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Picasso in Schrobenhausen
Neuburg, 04.07.2020 - 01:58 Uhr
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Picasso in Schrobenhausen

„Picasso in Schrobenhausen“ zeigt eine hochkarätige Auswahl seltener Original-Grafiken Pablo Picassos. Bislang nicht veröffentlichte Probeabzüge für den Künstler veranschaulichen das Experimentieren Picassos mit ungewöhnlichen Druckträgern.

Pablo Picasso – geboren 1881 im andalusischen Málaga, gilt als Künstler mit vielen Wandlungen: Noch als über 80jähriger beunruhigte der kleine große Mann mit seinen faszinierenden Augen, die Gemüter. Er, der alle handwerklichen – künstlerischen Mittel beherrschte, konnte sich von Jahr zu Jahr, aber auch von Monat zu Monat, von Woche zu Woche oder gar von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde ändern. So ist Picasso einmal dramatisch und einmal lyrisch, einmal klassisch und ein andermal expressionistisch, einmal realistisch und einmal symbolistisch, einmal kubistisch, ein andermal surrealistisch. Er wechselt Standort und Blickpunkt und sieht sein Motiv unter immer neuen Aspekten.
Es gab bei Picasso keinen vorgefassten Plan. Er gab sich ganz der Intuition hin. „Ich weiß nie, was gerade drankommt“. Immer arbeitete Picasso spontan: „Das Bild wird nicht im voraus erdacht und festgelegt. Während man es macht, folgt es der Veränderlichkeit der Gedanken“ sagte er und gestand gleichzeitig, dass er manchmal hundert Studien an einem Tage machte. Er ließ sich von niemandem dabei stören und vollzog seine Arbeit meist in tiefem Schweigen.
Auch die Interpretation seiner Arbeiten überlies Picasso, so klug er war, den anderen. Er hielt nicht viel vom Erklären. Und wenn etwas im Dunkeln blieb, so war es ihm gerade recht: „Jeder möchte die Kunst verstehen – warum versucht man nicht die Lieder eines Vogels zu verstehen?“

Picasso und die Grafik

Erst spät - im Alter von 64 Jahren - begann Picasso mit der Technik der Lithografie zu experimentieren. Ihn faszinierten die vielfältigen Variationsmöglichkeiten.
Die Eigenheiten und die Persönlichkeit Pablo Picassos prägen sich in seinen grafischen Werken ebenso deutlich aus wie in seinen malerischen Arbeiten.
Heute gelten seine Grafiken als wichtige und eigenständige Werkgruppe innerhalb seines vielseitigen Oeuvres.

Zusammen mit dem Meisterdrucker Fernand Mourlot (1895-1988) revolutionierte Picasso die Technik der Lithografie. Immer neue technische Varianten und Arbeitsweisen setzten neue Masstäbe in dieser klassischen Drucktechnik.

Zusammenarbeit mit Meisterdrucker Fernand Mourlot

„Herzstück“ der Ausstellung ist ein fast 30 großformatige Lithografien umfassender Werkblock. Diese seltenen Lithografien, meist in Form von Zustands- und Probeabzügen für den Künstler, repräsentieren einen Höhepunkt der experimentellen Druckgrafik des 20 Jahrhunderts.
Da ihm die Arbeit mit den Lithosteinen schnell wegen des grossen Gewichtes zu mühsam wurde, experimentierte er kurz nach Beginn der Zusammenarbeit mit Fernand Mourlot ab November 1945 mit alternativen Druckträgern. So zum Beispiel mit Aluminium- und Zinkplatten und sogar mit Glasplatten und brachte damit Mourlot und den Werkstattleiter Gaston Tutin des öfteren, ob der scheinbaren Unmöglichkeit zur Umsetzung seiner Ideen, an den Rand der Verzweiflung. Meist wurden die Zeichnungen Pablo Picassos in schwarz/weiß Grafiken umgesetzt. Deshalb gelten bei Experten die farbigen Werke in der Ausstellung als Exponate mit großem Seltenheitswert.

„Picasso und die Frauen“

Picasso wechselte seine Gefährtinnen mindestens so oft wie seinen Malstil. Während der frühen Jahre in Paris lebte er mit Fernande Olivier sieben Jahre lang zusammen.

