Sinkende Zahlungsmoral belastet Mittelstand
Forderungsmanagement unprofessionell
Die Zahl der mittelständischen deutschen Firmen, die Forderungsausfälle
von mehr als einem Prozent ihres Umsatzes hinnehmen mussten, ist von 23,1 Prozent
(2002) auf aktuell 23,3 Prozent gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Creditreform-Umfrage
hervor. http://www.creditreform.de/ Nur 8,6 Prozent der befragten Unternehmen
haben für das vergangene Jahr keine Forderungsverluste gemeldet, während 66,1
Prozent von fristgerechter Zahlung innerhalb von 30 Tagen berichten. Um die
eigene Liquiditätssituation zu verbessern, achten Firmen zunehmend darauf, ihre
Außenstände pünktlich einzutreiben, berichtet der Verein, der jährlich mehr
als 3,5 Mio. Auskünfte über deutsche Unternehmen erteilt. Nicht zuletzt kleine
Unternehmen verlieren bei zunehmenden Forderungsausfällen möglicherweise ihre
Existenzgrundlage.
Die chronisch ungünstigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft
in Deutschland und den meisten Ländern Europas führen nach Einschätzung von
Branchenkennern zu einer dramatisch sinkenden Zahlungsmoral, die vor allem den
Mittelstand in Existenznöte bringt. "Von den 84.428 Gesamtinsolvenzen im vergangenen
Jahr entfielen 46.828 auf den privaten und 37.600 auf den gewerblichen Bereich.
Allein die Insolvenzgläubiger vertreten eine Forderungssumme von 61,5 Mrd. Euro",
so Rüdiger Bisping, Managing Director der Sitel Risk Management (SRM) Inkasso
GmbH in Krefeld. http://www.sitel.com Allein in Deutschland stünden nach seiner
Einschätzung jährlich rund 50 Mrd. Euro für ein effizientes Forderungsmanagement
zur Disposition. Die jährlichen Wachstumsraten in diesem Marktsegment liegen
zwischen fünf und zehn Prozent.
Besonders mittelständische Unternehmen hätten Defizite beim
professionellen Forderungsmanagement: "So betreiben 40 Prozent aller betroffenen
Unternehmen die Inkasso-Bearbeitung noch manuell, was wenig effizient, dafür
aber kostenintensiv und zeitraubend ist. Vielfach wird Forderungsmanagement
nur als reines Inkasso angesehen. Mit dieser Sichtweise vernachlässigt man ein
wichtiges Instrument der finanziellen Erfolgsoptimierung, Kundenanalyse und
sogar Kundenbindung. Forderungsmanagement ist nach unserem Verständnis viel
mehr als das 'Eintreiben' überfälliger Zahlungen", betont Bisping. Bei der Rückstandsbearbeitung
gäbe es viele Möglichkeiten, eine Eskalation zu vermeiden. Zum Beispiel durch
Stundung, Ratenzahlungsvereinbarung oder Ratenreduzierung, aber auch durch den
frühzeitigen Abschluss einer Restschuldversicherung.