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Brigitte Bößhenz - Kindergartenreferentin der Stadt Neuburg
Neuburg, 13.12.2018 - 11:47 Uhr
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Brigitte Bößhenz - Kindergartenreferentin der Stadt Neuburg

Vita: im Sudetenland geboren, im Alter von 3 Jahren nach Neuburg gekommen, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, Industriekauffrau, Stadträtin und Kindergartenreferentin der Stadt Neuburg.

Frau Bößhenz, seit wann haben Sie das Kindergartenreferat inne?

1996 habe ich es von Frau Heyne übernommen. Genau genommen heißt es ja Referat für Kindergärten, Spielplätze und familienergänzende Einrichtungen. Dazu gehören auch Kinderhort und Kinderkrippe, sowie die 32 städtischen Spielplätze in Neuburg.

Wie sieht die Kindergartensituation in Neuburg aus? Brauchen wir noch mehr Plätze?

Man muss hier unterscheiden in Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort. Rund 870 Kinder besuchen die 11 Kindergärten in Neuburg. Davon sind fünf städtisch und drei kirchlich ( St. Ulrich u. St. Peter sind katholisch; der Kindergarten der Apostelkirche evangelisch). Dann gibt es noch die Kindergärten Arbeiterwohlfahrt, Verein Frühförderung und das Kinderhaus Maria Montessori. Wir haben einen Versorgungsgrad von ca. 95 %. Damit liegen wir sehr gut. Es gibt noch freie Plätze in Bittenbrunn und in Heinrichsheim.

Familienministerin von der Leyen will die Anzahl der Krippenplätze so weit ausbauen, dass 35 % aller Kleinkinder in Deutschland ein Betreuungsangebot erhalten. Damit hat sie eine heiße Diskussion entfacht. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich persönlich fände es wünschenswert, wenn die Kinder die ersten Jahre zu Hause verbringen könnten. Ich weiß aber, dass es in der heutigen Zeit, in der es die Großfamilien mit Oma und Tanten als Betreuungspersonen nicht mehr gibt, Alleinerziehende auf Krippenplätze angewiesen sind, auch junge Familien, wo beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Und es gibt natürlich auch junge, beruflich erfolgreiche Frauen, die keine längere Babypause einlegen können, weil sie in ihrem Beruf sonst den Anschluss verlieren würden. Das neue Elterngeld halte ich übrigens nicht für „der Weisheit letzter Schluss“, weil diejenigen jungen Frauen, die gerne als Mutter bei ihrem Kind zu Hause sind, dabei ein bisschen zu kurz kommen. Ich denke, optimal wäre, wenn der Staat jedem jungen Elternpaar die finanzielle Möglichkeit geben würde, wirklich frei entscheiden zu können, welcher Weg für sie der richtige ist.

Am 13. Mai ist Muttertag. Viele berufstätige Mütter haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihr Kleinkind zur Betreuung weggeben. Sind sie die schlechteren Mütter?

Diese Einteilung in gute und schlechte Mütter finde ich nicht gut. Wichtig ist, dass die Mutter zufrieden ist, denn dann ist auch das Kind zufrieden und glücklich. Es soll einfach im Vordergrund stehen, was für das Kind am besten ist.

Bei der Suche nach geeigneten Räumen für eine Kinderkrippe haben Sie ja eine kleine Odyssee hinter sich gebracht.

Ja, wir hatten uns etliche Objekte angesehen, aber nichts passte: Entweder lag es am Brandschutz, am Fluchtweg vom 1. Stock, oder es war von den Räumen her funktionell nicht geeignet oder kein Garten dabei. Die ehemaligen Stadtwerke eigneten sich nicht; das Studienseminar war zu teuer. Als letzte Möglichkeit hatten wir einen Container am Kindergarten Sonnenhügel im Ostend vorgesehen. Ich bat dann den OB, noch einmal zu prüfen, ob nicht doch noch eine Lösung mit der Amalienschule möglich wäre. Er hat mich wirklich sehr darin unterstützt, auch der Stadtrat, der 1-stimmig für eine Krippe in der Amalienschule stimmte und das Geld dafür zur Verfügung stellte. Dann wurden die Räume bedarfsgerecht umgebaut. Es ist wirklich sehr schön geworden. Seit April läuft nun dort der Krippenbetrieb.

Wie groß ist die Nachfrage nach Krippenplätzen?

Wir haben ja schon teilweise in den Kindergärten angefangen, Kinder unter 3 Jahren aufzunehmen. Für die Kinderkrippe hatten wir 22 Interessenten und 10 tatsächliche Anmeldungen für die erste Gruppe. Falls weiterer Bedarf da ist, können wir im September mit einer 2. Gruppe anfangen. Der Raum dafür ist schon hergerichtet.

Wer finanziert die Kindergärten und die Kinderkrippe?

40 % der Personalkosten trägt die Stadt, 40 % kommen vom Staat. Den Rest muss der Träger aufbringen. Die Stadt zahlt ferner für alle Kindergärten 80 % der Betriebskosten.
Für die Kindergärten und Spielplätze gibt die Stadt Neuburg insgesamt ca. 1,3 Mio Euro jährlich aus.