Während des 1. Weltkriegs von 1914 bis 1918 arbeitete Picasso in Rom, wo er seine erste Frau kennen lernte, Olga Koklova, eine russische Balletttänzerin.
Im Jahr 1927 traf er Marie Thérèse Walther, die damals 17 Jahre alt war und begann mit ihr ein Verhältnis. 1936 trat eine weitere Frau, Dora Maar - eine Fotografin - in sein Leben.
Im Jahr 1943 lernte er die junge Malerin Francoise Gilot kennen. Aus dieser Verbindung stammen das 3. und 4. Kind Picassos, Claude (1947) und Paloma (1949), dessen Kinderbildnis ein weiteres Highlight der Ausstellung ist.
Seine letzte Gefährtin war Jacqueline Roque, die er 1953 kennen lernte und 1961 heiratete. Mehrere Porträts von ihr sind ebenfalls in der Präsentation zu sehen.

Darüber hinaus sind einige seiner erotischen Radierungen zu sehen, welche er in einer fast rauschhaften Energie- und Kreativleistung in seiner legendären Folge der „Suite 347“ im Jahre 1968 geschaffen hat.

Carnet de la Californie, 1956 (Farblithographie nach dem Skizzenbuch)

Dieses Album ist ein Faksimile des Skizzenbuches, an welchem Picasso vom
01. November 1955 bis zum 14. Januar 1956 gearbeitet hat. Mit größter Treue und Genauigkeit ist alles, was die Hand Picassos zeichnete, mit Hilfe der besten Lithographen auf den einzelnen Blättern wiedergeben.

Die Hauptthemen dieses Skizzenbuches wurden von Picasso in den Jahren 1955/56 als Gemälde ausgeführt, entweder vorher, gleichzeitig oder später. Die Zeichnungen sind daher für die Arbeitsweise des Künstlers von besonderem Interesse.

Der Interessierte kann jedes Blatt mit dem folgenden vergleichen, kann Schritt für Schritt den Weg Picassos verfolgen, die Entwicklung einer Konzeption in ihren Versuchen, Wandlungen und Formungen. Picasso hat nichts zu verbergen, und so macht er dem Betrachter alle Arbeiten von den ersten Entwürfen an zugängig.

In diesem Skizzenbuch wechselte Picasso innerhalb zweier Monate mindestens sechsmal seine Manier, und auf 25 Blättern überrascht er uns fünfundzwanzigmal.

Dieses Mappe veranschaulichet dem Betrachter die von Picasso geschaffene Methamorphose eines einzigen Motivs. Ein wesentliches Merkmal dieser Arbeit ist der unbändige Experimentierdrang des Künstlers. Picasso variierte und veränderte in seiner künstlerischen Arbeit die Motive immer wieder und unterstrich dies mit der Aussage: „Ich mache ein Bild und zerstöre es. Und am Ende ist doch nichts verloren.“

„Diurnes“ – Picasso als Fotograf

Picassos ehrgeizigstes fotografisches Projekt war ohne Zweifel, die Reihe der Lithografien, die „Diurnes“ (1962) betitelt wurden und in Zusammenarbeit mit dem französischen Fotografen André Villiers entstanden. Die komplette Folge dieser Lithografien ist in der Ausstellung dokumentiert.

Villiers und Picasso kannten sich bereits seit längerem. Fasziniert durch die Landschaft der Provence, in der beide wohnten, entschieden sie, eine Zusammenarbeit zu beginnen. Grundlage dafür waren die Fotografien Villiers, vornehmlich der „Picassian Fauna“ und der mythologischen Landschaften der Provence. Diese bearbeiteten sie, indem sie die klassische Fotografie und die Technik der Fotogramme miteinander verbanden.

Six Contes Fantasques, 1953

besteht aus 6 Kupferstichen von Pablo Picasso mit 6 weiteren Holzschnitten „Lettrines“ von Pierre Bouchet nach Picasso

Der Verleger Henri Flammarion hatte schon im Februar 1943 den Plan, die sechs wunderlichen Erzählungen des 1904 geborenen Schriftstellers Maurice Toesca mit Illustrationen von Picasso zu veröffentlichen. Der Verleger und sein Autor besuchten in jenem Jahr Picasso wiederholt in seinem Atelier. Toesca arbeitete damals im Polizeipräsidium von Paris; er setzte sich dafür ein, dass Picassos Fremdenausweis im September 1943 ohne Einschaltung der deutschen oder spanischen Behörden verlängert wurde.

