Barockkonzerte als kleine Festspiele
Unterschiedliche Programme - Gesangs-Ausnahmetalent
- Sonntag neues Ensemble
Die
55. Neuburger Barockkonzerte rücken näher. Auf sie dürfen sich die Musikfreunde
besonders freuen: Der künstlerische Leiter Günter Theis hat zum einen für Freitag,
27. September, und Samstag, 28. September, sowie zum anderen für Sonntag, 29.
September (neues Ensemble), zwei sehr attraktive und differenzierte Werkfolgen
entwickelt, die manchen gleich zu doppeltem Konzertbesuch verführen sollen und
können. Damit wird das im letzten Jahr schon eingeleitete zukunftsweisende Konzept
mit noch größerer Abwechslung und noch mehr Facettenreichturm fortgesetzt.
Der Charakter eines kleinen Festivals wird weiter verstärkt, zumal vorab am
Donnerstag, 26. September, in der angegliederten Reihe "Art Baroque" im Jazzkeller
das schon in den letzten Jahren bewährte Crossover-Konzert wieder einen Brückenschlag
von alter zu zeitgenössischer Musik herstellen wird und das verkürzte Schülerkonzert
am Freitag, 27. September, um 11 Uhr jetzt als Gesprächskonzert auch interessierten
Erwachsenen, die vorab besondere Informationen zur Musik bekommen wollen, offen
stehen soll. Brückenschlag im Jazzkeller
Am Donnerstag, 26. September, um 20.30 Uhr wird im Rahmen der Baroque-Brückenschläge
diesmal das "Lajos Dudas Quartet" in den Jazzkeller kommen. Der gebürtige Budapester
Lajos Dudas genießt gleichermaßen in der klassischen Musik wie im Jazz internationales
Renommee. Sein Quartett wird im ersten Set Musik aus dem unerschöpflichen Repertoire
Bachs zelebrieren und im zweiten Teil mit Jazzmusik swingen. Karten beim Jazzclub
über Telefon 41 233, Fax 46 387 oder e-mail: mail@birdland.de "Weichet nur,
betrübte Schatten". Unter diesem Motto stehen dann Programm-Auswahl und -Aufbau
der ersten beiden eigentlichen Barockkonzert-Abende am Freitag, 27. September,
und Samstag, 28. September, jeweils um 20 Uhr im Kongregationssaal und man könnte
beim Programmaufbau sinnvoll ergänzen "Vom Dunkel zum Licht, von Moll zu Dur".
Günter Theis verspricht mit seinen verstärkten Freiburger Barocksolisten ein
Festival-Programm der extremen Farbigkeit und Formkontraste mit höchstem Unterhaltungswert,
das Virtuoses mit Parodistischem, Klangvolles mit Akrobatischem, und Stimmliches
mit Instrumentalem von Bach, Vivaldi, Teleman und Mozart mischt, ja kontrastiert,
und das in jedem Fall von drei Mollansätzen zum erlösenden Sopran-Jubel in Dur
findet: "Exsultate jubilate".
Klingende Fagott-Malerei
Im Zentrum dieses Donnerstag/Freitag-Programms dominieren Sopran und Fagott
in Solopartien. Matthias Maria Scholz (Fagott), der in Neuburg schon mehrfach
überzeugte, beginnt seine Solovorstellungen mit klingender Malerei in Vivaldis
apartem Fagott-Konzert "La notte" in B-Dur. Bachs Hochzeitskantate gibt ihm
in zwei Arien Gelegenheit, sein bewegliches Bassinstrument von der erwartet
humorvollen Seite zu zeigen, während das selten in der Originalversion mit Solofagott
zu hörende Telemann-Quartett D-Moll aus der Tafelmusik alles an Virtuosität
und darstellerischer Vielseitigkeit abverlangt, im Gelingen aber auch ein besonderes
Erlebnis verspricht, betont Günter Theis.
Gesangsentdeckung
Eine außergewöhnliche Entdeckung ist Theis ganz offensichtlich auch mit der
blutjungen Sopranistin Silke Burth geglückt. Man darf sich jetzt schon freuen,
von ihr die Solopartien in Johann Sebastian Bachs Hochzeitkantate und in Mozarts
Motette "Exsultate, jubilate", KV 165 zu hören. Das 22-jährige Ausnahmetalent
hat bereits während des Studiums an der Musikhochschule Freiburg mehrere bedeutende
internationale Preise gewonnen und wurde allein in diesem Jahr mit dem 1. Preis
beim Würzburger Mozartfest ausgezeichnet und vier Wochen später mit dem Solistenpreis
der Commerzbank-Stiftung geehrt. "Allein der von ihr zu erwartende Sopranjubel
sollte den Besuch der Neuburger Barockkonzerte wert sein" , meint Günter Theis.
Eröffnet wird das Programm mit Johann Sebastian Bachs spätem Tripelkonzert A-Moll,
BMV 1044, dem gewichtigen und hochinteressanten Pendant zu seinem 5. Brandenburgischen
Konzert, mit Gesa Maatz (Querflöte), Konzertmeister Felix Borel (Violine) und
Professor Gottfried Bach von der Schola Cantorum Basilensis (Cembalo).
Klassische Bläserharmonie
Am Sonntag, 29. September (Beginn schon um 19 Uhr), ist im zweiten Programm
des Festivals "Klassische Bläserharmonie" zu erleben. "Harmonie" nannte man,
wie Günter Theis informiert, im 18. Jahrhundert kleine Bläserensembles mit sechs
oder acht meist paarweise besetzten Holzbläsern und Kontrabass, die es zeitweise
zu größter Beliebtheit brachten, sodass auch die größten Meister, allen voran
W. A. Mozart, Werke für sie schufen. Das Marsyas-Ensemble", eine zehnköpfige
Solistenvereinigung aus dem Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Frankreicht
musiziert unter Leitung von Günter Theis Ludwig van Beethovens Bläseroktett
Es-Dur, op. 103, von Wolfgang Amade Mozart die originale Erstfassung seines
bekannten Bläseroktetts Es-Dur, KV 375 in Sextettbesetzung ohne Oboen und sein
großartiges C-Moll-Oktett, KV 388. Beide Werke waren dem jungen Beethoven Vorbild
und inspirierten ihn 1797 zu seinem Oktett. Spannend zu hören, was aus diesem
kreativen Prozess Neues entstand. Eine nochmals ganz eigene Programmseite schlägt
schließlich das virtuose und mitreißend jugendfrische Bläserquartett B-Dur von
Gioacchino Rossini auf. Zu erwarten ist bei ihm vor allem brillante Farbigkeit
und insgesamt von allen vier Werken "echte Bläserharmonie im klassischen Stil".
Wo es Karten gibt
Die Nachfrage nach den Karten (drei Kategorien zu 23, 18 und 13 Euro, Pausensekt
im Eintritt enthalten!) ist bereits rege. Tickets für alle drei Barockkonzert
-Abende können beim Kulturamt der Stadt Neuburg bestellt werden: Telefon 55231,
Fax 55242, e-mail: angelika.rittberger@neuburg-donau.de Ab Dienstag, 3. September,
sind sie auch im Neuburger Bücherturm erhältlich. Michael B i c k e l