Nichts wie ran an die Kartoffeln
Bratkartoffel-Verhältnisse sind eine klare Sache. Aber das allgemeine Verhältnis
der Deutschen zur Kartoffel ist heikel: Auf der einen Seite lieben wir sie heiß und
bringen sie fast täglich in unterschiedlichsten Gerichten auf den Tisch.
Auf der anderen Seite hat das dazu geführt, dass wir ihr gleichmütig
begegnen - Kartoffel ist Kartoffel, ein gewöhnliches Nahrungsmittel, nicht
die Rede wert. Hat sie das verdient? In Ländern, wo man die Kartoffel eher
als normales Gemüse unter vielen anderen ansieht und verwendet, etwa in
Italien oder Frankreich, gibt man sich im Umgang mit ihr mehr Mühe. Unsere
Nachbarn achten auf vorzügliche Qualität, suchen die richtige Sorte
für das jeweilige Gericht, wissen die Kartoffel als echte Delikatesse zu
würdigen. Tun wir es ihnen doch nach!
Die Kartoffel hat eine bemerkenswerte Geschichte. Sie ist gebacken, gekocht,
gedämpft und pürriert worden. Sie ist als Diät und bei Diabetes
sehr gefragt. Sie wird für den Ausbruch von Lepra und Massenemigrationen
verantwortlich gemacht, und Kartoffelblüten haben schon königliche
Mantelaufschläge und Geschirr geschmückt.
Die Urheimat der Kartoffeln sind die südamerikanischen Anden. Dort wurden
Kartoffeln schon vor über 2000 Jahren angebaut. Als Schiffsproviant
spanischer Seefahrer kamen sie etwa 1530 nach Europa. Um 1590 begann man
auch in Deutschland Kartoffeln anzubauen, sie fanden allerdings lange Zeit
nur als Zierpflanzen Verwendung.
Ihr Wert als wichtiges Grundnahrungsmittel wurde erst im 18. Jahrhundert
erkannt. Friedrich der Große war es , der seine preußischen Bauern
dazu brachte, Kartoffeln anzubauen. Seitdem sind sie von unserem Küchenzettel
nicht mehr wegzudenken. Dass sie mehr als nur Beilege sind, haben unsere
Großmütter bewiesen. Ihre Kartoffelrezepte haben Jahrzehnte überlebt.