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Kino: Troja. Wo ist Laokoon?
Neuburg, 07.07.2020 - 03:42 Uhr
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Kino: Troja. Wo ist Laokoon?

Im Film des Deutschen Wolfgang Petersen finden sich ausser einem therapiebedürftigen Achilles nicht viele Anhaltspunkte, warum dieser Sandalenfilm ein großer Historien-Epos sein soll.

Langsam kommen Sie wieder in Mode, die sandigen Sandalenfilme vom Schlag Ben Hur oder Spartacus. Nach Gladiator mit Russell Crowe im Jahr 2000 versucht sich Hollywood nun an der Ilias, einer epischen Erzählung von Homer entstanden in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr..

In 162 Minuten wird dem Zuschauer eine nur mäßig tiefe Zusammenfassung der Ereignisse geliefert, ein Hauptaugenmerk des Drehbuches liegt doch auf den publikumswirksamen Kampfszenen und wenigen erotischen Einwürfen. Die kämpferischen Momente erreichen dabei nicht die Dramatik und Dynamik wie man sie aus "Herr der Ringe" kennt, wurden dafür mit allerlei Theaterblut und Wunden ausgeschmückt. Freilich, die Hauptdarsteller mühen sich redlich die verflachten Charaktere zu profilieren, was aber fast nur Eric Bana (Hulk, Chopper) als Odysseus und Sean Bean (Herr der Ringe) als Hektor gerade noch gelingt. Als Steckenpferd der Produktion wird die Rolle Brad Pitts natürlich weiter ausgebaut, als es nötig wäre.

An den sonnigen Küsten Maltas, wo der Film nach der Zerstörung des ersten Drehortes in Marokko gedreht wurde, verlieren sich auch die dramatischen 10 Jahre der Belagerung Trojas, die einem bestenfalls wie 3 Wochen vorkommen. Besonders beklagen möchte man den ersatzlosen Wegfall des Priesters Laokoon, der die Trojaner eindrücklich davor warnte, das griechische Pferd in die Stadt zu bringen und dabei im dramatischen Kampf von einer Schlange getötet wird. Hätte man nur fünf Minuten Kampfszene gespart, wäre auch am Beginn des Filmes noch Zeit gewesen die Geschichte des Prinzen Paris und der Göttinnen Athena, Hera und Aphrodite zu erzählen. Im Streit darüber, wer denn die Schönste sei, macht jede der drei Göttinnen Paris eine verführerische Versprechung, Hera will ihn zum Herrscher Asiens machen, Athena verspricht Weisheit und Ruhm auf dem Schlachtfeld und Aphrodite verspricht ihm die schönste Frau der Sterblichen. Paris wählt natürlich Aphrodite, und erst hier kommt Helena ins Spiel.

Die Götter spielen in "Troja" fast keine Rolle.

Im Trojanischen Krieg spielten die Götter - laut Homer - verschiedene entscheidende Rollen, werden aber im Film bestenfalls bei deren Tempeln erwähnt. Tatsächlich hatten die Götter bei fast jeder wichtigen Episode die Hand kräftig im Spiel. Sicher - die griechische Götterkonstellation geeignet reduziert für einen Hollywoodfilm wiederzugeben mag kein leichtes Unterfangen sein - aber fast vollkommen darauf zu verzichten?

Leben und Sterben in der Willkür des Regisseurs

Die künstlerische Freiheit bzw. Willkür des Drehbuches entscheidet letztendlich auch darüber, wer überleben darf und wer stirbt. Die Königsbrüder Menelaos (der Mann der Helena) und Agamemnon (König der Griechen) sterben tatsächlich erst nach der Rückkehr in Griechenland statt durch die Hand Hektors oder einer Priesterin. Ersterer nimmt sogar seine Frau Helena wieder mit zurück und verzeiht Ihr den Fehltritt. Agamemnon wird von seiner Frau Klytaimestra oder ihrem Liebhaber Aigisthos erschlagen - in Griechenland. Hier haben die Autoren sogar eine blutige Szene ausgespart, denn Agamemnon opferte vor Fahrtantritt Richtung Troja seine eigene Tochter Iphigeneia, um die Götter gewogen zu machen.

Fazit

Schon vor dem Filmstart am 13. Mai wurde Troja als "erster Blockbuster des Sommers" gefeiert. Im Hinblick auf die Anzahl der Besucher im Kinosaal mag dies zutreffen, auch wenn viele davon relativ enttäuscht nach Hause gingen. Die Einen, die die Geschichte etwas besser kennen wegen der zahlreichen Unstimmigkeiten und der flach erzählten Geschichte, die Anderen die einen zünftigen Actionfilm erwartet hatten, ob der mäßigen Dramatik und teuren 8 Euro Eintritt wegen Überlänge. Einzig freuen dürfte man sich auf eine mögliche Fortsetzung mit der anschließenden Heimreise Odysseus, der Odyssee, die hoffentlich ohne Brad Pitt und mit ausgesuchten Höhepunkten aus Homers Geschichte größere Erwartung wecken könnte.

 

(Gerhard Schoder, schoder@brennessel.com)

Links:

Filmwebsite (Warner Brothers)
Über die Ilias (Uni Essen)
Amazon (Reclam Heftchen)
Fehler im Film (Deutsche Website über filmische Fehler in Troja)

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