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Tilo Schweiger – Direktor des Amtsgerichts Neuburg/Donau
Neuburg, 13.12.2018 - 11:24 Uhr
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Tilo Schweiger – Direktor des Amtsgerichts Neuburg/Donau

Vita: geb. in Bautzen/Sachsen – Abitur in Lindenberg/Allgäu – Jurastudium in Regensburg – seit Juli 1977 am Amtsgericht in Neuburg/D. – verheiratet – 1 erwachsener Sohn.

Als gebürtiger Sachse sind Sie vor 30 Jahren in Neuburg gelandet? Wie kam es dazu?
Meine Mutter stammt aus Sachsen, mein Vater aus Bayern. Im Alter von 5 Jahren bin ich ins Allgäu gekommen, dort mit zwei jüngeren Geschwistern aufgewachsen, habe mit 20 Jahren mein Abitur gemacht und nach dem Militärdienst in Regensburg und Genf studiert. Nach meiner Referendarzeit in Regensburg habe ich mich beim Bayerischen Staatsministerium der Justiz um eine Richter- bzw. Staatsanwaltschaftsstelle beworben. Mir wurde eine Richterstelle in Neuburg angeboten, die ich gerne annahm, da ich während des Studiums bereits Freunde aus Ingolstadt kennen gelernt hatte. Zusammen mit meiner Frau – sie war als Dipl.-Volkswirtin mit ihrem Studium gleichzeitig mit mir fertig geworden und hatte gerade begonnen, bei einer Bank zu arbeiten – bin ich dann nach Neuburg gezogen.

Sie sind nun schon drei Jahrzehnte in Neuburg. Anscheinend gefällt es Ihnen hier.
Wir haben uns sogar ganz bewusst nochmals für Neuburg entschieden! Während der 3-jährigen Probezeit findet nämlich ein Wechsel zwischen Richter- und Staatsanwaltschaftsdienst statt, weshalb ich im November 1978 zur Staatsanwaltschaft nach Ingolstadt kam. Da unsere bisherige Wohnung in Neuburg aufgrund des Familienzuwachses zu klein geworden war, zogen wir nach Ingolstadt. Nach Beendigung meiner Probezeit erhielt ich das Angebot wieder als Richter in Neuburg tätig zu werden. Da die Ottheinrichstadt uns gut gefallen hatte und zentral in Bayern liegt – München, Nürnberg, Regensburg und Ulm sind nur ca. 1 Stunde entfernt – haben wir uns entschieden, uns hier endgültig niederzulassen.

Seit 1. Dezember 2005 sind Sie Direktor des Amtsgerichts Neuburg/D. Welche Aufgaben beinhaltet diese Stelle?
Als Leiter des Amtsgerichts hat sich mein Tätigkeitsfeld deutlich verändert.
Schon als Richter ist man im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Referaten beschäftigt. Als Familienrichter hatte ich z.B. mit Scheidungen und den ganzen Folgen zu tun. Ich war auch Strafrichter im Jugendbereich und zuletzt Zivilrichter, was ich jetzt zum Teil auch noch mache. Einmal pro Woche ist Sitzungstag, in der Regel am Mittwoch, der ganz in Anspruch genommen wird durch Verhandlungen. Diese müssen natürlich vor- und nachbereitet werden. Das ist die „normale“ richterliche Tätigkeit.
Als Direktor muss ich mich aber nun auch mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen, Besprechungen führen sowie Gespräche mit Mitarbeitern, im Verwaltungsbereich, ebenso auf Landgerichtsebene usw., kurzum als eine Art Manager tätig werden. Hier steht „gestalten“ nicht „richten“ im Mittelpunkt.

Sie sind seit 30 Jahren am Gericht tätig. Können Sie einen Unterschied zwischen damals und heute feststellen?
Ganz allgemein ist die Belastung nicht nur für die Richter ziemlich heftig gestiegen. Dass speziell die Gewaltstraftaten seit 1977 gestiegen sind, kann ich so nicht sagen. Der Arbeitsanfall im Vergleich von damals zu heute ist erheblich mehr geworden. Damals war das Gericht mit 6 Richtern angemessen besetzt. Heute sind wir 6 ½ Richter (letzteres ist eine Halbtagsstelle) und damit um 2 Richter zu wenig. Insgesamt sind am Amtsgericht Neuburg einschließlich der Teilzeitkräfte ca. 50 Leute beschäftigt.

Wie sieht es im Strafbereich hinsichtlich der jüngeren Generation aus?
Seit 8 Jahren beschäftige ich mich nicht mehr unmittelbar mit der „jungen Kundschaft“. Davor war ich jedoch 10 Jahre lang Jugendrichter. Ich finde, dass sich in dieser Zeit nicht viel geändert hat. Aber ich weiß noch von älteren Kollegen, dass früher z.B. bei Volksfesten in der Oberpfalz es öfter zu Schlägereien kam, bei denen sogar Messer eingesetzt wurden, was heute und hier eher außergewöhnlich wäre. In den 50er/60er Jahren schien in manchen Gegenden die Lederhose und der Hirschfänger zur Grundausstattung zu gehören. Auch wenn heute von der Brutalität der Jugend die Rede ist ..... sooo sauber waren die „Halbstarken“ in den 50er/60er Jahren auch nicht!

