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Prof. Dr. Ruprecht Wimmer - Präsident der Kath. Universität Eichstätt
Neuburg, 13.12.2018 - 12:53 Uhr
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Prof. Dr. Ruprecht Wimmer - Präsident der Kath. Universität Eichstätt

Vita: 1942 in München geboren – Abitur – Studium der Germanistik und der klassischen Philologie an der Universität München – Staatsexamen in Deutsch, Latein und Griechisch – Referendardienst und Assistentenstelle in München – Assistentur in Münster – 1980 Habilitation in Neuerer deutscher Literatur an der Uni Münster – Lehrtätigkeit in Saint-Etienne/ Frankreich - 1982 Berufung zum Professor für Neuere deutsche Literatur an der Kath. Universität Eichstätt – seit 1996 Präsident der Uni – u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts für osteuropäische Kirchengeschichte, Vorstandsmitglied der Grimmelshausen-Gesellschaft, Beiratsmitglied der Görres-Gesellschaft, Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste - verheiratet mit Francoise, 2 Söhne, 1 Tochter.

Herr Prof. Wimmer, Ihr Lebenslauf klingt sehr interessant. Sie waren auch schon außerhalb Deutschlands tätig?

Ich übernahm eine Gastprofessor an der Uni Saint-Etienne und an der Uni Paris IV-Sorbonne. Auf Einladung des Goethe-Instituts hielt ich auch Vorträge über deutsche Gegenwartsliteratur in Marokko, Algerien, Tunesien, Zaire, Nigeria, Kamerun, Togo, Elfenbeinküste und Senegal.

Sie haben beruflich viel erreicht und sind in zahlreichen Gremien vertreten. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Dass ich Hochschullehrer werden konnte, in einem Fach, das ich sehr liebe, nämlich in deutscher Literatur. Stolz macht mich auch, dass ich nicht nur in mehr oder weniger abstrakter Erforschung von literarischen Sachverhalten, sondern auch in der Literaturvermittlung etwas leisten konnte. Ich habe in der Grimmelshausen-Gesellschaft längere Zeit als Vizepräsident gearbeitet und war auch Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft. Meine beiden Schwerpunkte sind die Literatur der frühen Neuzeit und die Literatur des 20. Jahrhunderts.

Wie kamen Sie nach Eichstätt?

Während meiner Habilitation in Münster wurde ich für eine 2-jährige Gastprofessur nach Saint-Etienne/Frankreich gerufen. Als junger Wissenschaftler bewarb ich mich dann in Eichstätt. Die Arbeit hier war wunderschön: Es gab eine überschaubare Anzahl von Studierenden, eine furiose Bibliothek mit riesigen Beständen und ich konnte der Fakultät helfen, indem ich das Dekanamt übernahm. Das führte schließlich zum Amt des Vizepräsidenten und Präsidenten, das ich jetzt 11 Jahre lang ausübe.

Wie sehen Sie die jetzige Situation in der Hochschulpolitik?

Wir befinden uns in einen Umbruch mit unterschiedlichen Auswirkungen auf große, mittlere und kleine Universitäten. Gerade jetzt sind kleine Unis aufgerufen, sich besonders beweglich und kreativ zu zeigen. Denn es gilt den Bologna-Prozess umzusetzen, d.h. die Studiengänge, die wir bisher nach Art des Diploms oder nach dem Magisterschema abwickelten, jetzt auf Bachelor/Master umzustellen. Es gilt aber auch, ein neues Hochschulgesetz zu realisieren, das auf der einen Seite der Universität mehr Autonomie geben soll, das aber auf der anderen Seite inneruniversitär viel mehr Arbeit bedeutet für diejenigen, die die Universität leiten und organisieren.

Die wirtschaftlichen Bedingungen, um zu studieren, sind schlechter geworden. Glauben Sie, dass es eine Chance ist, die Studenten mehr in das Konzept zu integrieren?

Gerade die Studiengebühren, zu deren Einführung wir uns hier schweren Herzens entschlossen haben, vermitteln den Studenten einen Anspruch, auch mitgestalten zu dürfen/wollen. Ich denke, dass in der Universität der Zukunft die Betreuungsverhältnisse besser werden und dass die Studierenden deutlicher einbezogen werden.

