftet. Wildmoser sen. ist inzwischen wieder auf freiem Fuß, da er anscheinend nichts von
den Machenschaften seines Sohnes wusste.
Kurzer Prozess für Strauß-Sohn: Wegen Beihilfe zum Betrug wurde der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten
Franz Josef Strauß in München zu 300.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Dass der Prozess für Max Strauß so glimpflich
ausgehen würde, hatte niemand erwartet. Bei den Betrügereien des WABAG-Firmenimperiums, dessen „Werbeträger, Investorensucher
und juristischer Berater“ er war, wurden 2.200 Anleger um 29 Mio Euro geprellt und Vorstand und Aufsichtsrat bereits zu Haftstrafen
von jeweils 8 Jahren und zwei Monaten verurteilt. Strauß frühes Geständnis bewahrte das Gericht vor einem langen und
komplizierten Verfahren und ihn vor einer Haftstrafe – in diesem Fall. In seinem anderen Prozess vorm Landgericht Augsburg wurde
er wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung zu 3 Jahren und 3 Monaten Haft verdonnert. Übrigens: Sein Schwager, der Mann von
Kultusministerin Monika Hohlmeier, war auch für die WABAG-Gruppe tätig. Der hat sich aber schlauerweise rechtzeitig zurückgezogen.
... begeistert
- Traumhochzeiten: Dänemarks Kronprinz Frederik standen Tränen der Rührung in den Augen als er die Australierin
Mary Donaldson zum Traualtar führte. Und weil sich beide so lieben, küssten sie sich schon in der Kirche. Das gab’s bei
royalen Hochzeiten noch nie. Auch der spanische Kronprinz Felipe ehelichte nach langen Widerständen die bürgerliche, geschiedene
Journalistin Letizia Rocansolano. Die teuerste Hochzeit der Welt wurde 12 Tage lang gefeiert und kostete 40 Mio Euro. Aber wen juckt
dies, wenn der Bräutigam milliardenschwer ist: Prinz Muhtadee Billah aus dem Sultanat Brunei nahm die 17-jährige Sarah Salleh
zu seiner Frau.
... beschäftigt
- EU-Erweiterung: Grund zur Freude oder Angst? Seit der EU-Erweiterung am 1. Mai gehören 25 Länder mit 450 Millionen
Einwohnern zur Gemeinschaft, die damit zum stärksten Wirtschaftsraum der Welt wurde. Das bringt sicher Vorteile auch für Deutschland.
Trotz freudig-gestimmter Politikerreden macht uns einiges Angst: Mit den zehn neuen Mitgliedsstaaten gehören nun gerade jene Länder
zur EU, die vorher schon als größte Konkurrenten des Industriestandorts Deutschland galten: Polen, Tschechische und Slowakische
Republik, Ungarn, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern locken mit Billiglöhnen und Niedrigsteuern deutsche Firmen
an. Nicht nur Konzerne, sondern auch deutsche Mittelständler wagen den Sprung ins Ausland, wo sie neue Firmen und neue Arbeitsplätze
entstehen lassen. Wovon sollen wir dann leben?
- „Dr. Tod“ erhängte sich: Mindestens 215 seiner Patienten hat Harold Shipman wahrscheinlich mit einer
Heroin-Injektion getötet. 15 Morde konnte man ihm nachweisen. Deshalb war der Mediziner im Januar 2000 zu 15-facher lebenslanger
Haft verurteilt worden. Er selbst sprach gegenüber Mithäftlingen sogar von 518 Opfern. Jetzt hat sich der schlimmste Massenmörder
Großbritanniens in der Zelle erhängt. Die Hinterbliebenen der Opfer reagierten mit Zorn. Der „Mörder ohne jegliches
Mitgefühl und Reue“ habe sich einfach aus dem Leben geschlichen.
- Deutschland im Lotto-Fieber: Eine Lottospielerin aus Baden-Württemberg hat es uns vorgemacht: Mit dem bescheidenen
Einsatz von 3,75 Euro knackte sie im Januar 2004 den Millionen-Jackpot und sicherte sich mit ihren als Einzige im gesamten Bundesgebiet
richtig getippten Zahlen mit 20,2 Millionen Euro den höchsten Einzelgewinn der Lottogeschichte. Jetzt wäre es eigentlich wieder
an der Zeit, den Millionen-Jackpot zu knacken. Haben Sie schon getippt?
