30. Ehekirchener Hochzeitsfest
mit Brauchtumsumzug & Bauern-Handwerker-Kleinkunstmarkt
am Sonntag, 5. September 2004
„Feste soll man feiern, wie sie fallen!“ Im Bereich der Einheitsgemeinde
Ehekirchen gab es heuer reichlich Grund dazu, standen doch einige Gründungsjubiläen
an. Das 30-jährige Jubiläum des Hochzeitsfestes bildet den Abschluss
im Reigen der Feierlichkeiten. Hier wird sich nun zeigen, ob die Bürger
der Einheitsgemeinde noch genug Ausdauer und Durchhaltevermögen besitzen,
sind sie doch nicht nur als Besucher gefragt, sondern oft auch als Helfer
auf dem Bauern-/ Handwerker- und Kleinkunstmarkt oder als einer der 700 Mitwirkenden
beim großen und farbenprächtigen Brauchtumsumzug am Sonntag, 5.9.,
(Beginn 13.30 Uhr), der vom Heimatverein Ehekirchen organisiert wird.
Zünftiger „Gmoa-Abend“
Den Auftakt des Festes läutet traditionsgemäß der „Gmoatag“,
gleichzeitig auch „Tag der Betriebe und Vereine,“ am Samstag,
4. September um 19 Uhr im Hochzeitsstadel ein. Im Mittelpunkt steht dabei
die Kommunikation zwischen den Bürgern aus den ehemals selbständigen
Ortsteilen, deren Wappen den „Gmoabaum“ im Zett-Stadel zieren.
Bei zünftiger Stimmungsmusik von der Blaskapelle Ehekirchen mundet ein
deftiger Braten oder Brotzeit natürlich doppelt so gut. Für Abwechslung
sorgt stets ein spannender Wettbewerb. So mussten im letzten Jahr die angetretenen
Teams Bierkästen zu einem Turm aufstellen, wobei die Seiboldsdorfer
Feuerwehrler mit 28 Kästen sich als Meister im „Hochstapeln“ herausstellten.
Ob heuer der gleiche oder ein anderer Wettkampf stattfindet, stand bis Redaktionsschluss
noch nicht fest. Nur eines ist sicher: Für die Sieger gibt es wieder
Preise zu gewinnen.
„Bier-Hochzeit“
Den Höhepunkt des Umzugs am Sonntag bildet die Vermählung der Gerstenbraut
mit dem Hopfenbräutigam, welche die Vereinigung von Hopfen und Gerste
zu Bier darstellt. Zusammen mit dem Hochzeitslader, den hübschen Brautjungfern
und den in festlicher, alter Tracht gekleideten Hochzeitsgästen geben
sie einen Einblick in die damaligen Gepflogenheiten, zu denen z.B. auch der
Umzug der Braut vom Elternhaus zum Anwesen des Bräutigams, mit der dazugehörigen
Aussteuer und Mitgift auf dem Kammerwagen, gehörte.
Wie man einst arbeitete & lebte
Der Ehekirchener Brauchtums-Umzug (mit 25 Pferdegespannen!!) demonstriert
in beeindruckender Weise die „gute, alte Zeit“, als auf den bäuerlichen
Anwesen noch zahlreiche Dienstleute Hof und Feld bestellten, wobei aber bei
aller Mühsamkeit auch noch ein Stück Zufriedenheit und Frohsinn
bei der Arbeit zu spüren war und sich nicht alles so sehr am Profit
orientierte. In verschiedenen Szenen wie z.B. Getreideernte, Erntebrotzeit,
Bauern im Wirtshaus, Gemeinderatssitzung, Volksschulklasse, Handwerker usw.
wird das Leben von einst nachgestellt.
Das Herz so manchen älteren Besuchers wird angesichts der antiken Gerätschaften
und Maschinen höher schlagen, wurden diese meist noch in der eigenen
Jugendzeit verwendet. Für die jüngere High-Tech-Generation ist
es sicherlich genauso interessant, stehen doch Häufelpflug, Brettlwagen,
Heuwagen, Rechen und Gabeln, Dreschflegel, Gsodschneider und viele andere
antiquarische Geräte aus Großvaters Zeiten im markanten Gegensatz
zu den heute eingesetzten modernen Maschinen wie 6-Scharer-Wendepflug, selbstfahrender
Kartoffelvollernter, Rundballenpresse, Mähdrescher oder 8-reihiger Maishäcksler.
Bodenständiger Markt & Gstanzlsingen
Nach dem Umzug, zu dem bei schönem Wetter Tausende von Zuschauern erwartet
werden, bietet sich ein Besuch des Ehekirchener Bauern-/ Handwerker- und
Kleinkunstmarktes an, der inzwischen weit über die Landkreisgrenzen
hinaus bekannt ist. Wer sich jedoch in Ruhe an den Ständen umsehen will,
sollte dazu die eher ruhigeren Vormittagsstunden wählen. Der Markt ist
von 10 - 19 Uhr geöffnet. Auch gegen Hunger und Durst lässt sich
im und außerhalb des Hochzeitsstadels sicherlich das Passende finden.
Deftig-heftig-lustig wird es am Sonntagabend im Hochzeitsstadel werden, denn
laut Matthias Strobl, 2. Vorsitzender des Heimatvereins, findet heuer wieder
das äußerst beliebte Gstanzlsingen statt, wobei jedoch noch nicht
genau feststeht, wie viele Hochzeitslader sich daran beteiligen und dem Publikum
ein herzliches Lachen oder Schmunzeln entlocken werden. Stimmung garantiert
auch die engagierte Band - und wer sich vom langen Sitzen die Beine etwas „vertreten“ will:
Auf der Empore, dem „Taubenschlag“ wurden bisher stets einige
mutige Tänzer gesichtet....
Geschichtlicher Hintergrund
Der Ursprung des Ehekirchener Hochzeitsfestes geht auf die anno 1907 stattgefundene
Vermählung des Großvaters von Georg Zett, 1. Vorsitzender des
Heimatvereins Ehekirchen, zurück. Dieser hatte als Brauereibesitzer
anlässlich seiner Heirat sein eigenes Hochzeitsbier kreiert. Nach vielen
Jahren wurde das Rezept zufällig wieder entdeckt, erneut gebraut und
im Rahmen des 1. Ehekirchener Hochzeitsfestes vor 30 Jahren vorgestellt.
Einige Jahre später wurde erstmals ein Brauchtumsumzug organisiert,
der im Laufe der Zeit stets umfassender wurde und immer mehr Schaulustige
anlockte. Monika Frank (jetzt Meitinger) und Martin Rosskopf bildeten als
Gerstenbraut und Hopfenbräutigam das erste Ehekirchener Hochzeitsfest-Paar.
Seit 1994 übernimmt die umfangreiche Organisation des Umzugs der Heimatverein
Ehekirchen, der auf Initiative des verstorbenen Altbürgermeisters Franz
Braun 1993 gegründet wurde und nun von Georg Zett, Enkel des Hochzeitsbier-Erfinders,
geleitet wird.