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Wenn Oma nicht mehr richtig „tickt“
Neuburg, 21.09.2020 - 08:49 Uhr
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Wenn Oma nicht mehr richtig „tickt“

„Dass sie ständig etwas vergisst, daran haben wir uns längst gewöhnt. Ist ja auch irgendwie normal mit zunehmendem Alter. Doch in letzter Zeit hat sich Oma ziemlich verändert. Viermal schon hat sie ihr Fahrrad, mit dem sie immer unterwegs ist, irgendwo stehen lassen und wusste nicht mehr wo. Neulich war sie beim Bäcker und fand den Heimweg nicht mehr. Seitdem mag sie auch gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Dabei war sie bisher ein äußerst kontaktfreudiger Mensch! Ja und gestern, hat sie doch glatt behauptet, ich hätte ihren Geldbeutel gestohlen! Abends haben wir ihn samt ihrem Halstuch im Kühlschrank entdeckt. Ich glaub, Oma ist nicht mehr ganz richtig im Kopf!“

Demenz oder Alzheimer?
Unter Demenz versteht man in unterschiedlicher Zusammensetzung auftretende Störungen geistig-seelischer Leistungen, wie Gedächtnisstörungen und Denkschwierigkeiten bei klarem Bewusstsein, Sprachstörungen, Veränderungen der Stimmungskontrolle und der sozialen Verhaltensweisen, wodurch die Bewältigung des Alltags sehr erschwert wird. Die Demenz zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im höheren Lebensalter. Rund 1,1 Mio Demenzkranke leben derzeit in Deutschland, mit steigender Tendenz, denn die Bevölkerung wird immer älter. Demenzen befallen Männer und Frauen gleichen Alters mit ähnlich hoher Wahrscheinlichkeit. Dennoch sind weitaus mehr Frauen demenzkrank als Männer. Der Grund: Frauen werden im Durchschnitt einige Jahre älter als Männer und sind in der höchsten Altersgruppe, in der das Krankheitsrisiko steil zunimmt, somit viel öfter vertreten.

Ursachen
Demenzerkrankungen können viele Ursachen haben, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist: Rund 60% aller Demenzen werden durch sie hervorgerufen. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens. Alzheimer kann schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, die Häufigkeit steigt aber mit dem Lebensalter steil an. Bei den Demenzen wird grundsätzlich in primäre (90%) und sekundäre (10%) Formen unterschieden. Sekundär ist sie, wenn sie Folge einer anderen Grunderkrankung wie z.B. Stoffwechselerkrankungen, Vergiftungserscheinungen durch Medikamentenmissbrauch, Vitaminmangelzustände oder auch Depressionen sind. Primäre Demenzen hingegen beginnen direkt im Gehirn. Sie sind nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr heilbar.

Vorbeugung möglich?
Bislang gibt es leider keinen Schutz davor, an Alzheimer zu erkranken. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko zu erkranken verringern können. Dazu gehören: geistige, körperliche und soziale Aktivität, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin, fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren und die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus.

Diagnose
Eine sorgfältige Diagnose umfasst die gründliche Untersuchung sowohl des körperlichen als auch des geistigen Zustandes. Psychologische Tests werden eingesetzt, um Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit zu prüfen. Dem Ausschluss anderer Erkrankungen dienen neben körperlichen Untersuchungen auch Laborbestimmungen und bildgebende Verfahren wie etwa Computer-Tomographie oder MRT. Besonders wichtig ist das Gespräch mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose können erfahrene Ärzte bzw. Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie stellen. Gedächtnisambulanzen („Memory Kliniken“) sind besonders spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Behandlungsmöglichkeiten
Die Alzheimer-Krankheit ist heute noch nicht heilbar, das Fortschreiten der Symptome lässt sich jedoch vorübergehend hinauszögern. Medikamente ("Antidementiva") stehen zur Verfügung, die über ungefähr ein Jahr die geistige Leistungsfähigkeit aufrechterhalten können und sich auch positiv auf die Alltagsbewältigung auswirken. Um die Lebensqualität Demenzkranker und ihrer Angehörigen zu verbessern, aber auch um Verhaltensstörungen zu lindern, können nichtmedikamentöse Ansätze (wie z.B. Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie, Erinnerungs-, Musik- und Kunsttherapie) sehr hilfreich sein. Dabei sollten stets die Persönlichkeit und die individuellen Besonderheiten des Erkrankten berücksichtigt werden. Hier wäre es besonders hilfreich, wenn Angehörige den Lebenslauf und die Vorlieben des Patienten kennen würden. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt ("Milieutherapie") sind darüber hinaus für Demenzkranke von besonderer Bedeutung.

Umgang mit Demenzkranken
Demenzerkrankungen haben unterschiedliche Erscheinungsformen und Verläufe, ebenso unterschiedlich sind die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Betroffenen. Einige der Kranken sind freundlich, andere aggressiv, einige sind körperlich gesund, andere wiederum bettlägerig. Das Krankheitsbild ist häufig auch abhängig von der Tagesform und der Tageszeit. Es gibt keine allgemeingültigen Rezepte für den Umgang mit Demenzkranken, sondern es gilt auszuprobieren, was im Einzelfall hilft: 1) Die Krankheit annehmen statt sie zu verleugnen. 2) Wissen über die Krankheit erwerben und sich auf deren Verlauf einstellen. 3) Den Kranken, sein Verhalten, seine Äußerungen beobachten und versuchen ihn zu verstehen. 4) Das eigene Verhalten auf den Kranken einstellen, z.B. langsam und deutlich sprechen, Zuwendung geben, für einen gleich bleibenden, aber flexiblen Tagesablauf sorgen, Sicherheit und Geborgenheit schaffen. 5) Den Kranken nicht auf seine Fehler hinweisen, ihn nicht korrigieren, kritisieren, überfordern. 6) Vorhandene Fähigkeiten erhalten, die Kranken in Alltagstätigkeiten, die ihnen Spaß machen, einbeziehen. Dabei an gewohnte Handlungsmuster anknüpfen. Welche Vorlieben und Abneigungen hat der Kranke? 7) Die äußeren Lebensbedingungen anpassen, z.B. Sicherung von Gas- und Elektrogeräten, Nachtbeleuchtung, zweckmäßige Kleidung, Armband oder Zettel mit Name und Adresse, wenn der Kranke dazu neigt die Wohnung zu verlassen.

Betreuungs- und Vorsorgungsmöglichkeiten
Etwa zwei Drittel der an einer Demenz erkrankten Menschen werden in den Familien versorgt und gepflegt. Zum Teil werden die pflegenden Angehörigen dabei von ambulanten Pflegediensten unterstützt. Einige Kranke besuchen Tagespflegeeinrichtungen, in denen sie tagsüber betreut und aktiviert werden. Gleichzeitig werden die Angehörigen dadurch entlastet. Die befristete Unterbringung kann in Einrichtungen der Kurzzeitpflege erfolgen. Wenn die häusliche Betreuung nicht mehr möglich ist, können die Betreffenden in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Demenzkranke oder in einem Pflegeheim leben.

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