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Neuburger Köpfe: Vitus Wengert
Neuburg, 24.06.2019 - 23:19 Uhr
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Neuburger Köpfe: Vitus Wengert

Regionaldekan & Pfarrer von St. Peter in Neuburg

Vitus Wengert

Sind Sie gebürtiger Neuburger?

Nein, Pfarrer werden nie an ihrem Heimatort eingesetzt, zumindest nicht in Städten mit der Größe Neuburgs. In Augsburg ist das anders. Ich bin aus dem Landkreis Dillingen.

Wie war ihre Kindheit? War Ihre Familie sehr christlich?

Für uns war Kirche und Gottesdienst eine Selbstverständlichkeit. Ich war von der 3. Klasse an, nach der Erstkommunion, Ministrant.

Hat dieser Beruf in Ihrer Familie Tradition? War Ihr Vater auch Pfarrer?

(lacht) Nein, in der katholischen Kirche leben die Pfarrer nach dem Zölibat, also ehelos. Da kann es also so eine „berufliche Familientradition“ gar nicht geben.

Hatten Sie schon als Kind den Wunsch, einmal Pfarrer zu werden?

Angeblich schon. Auslöser für meine Entscheidung war jedoch ein Neu-Priester aus unserer Pfarrei, der mich fragte, ob ich nicht auch Pfarrer werden möchte. Die erste Reaktion war eine klare Absage. Als er irgendwann später erneut fragte: „Na, hast du es dir nun überlegt?“  Da habe ich schon geantwortet: „Ich werde darüber nachdenken.“ Es hat dann einige Zeit gedauert, bis ich mich entschlossen habe, diesen Weg zu gehen. Ich war damals Mittelschüler und hatte eigentlich nach der mittleren Reife im Sinn, bei der Post im Innendienst, im Finanzamt oder in einer  Bank anzufangen. Dann entschied ich mich doch dafür, weiter bis zum Abitur zu machen und zu studieren, mit dem Ziel, Priester zu werden.

Wie ging es weiter?

Ich musste dann in eine sog. „Spätberufenen-Schule“. Das war in Hirschberg bei Weilheim, nicht zu verwechseln mit Hirschberg bei Eichstätt. Das Abitur machte ich am Humanistischen Gymnasium in Hassfurt, Lkr. Hassberge und studierte anschließend Theologie in Dillingen.

Seit wie vielen Jahren sind Sie nun in Neuburg?

Seit 34 Jahren!

Waren Sie von Anfang in der Pfarrei St. Peter?

Während meiner Kaplanszeit, also die praktische Ausbildungszeit in einer Pfarrei, war ich 3 Jahre in St. Ulrich in Kaufbeuren, dann 5 Jahre als sog. „Benifiziat“ in Weißenhorn, wo ich sehr viel mit Schule und Jugend zu tun hatte und nebenbei eine eigene Pfarrei hatte. Anschließend kam ich nach Neuburg. Die Pfarrei St. Peter – dazu gehört die Hofkirche und die Kirche St. Peter - war meine 1. offizielle Pfarrerstelle.

Und seitdem sind Sie hier in Neuburg geblieben?

Ja, unser „Kurs“ ist sehr sesshaft. Zehn waren wir – fünf Pfarrer sind an ihrer ersten Stelle geblieben bis heute.

In 34 Jahren haben Sie sicher viele Neuburger durchs kirchliche Leben begleitet. Hat sich in der Zeit etwas verändert?

Ja, es hat sich viel verändert, aber auch bewährt. Als ich herkam, hatten wir etwa 95 Erstkommunikanten, jetzt sind wir bei unter 40! Die statistische Struktur von St. Peter hat aber dabei eine Rolle gespielt. Die Zahl der Trauungen war eigentlich lange Zeit relativ stabil, aber in den letzten Jahren ist sie sehr stark eingebrochen. Die Leute heiraten nicht mehr in der Kirche.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Zum einen an der eigenen Einstellung zur Kirche. Zum anderen ziehen viele Paare zuerst einmal zusammen. Wenn sich Nachwuchs ankündigt, dann wird standesamtlich geheiratet. Einige sagen dann noch: „Wir holen die kirchliche Trauung später nach!“ Aber dann kommt das 2. Kind und man hat sich an den Zustand gewöhnt und sagt: „Ja, eigentlich sind wir ja schon verheiratet, wenn auch nur standesamtlich!“

Wie sieht die Situation bei den Taufen aus?

Die Taufen nehmen ab. Das liegt aber hauptsächlich am Geburtenrückgang.

Hat die Pfarrei auch einen Kindergarten?

