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Fesche Buam und schmucke Madl
Neuburg, 11.12.2017 - 06:46 Uhr
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Fesche Buam und schmucke Madl

Ich erinnere mich noch recht gut. Zu meiner Jugendzeit galten Trachten als reichlich uncool, und niemand wäre auf die Idee gekommen, freiwillig Trachtenkleidung anzuziehen. Ganz anders bei meinen inzwischen flügge werdenden Kindern.

Bei der nachwachsenden Generation sind Dirndl, Lederhosen und Trachtenhemden ganz offensichtlich der Hype. Angefangen hat es damit, dass man zum Wiesenbesuch zünftig gekleidet sein wollte. Mittlerweile hat das Kreise gezogen und auch Barthelmarkt, normale Volksfeste, Bierfeste oder der erste Mai werden von den Jugendlichen in Trachten begangen. Und, obwohl es das elterliche Portemonnaie in Anspruch nimmt – ein komplettes Trachtenset einschließlich von Schuhen und Socken gibt es ab ungefähr 200 Euro - muss ich sagen: Recht haben sie. Die meisten Mädchen und Burschen machen sich gut in fescher Tracht.

Dabei ist Tracht nicht gleich Tracht. Es gibt hier vielfältige Variationen. So können die Herren der Schöpfung zwischen Kniebundhose oder kurzer Lederhose wählen, zwischen einfarbigen, groß- oder kleinkarierten Hemden, zwischen verschiedenen Lederarten und Qualitäten. Fast noch bunter ist das Angebot von Damendirndl, das vom Landhausstil (meist Leinen) über das kostbare Seidendirndl bis zum kessen Minidirndl reicht. Das klassische traditionelle Dirndl dient den Modedesignern oft nur noch als Gedankenanleihe. Besonders beliebt ist das Spiel mit den Schleifen der Dirndlschürzen. Die Schleifen sind nämlich voll ungeahnter Symbolik: Bindet die Trägerin ihre Dirndlschleife rechts, so soll das bedeuten, sie sei bereits vergeben. Bei einer linksgebundenen Dirndlschleife ist sie noch zu haben. Vorne gebunden heißt noch Jungfrau, hinten gebunden Witwe. Man prüfe also, wie man sich bindet …

Gut Kleiden tun die Trachten übrigens nicht nur die Jugendlichen, sondern auch gestandene Mannsbilder und ausgewachsene Weiberleid, deren weibliche Rundungen im Dirndl oft besser aufgehoben sind als in normaler Alltagskleidung. Stimmt. Der letzte Satz erinnert mich daran, dass ich mir bei der nächsten Shopping-Tour auch mal wieder ein Dirndl zulegen könnte – zusammen mit meiner Tochter, versteht sich.


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