Schulanfang 2003: Jetzt geht's los
Die Ferien sind bald vorbei! Mit Grausen
denken die einen daran, während die anderen - vor allem die ABC-Schützen - sich
auf die Schule freuen. Auch wenn ein bisschen Angst vor allem Neuen mit dabei
ist, stellt sich die Schule meist als weniger schlimm heraus, wie manche - die
Eltern mehr als ihre Kinder - befürchten.
Hoffentlich
wird der eigene Sprössling, daheim der Zappelphilipp in Person, endlich mal
ein paar Stunden ruhig sitzen bleiben! Bekommen sie einen guten Lehrer, der
mit Kindern gut umgehen kann? Wird der schüchterne Sohn/ die Tochter mit den
Mitschülern klarkommen oder sich "unterbuttern" lassen? Wird sie/er den Lehrstoff
kapieren und die Hausaufgaben immer ordentlich machen? Das sind Fragen, die
sich viele Eltern kurz vor dem Schulstart stellen. Für die Kinder zählt eher,
was in der Schultüte wohl für Überraschungen zu finden sein werden und was sie
am ersten Tag anziehen sollen. Ein neues Outfit kann da sehr zum Selbstbewusstsein
der Kleinen und zur Freude auf den neuen Lebensabschnitt beitragen. Diesen sollte
man natürlich unbedingt mit der Kamera oder von einem Fotografen fest halten
lassen. Vor Schulbeginn sollte auch beim Augenarzt oder Optiker ein Sehtest
durchgeführt werden, dann nicht selten beruht eine Lernschwäche auf mangelnde
Sehfähigkeit.
Frühstück verhindert Leistungstief
Um vom Start weg schon die richtigen Voraussetzungen zu haben, ist ein gesundes
Frühstück und Pausenbrot wichtig! Nur zwei Drittel der 6-14-jährigen Kinder
frühstücken und nur die Hälfte nimmt ein Pausenbrot mit in die Schule. Viele
bekommen nur Geld von zuhause mit, womit sie sich dann etwas Süßes kaufen. Gesundheitsexperten
sehen darin eine gefährliche Entwicklung, denn jedes fünfte Kind in Bayern ist
bereits übergewichtig. Kinder, die kurz nach dem Aufstehen einfach nichts essen
können oder wollen, sollten in der Schule ein reichhaltiges, gesundes zweites
Frühstück zu sich nehmen.
Am Morgen sind im Körper die Kohlenhydratspeicher reduziert,
wobei diese ideale Lieferanten für das Gehirn sind. Um in der Schule leistungsfähig
und konzentriert zu sein, benötigen die Kinder einen Nachschub an Energie, Vitaminen
und Mineralstoffen. Sind die Energievorräte erschöpft, kann es zu Konzentrationsschwächen,
Müdigkeit oder sogar Übelkeit kommen. Frisches Obst, knackiges Gemüse, Müsli,
fettarme Milchprodukte, Vollkornbrot mit magerer Wurst, Käse oder vegetarische
Aufstriche sind das Richtige. Auch ausreichendes Trinken ist besonders wichtig.
Grundschulkinder benötigen mindestens 1 Liter pro Tag. Geeignet sind Fruchtschorlen,
oder ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees.
Sicher zur Schule & zurück
Viele Eltern begleiten anfangs ihre Kinder auf dem Weg zur Schule. Irgendwann
werden die ABC-Schützen den Weg alleine gehen müssen. In einem Rollentausch
können die Eltern etwaige Unsicherheiten des Sprösslings erkennen. Die Benutzung
eines Fahrrades für den täglichen Schulweg ist nicht vor dem 4. Schuljahr gestattet.
Eltern, die ihre Kinder mit dem Pkw zur Schule befördern, sollten darauf achten,
dass die Mädchen und Buben in einem der Alters- und Gewichtsklasse angepassten
Autokindersitz gesichert und richtig angeschnallt sind. 2/3 der Kinder sind
nämlich nicht richtig gesichert! Jedes Jahr verunglücken so ca. 50.000 Kinder
auf der Straße.
Gehen sie zu Fuß zur Schule, sollten die Kids farbenfrohe Kleidung
tragen, um besser von den Autofahrern gesehen zu werden. Auch die Reflektoren
an den Schulränzen sorgen vor allem im Herbst und Winter, wenn der Schulweg
teils bei Dunkelheit oder Dämmerung zurückgelegt werden muss, für mehr Sicherheit
im Straßenverkehr. Selbstverständlich sollten die Kinder rechtzeitig auf den
Schulweg geschickt werden. Denn Hektik und Hetze führen zu Unkonzentriertheit
und riskantem Verkehrsverhalten.
Autofahrer aufgepasst!
Kraftfahrer sollten sich rechtzeitig darauf einstellen, dass wieder vermehrt
Schulkinder am Straßenverkehr teilnehmen. Durch ihr unberechenbares und spontanes
Verhalten beschwören sie unbewusst Gefahrensituationen herauf, die nur durch
das besonnene und rücksichtsvolle Verhalten der Autofahrer kompensiert werden
können.
Nachhilfe ist keine Schande
Nicht nur die Kinder sind heute oft überfordert, wenn es um schulische Leistungen
geht. Auch die Eltern, vielfach beide berufstätig, stehen den wachsenden Anforderungen,
die an ihre Kinder gestellt werden, manchmal hilflos gegenüber, obwohl sie gerne
helfen möchten. Dabei sind schlechte Noten nicht immer auf Faulheit oder gar
Dummheit der Kinder zurückzuführen. Wer seinem Kind helfen möchte, diesen Teufelskreis
zu durchbrechen, sich selbst jedoch nicht in der Lage fühlt, sollte sich an
erfahrene Fachkräfte wenden. Sie unterrichten 4 bis max. 6 Kinder in einer Gruppe,
die nach Altersklassen und Fächerschwerpunkte eingeteilt werden. Zuerst bearbeiten
die Schüler unter Aufsicht und Anleitung ihre Hausaufgaben. Danach wird eine
Leistungsanalyse erstellt, die genau erkennen lässt, wo die Schwächen liegen.
