Lehrstellensituation im bayerischen Mittelstand
Am Ende des vergangenen Ausbildungsjahres stand fest: nicht allen Bewerbern konnte ein Ausbildungsplatz angeboten werden. Diese Entwicklung hat sich weiter verschärft. In der offiziellen Statistik für Bayern bestand Ende Juli eine Lehrstellenlücke von rund 18.000. Höchste Zeit also zum Handeln, trotz enorm schwieriger Rahmenbedingungen. Der Bund der Selbständigen/DGV hat wie im Vorjahr seine Mitgliedsunternehmen befragt, unter anderem mit dem Ziel, noch nicht besetzte Lehrstellen zu ermitteln. Ca. 560 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt mit folgendem Ergebnis:
Motive für die Einstellung eines Lehrlings
Die Ausbildung eigener Mitarbeiter (90 %), sowie die gesellschaftliche Verantwortung
(66 %) stehen an der Spitze. Weit abgeschlagen folgt dann erst der konkrete,
betriebswirtschaftliche Nutzen (25 %). Dieses Ergebnis zeigt, dass viele
Unternehmen ihre Auszubildenden nach der Lehre auch übernehmen wollen.
Ein sehr positiver Aspekt!
Ausbildungshindernisse
Als Ausbildungshindernisse wurden an erster Stelle die hohen Kosten (60 %)
genannt. So muss lt. Bundesinstitut für Berufsausbildung ein Ausbildungsbetrieb
im Durchschnitt 8.700 Euro jährlich zuschießen, um einen Ausbildungsplatz
anbieten zu können. Als weitere Gründe wurden die geringe Präsenz
am Arbeitsplatz (53 %) wegen des Berufsschulbesuches und der bürokratische
bzw. administrative Aufwand (36 %) genannt. Das sind deutliche Signale in
Richtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Schwierige Suche nach Lehrlingen
Trotz des großen Angebots an Schulabgängern sind die Probleme nicht
vom Tisch. Es ist nach wie vor für fast jeden zweiten Betrieb (45 %)
schwierig, geeignete Lehrlinge zu finden. 84 % der Firmenchefs monierten,
dass die Bewerber nicht ausreichend qualifiziert seien. So kann sich ein
Bewerber mit guten Noten und gewisser Flexibilität bei der Auswahl der
anvisierten Berufe mindestens unter vier Ausbildungsplatz-Angeboten entscheiden.
Mit sehr guten Noten ist die Auswahl noch größer, während
sich Bewerber mit schlechten Noten überaus schwer tun. Zum Glück
gibt es auch Firmen-Chefs, die mehr Wert auf die Persönlichkeit und
das Engagement eines Bewerbers legen. D.h. die Jugendlichen sollten beim
Berufspraktikum, sowie beim Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck
hinterlassen. Doch auch hier hapert es: 40 % der Unternehmen bemängelten
das schlechte Auftreten und Erscheinungsbild. Mit anderen Worten: Die Lehrstellenproblematik
beginnt nicht erst am Ausbildungsmarkt, sondern schon viel früher in
der Schule und im Elternhaus, wo den Kindern und Jugendlichen Tugenden wie
Ordnung, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Fleiß nahe gebracht
werden sollten.
Gemeinschaftsaufgabe Ausbildung
Die Verantwortung für Ausbildung endet nicht am Firmentor. Elternhaus,
Schulen, Staat, Gewerkschaften und an vorderster Stelle die Bewerber selbst
müssen „mitrudern“, damit der Ausbildungsmarkt sich zum
Positiven wendet. Daher hat die Bayerische Staatsregierung und die Wirtschaft
die Kampagne „fit for work - unsere Zukunft: 1 +“ ins Leben gerufen,
um zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Im Internet unter www.fit-for-work.info wird über
Projekte und Veranstaltungen berichtet und Informationen transparent gemacht.
Daneben ist eine Koordinierungsstelle eingerichtet, wohin sich Ausbildungsplatzsuchende
und Betriebe wenden können: Koordinierungsstelle „Fit for work
- unsere Zukunft 1*+“, Max-Joseph-Str. 5, 80333 München, Tel.
089/55178-393, Fax 089/55178-366, E-Mail: fitforwork@mbw-bayern.de
Jetzt aber ran!
Wer nächstes Jahr die Schule verlässt, sollte sich mit seiner Bewerbung
beeilen, denn viele Betriebe treffen jetzt schon eine Vorauswahl hinsichtlich
der Einstellung ihrer Azubis für 2005! Und wie erfährt man von
offenen Ausbildungsplätzen? Man sollte sich nicht unbedingt nur auf
die Bundesagentur für Arbeit verlassen. Lieber selbst bei einigen Firmen
anrufen und sich erkundigen, sowie alle Verwandten, Bekannten, Freunde und
Vereinskameraden bei deren Arbeitgeber nachfragen lassen, ob dort Lehrlinge
eingestellt werden, und ob sie „ein gutes Wort“ für dich
einlegen würden. Denn: „Vitamin B“ (= Beziehungen) schadet
bei Bewerbungen nie.............. Viel Erfolg!