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60 Jahre Kriegsende – Rückblick |
Neuburg, 23.05.2012 - 07:08 Uhr
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60 Jahre Kriegsende – RückblickDie Kapitulation Deutschlands am 7. Mai 1945 markiert Ende und Anfang zugleich: Das Ende der zwölfjährigen nationalsozialistischen Herrschaft unter Adolf Hitler und den von den Alliierten betriebenen Neubeginn in demokratischen Formen. Ca. 55 Mio Menschen kostete der 2. Weltkrieg das Leben, darunter 25 Mio Sowjetbürgern, 3,8 Mio deutschen Soldaten und 1,65 Mio deutschen Zivilisten. 6 Mio Menschen (überwiegend Juden) wurden vom NS-Regime ermordet, darunter allein 3 Mio polnischer Juden. Durch die Kriegszerstörung standen große Teile der deutschen Bevölkerung und 10 Mio Flüchtlinge und Vertriebene praktisch vor dem Nichts: Städte und Wohnungen waren zerbombt und ausgebrannt, Industrie- und Versorgungseinrichtungen, sowie 50 % der Verkehrswege zerstört. Leid und Elend der Nachkriegszeit waren das Ergebnis der nationalsozialistischen Diktatur, ihrer Kriegspolitik und ihrer Verbrechen. Was haben unsere Eltern und Großeltern von diesen Verbrechen gewusst? Waren sie mitschuldig geworden? Die Skala des persönlichen Verhaltens reichte von der Mittäterschaft bis zum aktiven Widerstand. Um die dunklen Seiten in unserer Geschichte einigermaßen verstehen zu können, muss man wohl etwas tiefer, bis in die Weimarer Republik zurückgehen. Hohe Staatsverschuldung: Im Zuge der Bewältigung der Kriegsfolgelasten setzte sich die Geldentwertung durch die Aufnahme neuer Staatsschulden unvermindert fort. Soziale Leistungen für Kriegsopfer und Hinterbliebene sowie die Umstellung der Kriegswirtschaft auf eine Friedensproduktion destabilisierten den Reichshaushalt in immer größerem Ausmaß. Zur hohen Staatsverschuldung kamen die aus dem Versailler Vertrag abgeleiteten Reparationsforderungen der Alliierten hinzu. Die "Erfüllungspolitik" führte zu einer starken Polarisierung und gab den rechten Oppositionsparteien Auftrieb in ihrer nationalistischen Hetze. Rapider Wertverlust : Vor dem Hintergrund der innenpolitischen Auseinandersetzung beschleunigte sich der Währungsverfall. Die Einnahmen aus Steuern, Zöllen und Abgaben konnten den Finanzbedarf bei weitem nicht decken. Der Schuldendienst des Reiches lag bei 126 Prozent der Staatseinnahmen. Zur Deckung laufender Ausgaben mussten immer neue Kredite aufgenommen werden, was den Kurs der deutschen Währung immer weiter abrutschen ließ. Bis 1922 blieb der 1000-Mark-Schein der höchste Wert in der Nominalkette. Als der Mord an Walther Rathenau im Juni 1922 das Vertrauen in die Stabilität der Republik im In- und Ausland tief erschütterte, verlor die Mark rapide an Wert. Galoppierende Inflation: Die Geldschein-Nominale erhöhten sich nun in schneller Folge, bis die Reichsbank im November als höchsten Wert einen Geldschein über 100 Billionen Mark (100.000.000.000.000 M) drucken ließ. Zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs wurden riesige Mengen an Scheinen benötigt. Bis zu 133 Fremdfirmen mit 1.783 Druckmaschinen arbeiteten im Herbst 1923 für die Reichsdruckerei Tag und Nacht. Etwa 30.000 Menschen waren mit der Herstellung der insgesamt ca.10 Milliarden staatlich ausgegebenen Inflationsscheine beschäftigt. Trotzdem reichten die verfügbaren Zahlungsmittel nicht aus, die Druckmaschinen konnten den Schwindel erregenden Wertverlust während der Hyperinflation einfach nicht mehr durch vermehrten Notendruck ausgleichen. Deshalb wurden von mehr als 5.800 Städten, Gemeinden und Firmen eigene Notgeldscheine herausgegeben. Die Bevölkerung nahm alles als Zahlungsmittel an, was wie Geld aussah oder irgendwie "wertbeständig" wirkte. Insgesamt sind über 700 Trillionen Mark (700.000.000.000.000.000.000 M) als Notgeld und rund 524 Trillionen Mark von der Reichsbank verausgabt worden. Vermögenswerte schmolzen: Mit fortschreitender Inflation hatte sich die Versorgungslage der Bevölkerung laufend verschlechtert. Dem Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen konnten die Löhne und Gehälter nicht folgen. Der Reallohn sank auf ca. 40 % seines Vorkriegsniveaus, weite Teile der deutschen Bevölkerung verarmten. Vermögenswerte schmolzen dahin. Ersparnisse