Ja, seit 10 Jahren den Kindergarten am Schwalbanger mit 75 Kindern. Sie sind alle aus der Stadt ND, aber nicht alle aus der Pfarrei St. Peter, hauptsächlich aus dem Gebiet Schwalbanger, Feldkirchen, Sehensand. Wir unterscheiden auch nicht nach Konfessionen; wir haben katholische, evangelische und islamische Kinder.

Immer weniger Menschen gehen in die Kirche....

Ja, der Kirchenbesuch hat laufend nachgelassen in all den Jahren. Die ganze Einstellung zur Kirche hat sich verändert. Viele meinen, sie brauchen keine Religion  und sehen auch keine moralische Verpflichtung mehr, den Sonntagsgottesdienst zu besuchen. Die meisten, die heute in die Kirche gehen, kommen also ganz bewusst.

Sind dies mehr ältere oder mehr jüngere Menschen?

Natürlich sind es überwiegend die älteren Menschen, aber auch junge Familien kommen wieder öfters. Wenn ich an die Kindergottesdienste denke... es freut mich immer riesig, wie viele Kinder da begeistert mitmachen.

Woran liegt der Rückgang beim Kirchenbesuch?

Die früheren Generationen waren oft noch beeinflussbar vom „gesellschaftlichen Druck“ zum Gottesdienstbesuch, vor allem auf dem Land. Die heutige Generation – so habe ich den Eindruck – ist selbstbewusster, freier geworden, frei in vielen Dingen und Entscheidungen: z.B. dass sie nicht in die Kirche gehen, oder aber auch, dass sie ganz bewusst kommen.

Gibt es hier einen Unterschied zwischen Stadt und Land?

Im Wesentlichen nicht. Auf dem Land erfolgt gelegentlich eine Entwicklung etwas verzögert, aber seit man auf dem Dorf auch nicht mehr jeden kennt und sieht was er tut, und Stadt- wie Landleute z.B. in der gleichen Firma arbeiten, in dieselben Discos gehen etc. hat sich das gesellschaftliche und kirchliche Leben in Stadt und Land angeglichen.  

Wie sehen Sie die Zukunft der Menschheit?

Wir haben eine Spaltung zwischen den reichen Nationen und den armen. Das wird zunehmend immer schwieriger werden, denn wir können keinen Schutzwall um unser Land, um unseren Kontinent machen. Was momentan auch eine große Rolle spielt, ist das Schreckgespenst eines Kampfes der Kulturen und Religionen.

Dabei sind vor Gott doch alle gleich?

Gott schaut nicht auf Reichtum und Armut, nicht auf hohe oder geringe Begabung und schon gar nicht auf Hautfarbe oder Nationalität! Es ist unser christliches Gottesbild, dass jeder für ihn wertvoll ist. Deshalb muss ich als Christ ebenfalls sagen: Für mich ist jeder Mensch eine Person, die ich respektiere und ernst nehme. Ich muss ja nicht seine Meinung teilen und er auch nicht die meine. Ich kann ihm nur meine und unseren christlichen Glauben anbieten. Jeder hat die Freiheit zur Entscheidung.

Stichwort: Ellbogengesellschaft. Sind die Menschen heutzutage schlechter, egoistischer als früher?

Auch in der Nachkriegszeit musste jeder irgendwie schauen, dass er weiter kommt. Viele Leute waren noch in keiner Weise in die Bevölkerung integriert, die Wirtschaft war noch nicht angelaufen. Es war vielleicht nicht so ein deutlicher Kampf wie heute. Die Angst um den Arbeitsplatz bringt natürlich auch einen gewissen Konkurrenzkampf mit sich. Dasselbe gilt auch, wenn man mit allen Mitteln Karriere kommen will. Dann wird man auch auf die treten, die einem im Weg stehen. Ob die Menschen generell schlechter sind? Die Gesellschaft hat sich zwar verändert, aber.... Früher war man auf dem Dorf noch eine große Gemeinschaft: Wenn man gestritten hat, hat man gestritten, aber anschließend hat man wieder zusammengeholfen!

Was mir Sorgen macht, ist die Arbeitslosigkeit. Sie bringt die Menschen in Not. Es gibt sicher welche, die sagen, na ja.... aber das ist nur ein gewisser Teil.  Die meisten möchten etwas leisten. Sie möchten ihren Lebensunterhalt selber gestalten. Man soll den Menschen eine Möglichkeit geben, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und nicht auf Almosen angewiesen zu sein. Wenn jemand in eine Notlage kommt, dann ist dies natürlich eine andere Situation.

Haben Sie einen Wunsch?

Ja, ich habe einen Wunschtraum: Das wäre eine freudige Gottesdienstgemeinde, der man anmerkt, dass sie froh sind, im Gottesdienst Gott und den anderen Mitmenschen nah sein zu können. Außerdem wünsche allen Leser, dass sie optimistisch in die Zukunft schauen können.

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