- 200. Todestag Immanuel Kant: Der 1724 in Königsberg geborene Philosoph regt auch heute noch zum Denken an. Die
wohl am ausführlichsten diskutierte Aussage „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer
allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte“, ist unauflösbar mit seinem Namen verbunden. Er hat die Grundzüge eines
Staatsbürgerrechts entworfen und die Prinzipien eines Völkerrechts formuliert, das auf den Föderalismus souveräner
Staaten begründet ist. Kant forderte den „freien und öffentlichen Verstandesgebrauch“. Dann – so eines seiner
Zitate –„merkt man leicht, dass auch kluge Leute bisweilen faseln*. Recht hat er!
- Deutsche Firmen in Krise: Karstadt will komplette Unternehmensteile verkaufen, unprofitable Häuser schließen,
Tausende Stellen sind in Gefahr. Bei Opel sollen 10.000 Stellen abgebaut werden. Volkswagen will die Personalkosten um 30 % senken, um
die 103.000 Arbeitsplätze im Westen Deutschlands zu sichern. Traditionskonzerne sind kaum mehr konkurrenzfähig, zumindest die
Standorte in Deutschland, denn nur einige wenige Lkw-Stunden entfernt wird im Osten Europas für erheblich weniger Geld produziert.
Viele bangen um ihre Arbeitsplätze. In der Tarifpolitik vollzieht sich eine spektakuläre Wende: Was die Gewerkschaften in Jahrzehnten
erkämpft haben, wird jetzt Stück für Stück aufgegeben. Mit Lohnverzicht, flexiblen oder längeren Arbeitszeiten
sollen Jobs im weltweiten Wettbewerb gesichert werden.
... geärgert
- Lkw-Maut- Debakel : „Industriepolitischer Supergau“, „Riesenblamage, die ihresgleichen sucht“, „Ohrfeige
für Deutschland“, „Schande für seine Großindustrie und Drama für die öffentlichen Finanzen“.
Mit Häme kommentierte das Ausland das zweite Scheitern des deutschen Maut-Hightech-Projektes, das zwei der potentesten und technologisch
ambitioniertesten Konzerne Deuschlands, Telekom und Daimler, auf den Weg bringen wollten. Die auf über 7 Mrd. Euro geschätzten
Einnahmeausfälle (Euro-Vignette wurde wegen des Mautsystems bereits 2003 abgeschafft), wollen wir nur am Rande erwähnen. Inzwischen
hat das Mautsystem sämtliche Gutachten und Härtetests mit Bravour bestanden und soll beim dritten Anlauf ab 1. Januar 2005
endgültig starten. Ob’s jetzt klappt? Hoffentlich! Dann wäre Deutschlands Ehre als innovatives Technologieland wieder
gerettet.
- Kopfpauschale oder Bürgerversicherung? Die Gesundheitskosten, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen
bezahlen, sollen zukünftig von den Lohnkosten abgekoppelt werden. Die SPD favorisiert eine Bürgerversicherung, bei dem jeder
einen prozentialen Anteil seines Einkommens bezahlt, die CDU hat mit der CSU nach hartem Ringen einen Wischi-Waschi-Kompromiss, nämlich
eine einkommensunabhängige Krankenversicherungsprämie in Höhe von 169 Euro vereinbart. Jeder gesetzlich Versicherte soll
109 Euro bezahlen, 60 Euro pro Monat sollen aus einem Topf kommen, in den die Arbeitgeber einen einkommensbezogenen Beitrag einzahlen,
aus dem auch ein Ausgleich für Geringverdiener finanziert werden soll. Eines steht schon mal fest: Gesundheit wird teurer werden
- egal welche Variante kommt.
... gefreut
- Rehagel’s Triumph: Die Überraschung bei der Fußball-Europameisterschaft war perfekt. Favoriten wie
Italien, Frankreich oder England scheiterten. Deutschland natürlich auch. Deshalb drückten wir gern Otto Rehagel und seiner
griechischen Mannschaft beide Damen. Die krassen Außenseiter schafften es, mit ihrem Beton-Fußball die EM zu gewinnen. Griechenland
jubelt. Rehagel wird zum Fußballgott und erhält einen Platz im Olymp. Auch wir freuen uns, denn immerhin hatte dies ein deutscher
Trainer möglich gemacht.
