Kino: Das Leben des David Gale
Wie weit dürfen Menschen gehen
um Ihre Überzeugungen durchzusetzten? Wie weit darf ein Staat gehen um
seine "Gerechtigkeit" durchzusetzten? Ein Votum gegen pseudo gottgegebene
Traditionen im mächtigsten Land der Welt.
David
Gale ist Professor für Philosophie in Austin, Texas, er setzt sich aktiv
gegen die Todesstrafe und deren Vollstreckung ein. Wie Gale am eigenen Leib
erfährt, ist das eine nicht ungefährliche Position in besagtem Bundesstaat.
Politiker benutzen seine Organisation "DeathWatch", eine fiktive Organisation
gegen die Todesstrafe, als Beweis, dass die viele Jahrzehnte lang praktizierte
"letzte Strafe" nicht nur gerecht, sondern auch sicher sei. Es gebe
keine unschuldig Hingerichteten, weil genug Leute die betreffenden Fälle
genauestens prüfen.
Durch eine Verkettung unglücklicher Zustände, Rachgelüsten und
falschen Vorwürfen scheitert die Karriere des Dekans für Philosophie,
David Gale überzeugend gespielt von Kevin Spacey. Schwere Vorwürfe
werden gegen ihn erhoben. Er soll seine Bekannte und gute Freundin vergewaltigt
und schließlich umgebracht haben.
Bereits mit "DR" für Death Row gemarkt und im Todestrakt eines
texanischen Gefängnisses auf die Vollstreckung wartend, bringt er Kate
Winslet (Titanic) als News-Magazin Journalistin Bitsey Bloom dazu, sich seines
Falles noch einmal anzunehmen und neu aufzurollen. Bloom ahnt zwei Tage vor
Dales Hinrichtung, dass der Professor unschuldig sein könnte. Für
sie beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Ob die engagierte Journalistin
dieser Aufgabe gewachsen ist, und ob die Rettung in letzter Sekunde klappt,
sollte jeder Kinofreund selbst herausfinden.
Schwache Nerven seien aber gewarnt, es geht zwar jugendfrei (FSK: 12 Jahre),
aber dennoch nicht gemütsschonend zu. Sozusagen "den Tod vor Augen"
sucht der Zuschauer mit der Hauptperson nach einer Lücke, einem nicht entdeckten
Hinweis auf Gales Unschuld. Und nur sehr Gewiefte kommen schon während
des Filmes auf die Auflösung... Wer "Dead Men Walking" nicht
verkraftet hat, bekommt mit diesem nur geringfügig harmloseren Film noch
einmal die Chance sich dem schwierigen Thema Todesstrafe cineastisch zu nähern.
Wer keine Zeit hat über den Film nachzudenken, oder seichte Unterhaltung
erwartet sollte seinen Kinoabend woanders verbringen.
Das Drehbuch zum Film nahm einige Umwege bevor er in der Kamera von Alan Parker
und Nicolas Cage landete. Immerwieder hin und her gereicht und redigiert landete
er endlich auf dem Tisch des Briten Parker, der bekannt ist für seinen
Sinn für die tiefergehenden Themen und mit "Das Leben des David Gale"
wahrlich einen mitnehmenden Streifen gedreht hat.
Spacey spielt beinahe wie gewohnt brillant den eher verschlossenen Intellektuellen,
der mit seinem Wissen gerne Hinterm Berg hält und geheimnisvoll wirken
möchte.Man fragt sich fast, ob er privat auch so ist oder einfach nur gut
darstellt...
Kate Winslet beweist uns, dass sie nicht nur am Bug von großen Schiffen
Ihre Nase in den Wind halten kann, sondern auch texanischen Regenstürmen
standhält und -ein wenig wie Scully aus
Akte-X- Personen mit kritischem Aufklärungsdrang mimen kann.
Der Film hätte auf jeden das Potential zum echten Geheimtipp werden zu
können.
Regie: Alan Parker,
Buch: Charles Randolph
Kevin Spacey, Kate Winslet, Laura Linney
Kinostart: 13.03.2003
Website zum Film: UIP.de
Rezension: Gerhard Schoder