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Robert Augustin
Neuburg, 19.01.2019 - 09:46 Uhr
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Robert Augustin

Geschäftsführer BRK-Kreisverband ND-SOB

Im Juli 2009 haben Sie die Nachfolge von Kreisgeschäftsführer Walter Egen angetreten. Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich war als Zivildienstleistender beim Roten Kreuz. Mein beruflicher Werdegang führte mich über den Zivildienst zu einer entsprechenden Ausbildung. Aufgrund meiner Fortbildung, Weiterbildung und meiner Tätigkeit beim Roten Kreuz schaffte ich es nun, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes zu werden.

Was hat sich seit Ihrer Übernahme der Amtsgeschäfte getan?
Einiges! Unsere zwei großen Einrichtungen, das Seniorenzentrum und der BRK-Kreisverband, waren bisher zwei fast getrennte Strukturen nebeneinander, die nun ziemlich weit zusammengewachsen sind. Das war wichtig, denn das doppelte Vorhalten von Bereichen wie z.B. Buchhaltung und Personalverwaltung ist nicht erforderlich. Im August 2010 sind wir dann vom bisherigen alten Seniorenheim in das neue Seniorenzentrum umgezogen. Auch diese Aufgabe wurde vom Personal und den Helfern vom Seniorenheim zusammen mit den Helfern vom ganzen Kreisverband gestemmt. Das hat nur funktioniert, weil ein gutes Miteinander herrscht. Das setzen wir jetzt im Alltag in vielen anderen Projekten fort.

Wie viele Leute beschäftigt der Kreisverband?
Wir haben insgesamt knapp 200 hauptberufliche Arbeitnehmer, sind also ein kleines mittelständisches Unternehmen. Dazu kommen knapp 600 ehrenamtliche Helfer, die mit viel Fleiß und Herzblut dem Roten Kreuz ihre Freizeit opfern und für uns sehr wichtig sind. Sie sind die Säule des Roten Kreuzes. Unter den Ehrenamtlichen sind ganz viele Berufsgruppen vertreten, deren Know-how und Engagement wir in unsere Arbeit mit integrieren wollen. Wir müssen deshalb Reize schaffen, sie zu halten und um neue Helfer zu gewinnen. Das war ein Thema, worum ich mich in der letzten Zeit bemüht habe und wird mit Sicherheit auch in Zukunft eines der großen, wichtigen Aufgabenbereiche sein.

Wehrpflicht und Zivildienst werden bald wegfallen. Hat das auch Auswirkungen beim BRK?
Ja, das trifft uns ganz hart! Im BRK-Kreisverband fallen sieben Zivildienstleistende weg. Um sie zu ersetzen, braucht man 7 Vollzeitmitarbeiter, die natürlich wesentlich teurer sind, oder man braucht 21 Teilzeitbeschäftigte oder geringfügig Beschäftigte. Die findet man auf dem Arbeitsmarkt gar nicht! Selbst wenn man sie findet, ist es ein riesengroßer Aufwand, 21 Leute eine Aufgabe machen zu lassen, die bisher 7 Zivildienstleistende gemacht haben. Es ist eine riesengroße Herausforderung, um dies organisatorisch zu stemmen und zusätzlich eine riesengroße finanzielle Belastung. Und was noch schlimmer ist: Wenn wir keine Zivis mehr haben, dann wird es künftig Probleme geben, neue hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Über die Hälfte unserer Zivildienstleistenden sind anschließend für mind. 5 Jahre, viele sogar ihr Leben lang, ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagiert geblieben oder haben sich für einen Beruf in diesem Bereich entschieden!

Wie wollen Sie das Problem lösen?
Die Politik gibt uns mit dem neuen Bundesfreiwilligendienst und dem schon länger bekannten Freiwilligen Sozialen Jahr eine Möglichkeit. Wir versuchen jetzt, über diese beiden Schienen wieder an Interessenten zu kommen. Das Ganze soll ab Juli starten. Leider sind die Rahmenbedingungen für den Bundesfreiwilligendienst bisher noch nicht ganz klar, weshalb wir dafür noch nicht werben können.

Immer weniger Jugendliche haben Interesse daran, einen sozialen oder handwerklichen Beruf zu ergreifen. Jeder möchte studieren.
Von der Attraktivität des Bundesfreiwilligendienstes wird es abhängen, ob er ein Erfolgsmodell wird oder nicht. Als die Wehrpflicht in Italien ausgesetzt wurde, hat man in Südtirol auch einen Freiwilligendienst geschaffen. Von befreundeten Organisationen dort wissen wir, dass es ca. 3 Jahre gedauert hat, bis man den Wegfall der Zivildienstleistenden kompensieren konnte. In Italien ist der Freiwilligendienst sehr attraktiv gestaltet worden und wird deshalb gut angenommen: Junge Menschen, die dieses Soziale Jahr absolvieren, erhalten bestimmte Anrechnungen auf eine spätere Ausbildung oder Studium im Sozial- und Gesundheitswesen. Ob der Bundesfreiwilligendienst ebenfalls so attraktiv gestaltet wird, wissen wir leider noch nicht. Die demographische Entwicklung und der florierende Arbeitsmarkt sind ein weiteres Problem für uns. Wenn die Jugendlichen nach der Schule oder dem Studium gleich in ihren Traumberuf wechseln können, dann werden sie sich wohl kaum für den Freiwilligendienst entscheiden.