Wie sehen Sie unsere Region im Vergleich zu anderen Regionen?
In Großstädten herrschen ganz andere Verhältnisse. Neuburg liegt im Mittelbereich. Hier ist zwar nicht die „Insel der Seligen“, aber man kann hier gut leben. Vorkommen tut überall was. Man darf zwar nicht alles unter dem großväterlich-nachsichtigen Gesichtspunkt betrachten, aber Grund zur Aufregung besteht nicht.

Machen Sie sich Gedanken, wenn Sie in einem schwierigen Fall jemanden nach dem Gesetz schuldig sprechen müssen, der vielleicht gar nicht schuldig ist?
Sich Gedanken über einen Fall zu machen, gehört zu meinem Beruf. Der überwiegende Teil meiner Arbeitswoche besteht ja darin, Entscheidungen vorzubereiten oder nachzuarbeiten. Die Konstellation „schuldig sprechen, obwohl unschuldig“ gibt es eigentlich nicht. Als Jurist habe ich meine klaren Maßstäbe vom Gesetz her und wenn es dort nicht verankert ist, gibt es allgemeine rechtliche Maßstäbe. Diese wurden nicht willkürlich geschaffen, sondern sind vernünftig. Darum sind in der Regel auch die Ergebnisse vernünftig. Was außerhalb liegt, ist die soziale Komponente. Wenn ich z.B. einen Räumungsprozess habe, mit Leuten, welche die Miete nicht mehr zahlen können – von „nicht zahlen wollen“ ist hier nicht die Rede - und ihnen deshalb gekündigt wurde und sie nun die Wohnung räumen und in eine Notunterkunft ziehen müssen, dann tut mir das persönlich leid. Andererseits ist ein Vermieter kein Wohlfahrtsunternehmer und will mit Recht seine Miete haben. Er ist vielleicht sogar selber auf die Miete angewiesen, weil sie seine Altersvorsorge ist. Da steht man menschlich schon in einem Zwiespalt. Aber mit den Jahren muss man sich eine gewisse professionelle Distanz zulegen, um sich vor dem Burn-out-Syndrom zu bewahren.

Von der Arbeit zur Freizeit: Welche Hobbys haben Sie?
In letzter Zeit sind die Hobbys etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Aber Skifahren ist nach wie vor mein Hobby. Dafür plane ich eine Woche Winterurlaub ein. Im Sommer lockt der Badesee, um ein bisschen zu schwimmen. Früher stand noch Paddeln auf dem Programm. Ich bin seit fast 25 Jahren Mitglied im Donau-Ruderclub und hab immer noch mein eigenes Boot, das aber in letzter Zeit eher ungenutzt blieb. Ich muss zugeben, es liegt weniger am Zeitmangel, eher an der eigenen Bequemlichkeit. Aber ich jogge zwei-/dreimal in der Woche, nicht weil mir Schwitzen Spaß macht, sondern weil ich merke, dass es mir gesundheitlich was bringt.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?
Eigentlich nicht. Aber ich mag z.B. gern Rindsrouladen mit Blaukraut und Kartoffeln oder Rostbeef mit Kartoffelgratin, was meine Frau ganz ausgezeichnet zubereitet.

Wer ist der Chef in der Küche? Sie oder Ihre Frau?
Früher habe ich auch selber gekocht, aber inzwischen ist mir die Lizenz entzogen worden, denn meine Frau hat festgestellt, dass ich zu großzügig mit Öl und Fett umgehe. Sie schlägt jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich anfange ein Schnitzel zu braten...... Daher überlasse ich es ihr. Auch in der Zeiteinteilung ist sie als selbständige Steuerberaterin etwas flexibler als ich, wenn es um die Zubereitung des Mittagessens geht.

Welchen Berufswunsch hatten Sie früher?
Als ich mit 15/16 Jahren meinem Onkel beim Hausbau in den großen Ferien als Hilfsarbeiter unterstützte, wurde ich von den Arbeitern gefragt, was ich denn mal werden möchte. Meine Antwort „Jet-Pilot oder Richter“ löste Gelächter aus, waren die Ziele doch recht gegensätzlich. Der Wunsch „Jet-Pilot“ hat sich bei der Musterung erledigt, weil ich aufgrund einer Sehbeeinträchtigung nicht dafür geeignet war. Aber den Wunschberuf Richter konnte ich realisieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Beruflich: Dass sich aufgrund einer verbesserten Staatshaushaltslage sich auch unsere Personallage verbessert. Privat: Gesundheit und wenn ich in 4 ½ Jahren in Pension gehe, dass ich dann noch eine geraume Zeit zusammen mit meiner Frau etwas unternehmen kann.

Was wünschen Sie unseren Lesern?
Dass sie mit uns nicht allzu viel zu tun haben, denn es gibt Angenehmeres als vor Gericht zu stehen, egal in welcher Rolle.

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