wurden völlig entwertet, Spargelder von Generationen vernichtet. Durch Mangel an Kaufkraft verloren auch Immobilien ihren Wert und wurden bei Notveräußerungen geradezu verschleudert. Das chaotische Geldwesen hatte einen geregelten Wirtschaftsbetrieb unmöglich gemacht. Oft erfolgten die Lohnzahlungen täglich. Jedermann versuchte, Bargeld schnellstmöglich in Sachwerte einzutauschen. Hitlers Putschversuch am 8. Nov. 1923: Zur Bekämpfung der Inflation wurde am 16. Oktober der Beschluss über die Errichtung der Deutschen Rentenbank verkündet. Als der Dollar wenig später einen neuen Höchstkurs von 40 Milliarden Mark erreichte, verstärkten sich in Sachsen Unruhen republikanisch-proletarischer Kräfte, die eine "großkapitalistische Militärdiktatur" befürchteten. Auch Thüringen lehnte sich auf. Während der Konflikt zwischen Bayern und dem Reich bedrohlich eskalierte und immer mehr rechtsgerichtete Wehrverbände einen bewaffneten "Marsch nach Berlin" forderten, wurde in Aachen eine separatistische Rheinische Republik ausgerufen, und in Hamburg kam es zu bewaffneten Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und der Polizei. Auf dem Höhepunkt dieser akuten Krise um die Reichseinheit verbreiterte sich die Bereitschaft zur Errichtung einer Militärdiktatur. Mit seinem Putschversuch vom 8./9. November 1923 wollte Adolf Hitler die chaotische Lage in seinem Sinne ausnutzen. Währungsreform: Mit der Währungsreform am 15. November1923 endete die Inflation schlagartig. Während sie für Millionen von Zeitzeugen ein traumatisches Erlebnis war, gab es einige Profiteure. Da die Reichsbank der Industrie laufend kurzfristige Kredite aus der vermehrten Banknotenausgabe zur Verfügung stellte, konnten viele Unternehmen ihren Besitz mit Hilfe der fortschreitenden Geldentwertung durch die Aufnahme hoher Schulden erweitern. Gemäß dem Grundsatz "Mark = Mark" wurden Kredite in höherwertigem Geld aufgenommen und mit entwertetem Geld zurückgezahlt. Schulden lösten sich somit in nichts auf. Ein noch größerer Profiteur war jedoch der Staat. Seine gesamten Kriegsschulden in Höhe von 164 Milliarden Mark beliefen sich nach der Währungsumstellung auf gerade einmal 16,4 Pfennige.... Die psychologischen Folgen der Geldentwertung waren für einen Großteil der Deutschen ebenso tief greifend wie 1918 die unerwartete Kriegsniederlage, die das nationale Selbstwertgefühl verletzte. Das Kriegserlebnis kompensierten Millionen Frontsoldaten in einem nachgemachten Soldatentum, zunächst in Freikorps, später in Kriegervereinen oder paramilitärischen Verbänden wie dem Stahlhelm. Andere schworen sich, nie wieder zu den Waffen zu greifen, und ereiferten sich für den Pazifismus. Unter dem Motto "Nie wieder Krieg" versammelten sie sich alljährlich zu Massenkundgebungen. Demonstrationen und Aufmärsche verschiedenster politischer Gruppierungen, gehörten ebenso zum alltäglichen Erscheinungsbild der Weimarer Republik wie die häufig wechselnden Kabinette. Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Massenverelendung kennzeichneten in der Wirtschaftskrise die Alltagssituation breiter Bevölkerungsschichten. Resignation und Verzweifelung waren Begleiterscheinungen der Krise, in der Tausende ihr als nutzlos empfundenes Leben freiwillig beendeten. Andere erkannten in Adolf Hitler "die letzte Hoffnung" auf Arbeit und Auskommen. Unter diesen Voraussetzungen entfaltete die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ab 1930 eine Propaganda bisher unbekannten Ausmaßes: ständig wiederholte, prägnante, emotionale Schlagworte, die sie an die breite Masse richtete. Unermüdlich agierte die NS-Propaganda auch zwischen den Wahlen. Sie beschwor Katastrophen sowie die "nationale Schmach" des Versailler Vertrags und weckte so Ängste und Hass der Menschen. In Schwarz-Weiß-Manier wurden mit Demokraten, Kommunisten und Juden Feindbilder stilisiert, denen die Nationalsozialisten die Verantwortung für die politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zuordneten. Besonders erfolgreich gelang ihnen dies während der Weltwirtschaftskrise, in deren Verlauf die NSDAP zur Massenbewegung aufstieg, bis es 1933 zur Machtübernahme kam. (Fortsetzung in der nächsten brennessel)  |
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