In Kürze ändert sich das Arbeitsmarktzulassungsgesetz für ausländische Arbeitskräfte. Löst sich dadurch Ihr Problem?
Wenn Sie sich heute die Zuwanderungsbilanz ansehen, stellen Sie fest, dass mehr qualifizierte Menschen aus Deutschland auswandern als qualifizierte Arbeitnehmer nach Deutschland als Einwanderer reinkommen.

Die Rahmenbedingungen im Gesundheits- und Pflegewesen ändern sich ständig. Wie kommen Sie damit zurecht?
Das ist ein riesengroßes Problem! Als Wohlfahrtsverband sind wir ja nicht nur vom Markt abhängig, sondern auch von den Kostenträgern, die wiederum von der Bundes- und Landespolitik abhängig sind. Wir haben unheimlich Schwierigkeiten mit der Ausrichtung der Vergütungssysteme im Bereich der stationären und ambulanten Altenhilfe. Man hat in der Gesundheitspolitik sehr großen Druck aufgebaut auf Krankenhäuser, Pharmaindustrie, Ärzte usw., um Kosten einzusparen. Wer z.B. vor 10 Jahren wegen einer Operation 14 Tage im Krankenhaus war, wird heute nach 4 Tagen entlassen. Wenn die Senioren dann wieder zu uns in die stationäre Einrichtung kommen oder ambulant versorgt werden, sind sie am 5. oder 6. Tag nach der OP in einem ganz anderen Zustand, als früher nach 14 Tagen Krankenhausaufenthalt, d.h. viele Dienstleistungen, die früher in der Klinik erbracht wurden, müssen wir heute in der stationären oder ambulanten Altenhilfe erbringen.

Das heißt sie brauchen dafür mehr Personal?
Aber das wird nicht bezahlt. Unser Personalkostenanteil liegt bei 70%. Aber wir haben noch ganz andere Probleme, wie z.B. die aktuelle Entwicklung bei den Rohstoffen. Vor allem die steigenden Benzinpreise treffen uns voll, denn wir haben eine breit aufgestellte Flotte für den Rettungsdienst und die Fahrdienste. Die Kostensteigerung bekommen wir nicht automatisch über die Kostenträger finanziert, sondern müssen selber schauen, wie wir damit zurecht kommen.

Das BRK engagiert sich auch stark in der Auslandhilfe?
Wir werden auch dieses Jahr wieder Rumänien, Weißrussland, Ukraine usw. öfters mit Hilfsgütern beliefern. Das stemmt der Kreisverband mit seiner Abteilung "Humanitäre Hilfe" selber. Zusätzlich sind wir im Deutschen Roten Kreuz mit eingebunden, versuchen Gelder zu akquirieren für Spendenaktionen in den weltweiten Krisenherden, ob Japan, Lybien, Nordafrika und auch Bereiche, die momentan nicht so in der Presse vertreten sind. Da läuft vom DRK insgesamt sehr viel. Wenn von dort entsprechende Aufrufe kämen, beteiligen wir uns auch an Auslandseinsätzen.

Wie wird das Ganze von den Leuten dort angenommen?
Die Menschen, die wir mit Hilfsgütern versorgen, sind darauf angewiesen. Es ist aber nicht so, dass sie die Hilfe als selbstverständlich hinnehmen. Da kann man richtig sehen, wie man mit wenigen, einfachen Dingen, eine große Freude bereiten und wirklich Hilfe zum Überleben geben kann. Die Dinge, die bei uns abgegeben werden, wie z.B. eine Kindererstausstattung mit Kinderwagen, sind zwar technisch noch in Ordnung, werden aber bei einer Ein-Kind-Familie nicht mehr benötigt. Sie helfen jedoch Hilfsbedürftigen im Ausland.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass das Rote Kreuz auch weiterhin einen großen Stellenwert in unserem Landkreis innehat. Dass uns unsere Fördermitglieder weiterhin unterstützen. Dass wir viele neue, auch junge Mitglieder gewinnen können, die sich ehrenamtlich engagieren. Dass unsere Wünsche weiterhin von der Wirtschaft und der Politik im Landkreis ernst genommen werden.

Was wünschen Sie unseren Lesern?
Immer eine interessante Lektüre Ihres Magazins, das ich auch immer sehr spannend finde. Ich freue mich, heute selbst dazu beigetragen zu haben, wieder ein paar interessante Dinge zu beleuchten.

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