Skizzen zu „Guernica“

„Guernica“ ist ein zentrales Werk im Schaffen Picassos. Es verdichtet in einem einzigen Gemälde alle persönlichen Bilder des Künstlers und die Archetypen der Kunstgeschichte wie Schlachtenbilder, Kreuzigung und Geburt sowie die spanische Kultur mit Epiphania und Stierkampf.

Für dieses Schlüsselwerk der Kunst des 20. Jahrhunderts fertigte Pablo Picasso 45 Skizzen, davon 42 auf Papier. Diese Serie, die ebenso autonome Zeichnungen wie Studien zur Komposition oder zu Personen zeigt, ist im Rahmen der Ausstellung zu sehen. „Diese Studien umfassen nicht nur außerordentliche Zeichnungen. Sie verdienen vielmehr besondere Aufmerksamkeit, weil sie uns die so unterschiedliche Verfassung, in der sich Picasso während der Formung des Werkes befand, deutlich signalisieren und uns damit die Möglichkeit geben, zu verstehen, was er mit ‚Guernica’ ausdrücken wollte“, erläutert die Museumsleiterin Claudia Freitag-Mair.

Picasso – Plakate (Das Künstlerplakat und Picasso)

Einen wichtigen Teil in der Ausstellung wird der Geschichte des „Plakats“ gewidmet:



Das illustrierte Plakat ging um 1845 in Frankreich aus dem Zusammentreffen eines tüchtigen Steindruckers und einem dekorativ begabten Malers namens Paul Baudry hervor. Natürlich gab es schon früher Vorläufer der Plakatkunst in Form von Ablasszettel des 15. Jahrhunderts oder Theaterankündigungen aus dem 18. Jahrhundert. Aber um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das Plakat einen toten Punkt erreicht.
Die Wende kam ziemlich plötzlich, als das allgemeine Interesse an der Reklame zunahm und Ankündigungen Beachtung fanden, die auf glanzvolle Veranstaltungen und neue Erfindungen hinwiesen.
Mit der Fähigkeit des damals achtzehnjährigen Paul Baudry, der seine Figuren flächig und mit breitem Farbauftrag modellierte und großzügig mit Strichen die wesentlichen Akzente hervorhob, wurde das „publikumswirksame Plakat“ geboren…

Unter den zeitgenössischen Künstlern ragt Palo Picasso weit heraus als Schöpfer des „Künstler-Plakats“. Mit seinen Plakaten warb Picasso vorwiegend nicht für eigene Ausstellungen, sondern für gesellschaftliche Gruppen wie die Friedensbewegung, die Vereinigung der Verfolgten des Franco-Regimes und das kleine Töpferstädchen Vallauris, dem er besonders eng verbunden war.

Der erste Versuch, einen Katalog der Picasso-Plakate zusammenzufassen, geht auf das Jahr 1963 zurück. Zu dieser Zeit umfasste das Oeuvre 138 Katalognummern. In der Zwischenzeit wuchs die Sammlung zu einer beachtlichen Dokumentation und das Sammeln auf Vollständigkeit wurde zu einem Hobby besonderer Art:
„Die Jagd auf Picasso-Plakate in aller Welt“!

„Picasso in Schrobenhausen“ ist vom 20. April bis zum 6. Juli täglich von 10 bis 17 Uhr
im Museum im Pflegschloss zu sehen.

Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 5 Euro und ermäßigt 3 Euro.
Die Familienkarte (zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder bis 16 Jahre) kostet 11 Euro.
Gruppen ab 10 Personen zahlen 2,50 Euro pro Person und Schulklassen 2 Euro pro Schüler.

Öffentliche Führungen zum Preis von 3 Euro pro Person werden samstags, sonntags
und an Feiertagen um 15 Uhr angeboten.
Sonderführungen sind jederzeit nach Anmeldung möglich.

Der Kinder-Workshop „Miniatelier“ findet montags um 15 Uhr statt und kostet 3 Euro pro Kind inkl. Material.

Information und Anmeldung:
Museum im Pflegschloss
Tel.: 0 82 52 - 90 98 50
E-Mail: pflegschloss@schrobenhausen.de
Homepage: www.schrobenhausen.de

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Picasso in Schrobenhausen.

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