- Präsidentenwahl: CDU-Chefin Angela Merkel boxte den politischen Nobody Horst Köhler (Direktor des Internationalen
Weltwährungsfonds) als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt durch. Bundeskanzler Schröder setzte ebenfalls auf
einen Nobody, auf die Politik-Professorin Gesine Schwan. Herr Unbekannt gegen Frau Unbekannt. Eines hatten sie gemeinsam: ihre sympathische,
offene Art. Köhler wurde gewählt und will ein „Bundespräsident für alle Deutschen und für alle, die hier
leben, sein“, der auch offen seine Meinung zum politischen Geschehen kund tun will. Er sorge sich um den Zustand der deutschen
Wirtschaft, die Arbeitsplätze und die soziale Sicherheit in Deutschland und fordert daher eine „grundlegende Erneuerung des
Landes“. Als gelernter Ökonom muss er es wissen. Sogar Helmut Schmidt (SPD) bescheinigte ihm: „Köhler allein hat
mehr ökonomischen Verstand als die ganze deutsche politische Klasse zusammen!“ Das sagt wohl alles!
- Kalif von Köln: Im Oktober wurde der islamistische Hassprediger und selbst ernannte „Kalif von Köln“,
Metin Kaplan abgeschoben, was er seit Ende Mai mit seinem Untertauchen und einer Flut von Prozessen verhindert hatte. In der Türkei
kann er nun seinen Wunsch nach einem islamischen Gottesstaat ausleben oder auch nicht, denn als Staatsfeind droht ihm dort ein Prozess
wegen Hochverrats.
Die Welt nahm 2004 Abschied von:
- Marika Rökk (90): Mit Charme und Temperament hat sie sich die Herzen eines Millionen-Publikums erobert, begeisterte
mit schnelle Pirouetten, hoch fliegenden Beinen und ihrem ungarischen Akzent, war im Film wie auf der Bühne zu Hause. Ihre Filmschlager
wie „Ich brauche keine Millionen“ wurden zu Evergreens. Mit knapp 80 Jahren stand sie noch auf der Bühne.
- Inge Meysel (94): Resolute Frauen von der Putzfrau bis zur Diebin und vor allem Mütter spielte sie Dutzend Mal,
was ihr den Titel „Mutter der Nation“ einbrachte. Dabei war die forsche Kämpferin und Kratzbürste alles andere
als mütterlich. Unvergessen ist ihre Darstellung der Putzfrau Ada Harris und vor allem der Käthe Scholz in der TV-Serie „Die
Unverbesserlichen“.
- Ex-Königin Juliana + Prinzgemahl Bernhard: Sie (94) war 32 Jahre lang die Regentin der Niederlande und sehr beliebt
bei ihren Untertanen. 1980 dankte sie zugunsten ihrer Tochter Beatrix ab. Im Dezember starb auch ihr beliebter Ehemann Bernhard, der
als Gründungspräsident des WWF als Botschafter des Naturschutzes galt und als inoffizieller Vizekönig in Nachrufen gewürdigt
wurde.
- O.W.Fischer (88): Am 1. Februar erlag der Frauenschwarm der 50er und 60er Jahre einem Herzversagen.
- Roland Reagan (93): Er war der 40. Präsident der USA und ehemaliger Filmschauspieler, war zuletzt an Alzheimer
erkrankt, starb an einer Lungenentzündung.
- Marlon Brando (80): Er verkörperte in seinen Filmrollen wie in seinem Leben den eigenwilligen, rebellischen Mann – von
der Jugend bis ins hohe Alter. Seine Paraderolle war die des Mafia-Paten in „Der Pate“.
- Jassir Arafat (75): Der langjährige Palästinenser-Führer Jassir Arafat starb in einem Pariser Militärhospital.
Er war eine der großen internationalen Figuren der letzten Jahrzehnte, hatte die Vision eines palästinensischen Staates, konnte
ihn aber nicht mehr erleben.
include ("../../fuss.php") ; ?>