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Neuburger Köpfe: Wolfgang Brandl
Neuburg, 23.03.2019 - 09:42 Uhr
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Neuburger Köpfe: Wolfgang Brandl

Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Neuburg

Privates: 54 Jahre jung, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, sechs Enkel, aufgewachsen und wohnhaft in Ingolstadt, ist leidenschaftlicher Hobby-Gärtner

War Polizeibeamter Ihr Traumberuf?
Ja, ich fühle mich in meinem Beruf sehr wohl, sehe ihn nicht als Job, sondern als Berufung.

Haben Sie als Kind gerne „Räuber und Gendarm“ gespielt oder weshalb wollten Sie zu den Grün-Uniformierten?
Ich war beim Jugend-Rot Kreuz und habe im Laufe der Jahre, durch die Zusammenarbeit bei Unfällen, Kollegen von der Polizei kennen gelernt. Dadurch entstand mein Berufswunsch.

Wie hat Ihre Karriere angefangen und wann kamen Sie nach Neuburg?
Ich begann als Polizeianwärter in Eichstätt, hab die Laufbahn des Polizeibeamten eingeschlagen und mich langsam hochgearbeitet. 1999 wurde ich Vertreter des damaligen Dienststellenleiters und seit der Zeit bin ich in Neuburg, also sieben Jahre.

Sieht man das Leben als Polizist anders?
Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch, betrachte manche Dinge jedoch aus anderer Sicht. Meinen Mitmenschen gegenüber bin ich vielleicht etwas kritischer, habe aber genauso ein soziales Leben. Bin hier beruflich tätig, genieße aber ebenso die Vorzüge des Lebens, hab Hobbys und entspanne mich beim Gärtnern.

Wie schätzen Sie die Situation in Neuburg ein?
Neuburg ist eine kleine, überschaubare Stadt, allerdings mit allen Nachteilen eines Region 10-Nah-Bereiches, d.h. mit Einfluss aus Ingolstadt und mit einem hohen Anteil nicht integrationswilliger Ausländer. Das hat nichts mit dem Asylantenlager zu tun. Das Lager selbst bereitet uns wenig Arbeit. Unser Hauptproblem sind deutschstämmige Jugendliche, die sich nicht integrieren und auch nicht die deutsche Sprache erlernen wollen.

Wie steht Neuburg im Vergleich zu Ingolstadt oder anderen Gebieten?
Gemäß unserer jährlichen Statistik liegt die „Kriminalhäufigkeitszahl“ im Landkreis ND-SOB bei 41, in der Stadt Neuburg selbst ist sie fast doppelt so hoch. Das heißt: Neuburg ist durch Kriminalität annähernd so belastet wie die Großstadt Ingolstadt! An und für sich ist die Welt in Neuburg ja in Ordnung – nur die Häufung der Straftaten ist schon in einem Bereich, wo man von einem Problem sprechen muss. 1/3 aller Straftaten wird von Jugendlichen von 6 bis 21 Jahren verübt. Das ist schon viel.

Und was sind die Ursachen dafür?
Es ist ein Bereich der Arbeitslosigkeit und das Problemfeld „sozialschwache Schüler“. Es gäbe genügend Betreuungsmöglichkeiten und viele Vereine, wo sie sich einbringen oder engagieren könnten. Doch die Leute, die straffällig werden, haben überhaupt kein Interesse daran.

Die Stadt bemüht sich also, aber die Menschen akzeptieren das nicht?
Sie wollen sich nicht integrieren, sondern unter sich in ihren Kreisen bleiben, dort die russische Sprache und ihre Herkunft pflegen. Je mehr sie sich in ihren Zirkeln abkapseln, desto schwerer ist es, an sie heranzukommen. Im Ostend z.B. ist ein Jugendtreff. Das war der 1. Schritt. Doch zu erreichen, dass diese Jugendliche auch dort hingehen – das ist äußerst schwierig. In den kleineren Kommunen wie Rennertshofen oder Burgheim fügen sich diese Jugendliche sofort in den Vereinen ein und nehmen aktiv teil. Kommen sie aber durch den Umzug der Eltern z.B. aufgrund eines Arbeitsplatzwechsels nach Neuburg, dann sind sie in einer größeren Gemeinschaft der gleichen Abstammung und verschließen sich wieder in ihren Zirkeln. Und was vorher positiv in Burgheim und Rennertshofen funktioniert hat, ist wieder vergessen. Statt deutsch reden sie nur noch in ihrer Sprache.

