Editorial: Giftzettel-Alarm!!!
Mit Spannung erwarten viele Eltern und ihre Sprösslinge die Zeugnisübergabe im Februar - vor allem bei den Viertklässlern, steht doch eine der wichtigsten Entscheidungen im Schulleben an. Schafft der Nachwuchs den Übertritt auf eine weiterführende Schule oder nicht? Der Druck auf die Kinder wächst enorm. Bereits ab der 3. Klasse – wenn nicht sogar früher - werden sie häufig auf Bestnoten gedrillt. Sohn oder Tochter müssen unbedingt aufs Gymi und später studieren. Schon aus Prestige. Sie wissen schon: mein Haus, mein Job, mein Swimmingpool, mein Sohn, der Herr Doktor oder meine Tochter, die Ingenieurin.
Jeder soll oder will auf eine weiterführende Schule gehen, nur ja nicht auf der Hauptschule bleiben! Die gern von manchen Politikern
als „Erfolgsmodell“ bezeichnete 6-stufige Realschule hat den Trend noch erheblich verstärkt. Die Hauptschulen auf dem Lande
bluten aus - in manchen Klassen wollen teilweise bis zu 80 % der Viertklässler weggehen - und müssen um ihren Fortbestand fürchten,
während die Realschulen aus allen Nähten platzen und ihre Schüler anderweitig unterbringen müssen. Dort drohen renovierte,
neu gebaute oder noch nutzbare Schulen leer zu stehen - hier müssen mit erheblichen Steuermitteln neue Räumlichkeiten erstellt
werden. Hunderte von Schülern müssen zusätzlich täglich vom Land in die Städte und zurück gekarrt werden. Man
braucht sich ja nur mal an den Stoßzeiten an den Schulbushaltestellen umzusehen.....
Da müssen schon 11-Jährige in aller Frühe aufstehen, lange Fahrten in meist überfüllten Bussen in Kauf nehmen, die
Trennung von alten Freunden verschmerzen, mit neuen Klassenkameraden, neuen Fächern und ständig wechselnden Lehrern zu jeder Stunde
zurechtkommen und nach mehr als 7-stündiger Abwesenheit vom Elternhaus (bei Nachmittagsunterricht sogar zehn Stunden) noch den Elan
für Hausaufgaben und die Vorbereitung auf den nächsten Unterrichtstag aufbringen. Ist ihr Sprössling wirklich schon reif dafür?
Für die Wahl des Schulzweiges, liebe Eltern, sollte nicht ihr Ehrgeiz, sondern allein das Wohl und Glück ihres Kindes entscheidend
sein