Aufgrund dieser Analyse werden die vorhandenen Defizite langfristig abgebaut.
Das lernen in kleinen Gruppen fördert die Motivation und Lernbereitschaft.
Nicht jedes Kind muss Abi machen!
Die neue Hirnforschung hat herausgefunden: Die Entfaltung der Intelligenz geschieht
nicht durch Dressur. Wer sich zum Beispiel viel mit dem Kleinkind beschäftigt,
regt es zum Spielen an. Lesen Sie ihm Bilderbücher vor. Das motiviert das Kind
im Schulalter zum Lesen und Lernen. Lassen Sie dabei auch die Großeltern ran!
Jedes Kind ist eine Neuheit! Beobachten Sie auf welchem Gebiet Ihr Kind besonders
begabt ist. Bauen Sie mit ihm ein Hobby auf! Praktisch begabte Kinder sind genauso
viel wert wie die mit der theoretischen Intelligenz. Nicht für alle ist deshalb
das Gymnasium mit dem Abitur die richtige Schulform. Es kann um so eher zum
Schiffbruch kommen, je mehr das Kind schulisch überfordert ist. Besser ein guter
Hauptschul- oder Realschulabschluss als ein verkorkstes Abitur mit einem verzweifelten
Jugendlichen. Nicht durch das Abitur wird der Mensch hochwertig, sondern durch
seine Menschlichkeit. Kümmern Sie sich als Eltern um die Schularbeiten. Bei
unserer Schulform ist es unvermeidlich, dass sich Eltern vom ersten bis zum
letzten Schultag für den schulischen Alltag ihres Kindes interessieren müssen/sollen.
Kinder brauchen auch hier Rückhalt von den Erwachsenen. Man sollte sie in Schutz
nehmen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, aber man muss ihnen auch helfen,
Lehrer zu verstehen und diese zu respektieren, so Kinderpsychologin und Bestsellerautorin
Christa Meves.
Mobbing in der Schule
Da fallen abwertende oder beleidigende Äußerungen, wenn ein bestimmter Schüler
aktiv im Unterricht mitarbeitet, oder Mädchen tuscheln über die Kleidung oder
die Figur einer Mitschülerin, da bittet man einen Klassenkameraden um seine
Aufzeichnungen und macht sich gleichzeitig darüber lustig, dass der "Streber"
mitgeschrieben hat, oder aggressives Verhalten und Drohungen bzw. Einschüchterungs-
oder Erpressungsversuche gegenüber anderen Kindern....... Die Beispiele ließen
sich beliebig fortsetzen.
Negative Auswirkungen
Vielleicht denken jetzt manche Eltern, dass es das immer gegeben hat und man
damit halt leben muss. Dieser Meinung sind Schulexperten jedoch nicht. Denn
diese Verhaltensweisen, auch Mobbing genannt, haben für die Schüler äußerst
negative Auswirkungen: Lernunlust, depressive Verstimmung, Konzentrationsstörungen,
absinkende Leistungen oder Schulangst - Auswirkungen, von denen vor allem die
Schule betroffen ist. Darüber hinaus können aber derartige Formen, mit Konflikten
umzugehen auf Opfer- und Täterseite im weiteren Leben z.B. im Beruf, zu massiven
Schwierigkeiten führen. Deshalb sollte man solchen Verhaltensweisen frühzeitig
entgegenwirken.
Was können die Lehrkräfte dagegen tun?
Derartige Entwicklungen sensibler wahrnehmen und klar Standpunkt beziehen. Betroffene
ermuntern, sich den Lehrern anzuvertrauen. Die Täter auf die Folgen für sie
selbst und die Opfer hinweisen. Eindeutige Signale setzen, um Täter zu stoppen
und das Selbstvertrauen der Opfer zu stärken. Junge Leute darüber aufklären,
dass man eigene Probleme nicht löst, indem man anderen irgendwelche bereitet.
Wenn Eltern hier die Schule unterstützen, helfen Sie nicht nur der Schule, sondern
auch den jungen Leuten, seien sie nun Opfer oder Täter.
Vorsicht bei Medikamenten für Kinder!
Ihr Kind kommt aus der Schule und klagt über schlimme Kopfschmerzen? Da
der Hausarzt an diesem Nachmittag keine Sprechstunde hat, gibt ihm so manche
Mutter Schmerztabletten und rechnet dabei vor: Wenn ein Erwachsener mit 80 Kilo
Gewicht eine Tablette nehmen soll, bekommt ein Kind mit 40 kg eine halbe. Doch
das kann gefährlich werden, denn Kinder haben einen ganz anderen Stoffwechsel
und verarbeiten Arzneistoffe anders als Erwachsene. Ohne Rücksprache mit dem
Apotheker oder Arzt sollen keine Medikamente verabreicht werden. Arzneistoffe
werden von den Kindern auch langsamer ausgeschieden, werden zum Teil schneller
ins Gehirn transportiert und können dort Schädigungen hervorrufen, wie z.B.
Aspirin oder alle ASS-haltigen Präparate. Stattdessen sollte auf Paracetamol
oder Ibuprofen zurückgegriffen werden. Auch Hustensaft und Erkältungssalben
für Erwachsene können für Kinder gefährlich werden.