Wie sehen Sie die deutschen Unis im internationalen Vergleich?

Sie bilden hervorragend aus, aber sie sind aufgrund ihrer inneren Verfassung etwas schwerer beweglich als die Universitäten in Übersee. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist eine gewisse Egalität garantiert, weil wir alle ähnlich organisiert sind, aber auf der anderen Seite gibt es weniger die Möglichkeit, wirklich kreativ zu sein in Sachen Profilbildung. Aber das wird sich jetzt, auch durch die Studiengebühren, ändern. Diese verpflichten die Universitäten viel deutlicher aus sich herauszugehen und zu zeigen, wo sie gut oder anders sind als andere. Deutsche Studierende, die an einer deutschen Uni normale Leistungen bringen, sind im Ausland hoch angesehen.

Sie sind Mitbegründer von „Jesuitica“? Was für eine Organisation ist das?

Ein Verein zur Erforschung des Jesuitenordens. Dieser Arbeitskreis beschäftigt sich mit dem Orden in der ersten Phase, nämlich von 1540 bis1773 und betreut mit großem Erfolg eine schöne Publikationsreihe, die vom Inhalt sehr interessant und auch schön ausgestaltet ist.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit noch?

Eines liegt hier auf dem Schreibtisch. Das sind die Fahnen der kommentierten Ausgabe des „Dr. Faustus“ von Thomas Mann. Ich gehöre zu den Hauptherausgebern der gesamten Ausgabe und konnte in den letzten Jahren diesen großen Altersroman edieren und kommentieren. Nun ist alles fertig. Der Textband kommt im Juni und der Kommentarband im Juli heraus. Das Ganze ist deshalb spannend, weil speziell in diesem Roman der Autor eine Unzahl von Quellen verwendet, die entweder einen ganz persönlichen Charakter haben oder die er sich verschafft hat, um eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich während der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt, aber mit Mitteln erzählt wird, die teilweise aus der frühen Neuzeit stammen: die alte Faustgeschichte bildet ja den Hintergrund. Der Roman ist unglaublich musiklastig, linguistisch und sehr persönlich, weil er ein Bekenntnis Thomas Manns zu seiner eigenen Existenz darstellt und zugleich eine Kritik an Deutschland.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

In nächster Zukunft möchte ich mein Amt gut abschließen und die Leitung der Uni in andere Hände übergeben. In einigen wissenschaftlichen Gremien werde ich zwar weiter tätig sein, aber in der Freizeit, dich ich dann habe, möchte ich etwas tun, wofür ich bisher keine Zeit fand, z.B. spanisch oder italienisch so intensiv zu lernen, dass ich die Literatur in dieser Sprache fließend lesen kann. Bisher reichen meine Kenntnisse nur für eine Bestellung im Restaurant.

Welche Hobbys haben Sie?

Ich bin großer Musikliebhaber. Ich spiele ein bisschen Klavier, aber vor allen Dingen bin ich ein leidenschaftlicher Musikhörer. Gelegentlich nehme ich auch einen Tonklumpen oder einen Stift in die Hand. Was dabei herauskommt, will ich nicht beschreiben, aber ich empfinde künstlerische Tätigkeiten als beruhigend und anregend zugleich. Außerdem koche ich gerne.

Was essen Sie am liebsten?

Meine Frau ist zwar Französin, aber ich habe die bayerische Küche nie verraten! Bin nach wie vor ein großer Liebhaber bayerischer Gerichte wie Schweinshaxe, Tafelspitz oder Kartoffelsalat. Andererseits habe ich durch meine Frau und meine Familie durchaus neue Gerichte lieben gelernt, wie Meeresfrüchte, Rindfleisch a la Francaise, Froschschenkel oder Kutteln, wenn sie gut zubereitet sind.

Sind Sie sportlich?

In meiner Jugend habe ich Fußball gespielt, bis ich kurzsichtig wurde und mein Brillenverschleiß zu groß, später spielte ich Feldhandball und leidenschaftlich Tischtennis, als etwas jüngerer Professor Volleyball, begleitet von (sehr) maßvollem Jogging. Zur Zeit komme ich praktisch zu nichts mehr, außer zum schnellen Spazierengehen. Aber das wird sich ja in nächster Zukunft ändern.

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