Wie sieht es in Neuburg mit Diebstahldelikten aus?
Das ist ein großes Problem, gerade im Bereich Jugendkriminalität. Zum Teil sind es nur Mutproben, zum anderen Teil sind es Sozialschwache/Arbeitslose, die zu wenig Geld haben, um sich ihre Wünsche zu erfüllen und dann stehlen. Aber wir haben eine sehr gute Jugendrichterin, die greift ziemlich durch. Wenn Jugendliche öfters straffällig werden, dann müssen sie schon mit empfindlichen Strafen rechnen, d.h. Sozialstunden ableisten und wenn das nicht fruchtet, fährt sie höher bis zum Jugendarrest.

Spielen Verkehrsvergehen auch eine Rolle?
Durch die Umgehungsstraße macht uns der Verkehr wenig Probleme. Meistens sind es Schnellfahrer, die kontrollieren wir verstärkt. Durch die starke Verkehrsüberwachung konnte die Zahl der Verkehrstoten von jährlich 16 Toten im Jahr 2000 inzwischen auf 4 bzw. 2 Tote pro Jahr gesenkt werden.

Was sind die Ursachen für schwerere Verkehrsunfälle?
Hauptsächlich Alkohol, Raserei und Egoismus! Unsere Ellbogengesellschaft wird auch auf der Straße praktiziert. Keiner ist z.B. mehr bereit, sich in eine Schlange einzureihen, sondern jeder möchte als Erster die Kolonne überholen. Wir bräuchten wieder mehr Rücksichtnahme statt Rücksichtslosigkeit!

Wie sehen Sie die Zukunft unserer Region?
Das ist schwer zu sagen. Wir Polizeibeamte sind die Leidtragenden, wenn Firmen und Arbeitsplätze abwandern. Das bringt sozialen Konfliktstoff. Meine größte Hoffnung für die Region wären viele Arbeitsplätze, damit die Leute wieder beschäftigt und die Jugendlichen von der Straße weg wären. Denn wenn sie Arbeit haben, haben wir weniger Arbeit mit ihnen.

Am Schwalbanger gibt es ja deswegen Probleme oder?
Bedingt durch das Alten- und Pflegeheim haben sich dort viele ältere Mitbewohner niedergelassen. Jetzt sind dort alte und junge Leute, die Generation dazwischen fehlt. Wenn die arbeitslosen Jungen nun dort herumlungern, stören sich die Alten daran. Durch straffällig gewordene Jugendliche haben sie ein subjektives Sicherheitsgefühl, d.h. Angst vor jungen Leuten, auch dann wenn sie gar keine Angst zu haben bräuchten. Die jungen Leute heutzutage sind nicht schlimmer als wir zu unserer Zeit waren.

Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrer Polizeiinspektion beschäftigt?
Das darf ich nicht sagen, nur so viel: zu wenig, denn heuer und nächstes Jahr gehen zehn Kollegen in den Ruhestand. Dann bräuchten wir dringend Nachwuchs.

Können die Aufgaben der Polizei mit weniger Personal überhaupt noch bewältigt werden?
Die Arbeitsbelastung der Einzelnen wird größer werden. Wir müssen umstrukturieren und bestimmte Bereiche aufgeben. Wir haben z.B. zwei Jugend-Kontaktbeamte, die im Schulbereich tätig sind, arbeiten mit Schulen und Lehrern im Bereich Prävention zusammen, haben das Thema Pausenhofgewalt etc. ziemlich gut im Griff, waren in den Konfliktbereichen Ostend und Parkschule immer vor Ort. Ich muss also wichtige Bereiche wie die Prävention zurückfahren, kann mich nur noch auf die Strafverfolgung konzentrieren und das ist, was mir als Polizist weh tut. Ich möchte eigentlich Straftaten durch Polizei-Präsenz verhindern und gleichzeitig den Bürgern damit ein gutes Sicherheitsgefühl vermitteln. Zukünftig werden wir dann nur noch hinfahren, wenn tatsächlich etwas passiert ist.

Vielleicht haben einige junge Leute Interesse an diesem Beruf. Wie kann man  Polizeibeamter werden?
Man muss gewisse Voraussetzungen erfüllen: Mindestalter ist 17 Jahre, Mindestgröße: 1,63 m, man muss gesund und sportlich sein, gute Noten haben mit qualifiziertem Abschluss, wie mittlere Reife oder Abitur. Z.Zt. werden größtenteils nur Abiturienten eingestellt. Die Anforderungen bezüglich Qualifikation und geistiger Beweglichkeit werden immer höher geschraubt, denn ein Polizeibeamter muss vor Ort in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen können.

Zum Schluss unseres Interviews wüssten wir noch gerne Ihre Wünsche für Ihre persönliche  Zukunft.
Gesund bleiben und die Nerven behalten!

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