Auch die 32 Kinderspielplätze werden von der Stadt bezahlt?

Ja. Heuer bauen wir einen neuen Spielplatz in Gietlhausen am Feuerwehrhaus und in Bruck beim neuen Baugebiet Stockäcker. Wir fragen gezielt die angrenzenden Eltern und Kinder, was sie gerne haben möchten, denn nach unseren Erfahrungen werden diese Plätze am besten angenommen, weil dort die Geräte vorhanden sind, die sie sich gewünscht haben - sofern dies finanziell möglich ist. Alle 32 Spielplätze werden jede Woche von der Lebenshilfe kontrolliert, sauber gemacht und alle 4 Wochen auf ihre Funktion und Sicherheit hin überprüft. Einmal im Jahr kontrolliert der „TÜV“, ob alles in Ordnung ist, weil die Stadt ja dafür haften muss.

Neben den 11 Kindergärten und der Kinderkrippe gibt es 2 Kinderhorte. Für wen ist dieses Angebot gedacht?

Das ist für Kinder und Schulkinder von 6 bis 12 Jahren. Nach der Schule können die angemeldeten Kinder in den Kinderhort des Vereins Frühförderung in der Oskar-Wittmann-Straße gehen oder ins Studienseminar. Dort bekommen sie ein Mittagessen, können ihre Hausaufgaben machen und werden bis abends um 17 Uhr betreut. Vor 4 bis 5 Jahren habe ich zusammen mit dem Stadtmarketing die Spielstube im VHS-Gebäude in der Franziskanerstraße eingerichtet, wo die Eltern jeden Dienstag, Donnerstag von 9 -11 Uhr und am langen Samstag von 10-14 Uhr ihre Kinder abgeben können, um Einkäufe oder anderes zu erledigen. Und dann gibt es auch noch das Waldmobil „Waldemar“ in Gietlhausen, wo die Kinder 2 – 3 x in der Woche hingehen und im Wohnwagen unter Aufsicht spielen oder sich im Wald aufhalten können.

Viele Kommunen und Kindergärten stöhnen über das neue Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz. Warum?

Früher war es egal, ob 25 Kinder in einer Gruppe 6 Stunden betreut wurden oder 18 Kinder 10 Stunden lang. Nun erfolgt die Bezuschussung pro Kind. Es gibt Buchungszeiten. Das fängt in Neuburg an mit 3-4 Std. für 56 Euro pro Monat und Kind, 4-5 Std. für 60 Euro, also immer im 4er Schritt bis 10 Stunden für 80 Euro pro Monat. Dann wird bei den Zuschüssen unterschieden, ob ein Kind unter 3 Jahren ist, ein Migrantenkind oder ob es auffällig ist. Dafür wird ein anderer „Gewichtungsfaktor“ angesetzt, weil man für so ein Kind mehr Zeit aufwenden muss. Früher hat man mit mehr Kinderpflegerinnen gearbeitet. Jetzt müssen laut Anstellungs- und Qualifikationsschlüssel 50% der Mitarbeiter Erzieherinnen sein. Dadurch hatte die Stadt im letzten Jahr Mehrkosten in Höhe von 40.000 Euro. Und jetzt kommt noch die Kinderkrippe hinzu.

Wie klappt die Zusammenarbeit zwischen Ihnen, der zuständigen Verwaltung und den Kindergärten?

Wirklich sehr gut, denn sonst würde das alles gar nicht so funktionieren. Ich als Kindergartenreferentin kann ja nur vermitteln und empfehlen, aber nicht anschaffen! Das Kindergartenreferat ist umfangreich und zeitaufwändig und bringt manchmal auch Ärger mit sich, aber es macht mir unheimlich Freude, vor allem wenn ich die Kindergärten besuche und die Kleinen auf mich zukommen.

Können Sie sich an ein lustiges Erlebnis erinnern?

Vor Jahren stellte sich einmal ein kleiner Knirps vor mich hin und fragte: „Kennst du die Wilma?“ Da habe ich gedacht, er meint die Frau von Fred Feuerstein und antwortete: „Ja!“ Darauf meinte er freudestrahlend: „Siehst du, und i bin der Bua von der Wilma!“

Wie sehen Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft aus?

Privat: dass die ganze Familie gesund bleibt und es mit unserem Betrieb so weiter läuft. Als Kindergartenreferentin wünsche ich mir mehr Geld. Wenn von Seiten der Politik schon Forderungen hinsichtlich von Kinderkrippenplätzen gestellt werden, sollten die Kommunen dabei finanziell auch vom Staat unterstützt werden. Ein weiterer Wunsch wäre, die Qualifizierung von Tagesmüttern in Zusammenarbeit mit der „Mobilen Familie“ zum Aufbau eines Netzwerkes selbständiger Tagesmütter oder Omis, die zum Einsatz kommen, wenn die Betreuungszeiten und –möglichkeiten nicht von Kindergarten und Kinderkrippe abgedeckt werden können.

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