Köpfe
Dr. Richard Keßler - Landrat für
Neuburg-Schrobenhausen
In Zeiten stagnierender Wirtschaft, angespannter kommunaler Finanzlage, negativer
Schlagzeilen aus Politik und Gewerbe, wollte brennessel wissen, mit welchen Visionen
und vor allem mit welchem Alltagsgeschäft so ein Landrat von Neuburg-Schrobenhausen
zu tun hat. Was viele Leser und auch zum Teil wir nicht genau wissen: Wie wird man
Landrat und was macht der eigentlich... - das wollen wir mit diesem Interview klären.
Das Amt des Landrats
..hat eine zentrale Funktion und ist das Amt für alle Themen, die den Landkreis
Neuburg-Schrobenhausen betreffen, wie z.B. Naturschutz, Wirtschaftsförderung,
Schulwesen, Abfallwirtschaft, Sicherheit, Recht/Ordnung, Krankenversorgung etc.
Der Landrat wie auch das Landratsamt wird tätig, wenn die Zuständigkeiten über
die Grenzen der Gemeinden hinausgehen. Sich selbst bezeichnet Dr. Keßler als
guter Freund und Berater aller Bürgermeister des Landkreises, wenn es um Fragen
wirtschaftlicher, kultureller oder sozialer Natur geht. Als Leiter der Unteren Staatsbehörde
und Leiter der Selbstverwaltungskörperschaft Landkreis und Vorsitzender des
Kreistages übt Keßler jedoch eine Doppelfunktion aus - dieser Umstand
macht das Arbeiten nicht immer einfach - Kompromisse sind wohl an der Tagesordnung.
Am Beispiel des Schulwesens wird es deutlich: Die Städte und Gemeinden sind
zuständig für Kindergärten, Grund- und Hauptschulen, das Landratsamt
bzw. der Landkreis für Gymnasien, Real- und Förderschulen. Deshalb verwundert
nicht, wenn des Landrats erste Aussage lautete: “Wir sind das zentrale Amt
für den Landkreis. Der Landrat wird alle sechs Jahre gewählt und Dr. Keßler
befindet sich mittlerweile in seiner vierten Amtszeit - das macht nach Adam Riese
19 Jahre. Da steht nächstes Jahr ein rundes Jubiläum ins Haus.
..über Steckenpferde
Hat sich Dr. Richard Keßler in der jüngsten Vergangenheit mit Projekten
wie dem Gründerzentrum Kreut und der Konversion der Tilly-Kaserne, das zur
Förderung junger Unternehmer ins Leben gerufen wurde und überdurchschnittlich
gut belegt ist, der Umweltbildungsstätte Haus im Moos und des Modellprojektes
Geriatrie mit 100 Betten hervorgetan, so ist das ‘Auenprojekt’ eines
der neuen Steckenpferde. Die Renaturierung des Auwaldes zwischen Ingolstadt und
Neuburg ist bundesweit eines der größten Umweltschutzvorhaben. Alles
in allem sollen in das Auenprojekt etwa neun Mio. Euro investiert werden, die vor
allem vom Freistaat Bayern und der EU kommen. Die sukzessive Umsetzung dieses Projektes
ist nicht zuletzt auf die Hartnäckigkeit des Neuburger Landrats zurückzuführen,
der seit 1995 für das Auenprojekt kämpft. Dieses besteht aus zwei Teilen:
Für die Staustufe Bergheim soll ein neuer Umgehungsbach geschaffen werden.
Das Gewässer fließt auf der Südseite durch den Auwald und mündet
auf Höhe der Alten Donau bei Weichering wieder in den Fluss. Die Naturschützer
können sich in Zukunft über neue Lebensräume einer Vielzahl von Tier-
und Pflanzenarten freuen. Der zweite Akzent liegt bei der Hochwasser-Prävention.
Ab einer bestimmten Hochwassermenge soll an einem Überlaufwehr Donauwasser
ausgeleitet werden. Besiedelte Gebiete werden so in Zukunft vor Hochwasserschäden
verschont bleiben. Das ‘Auenprojekt’ ist ein weiterer Beweis dafür,
dass es sich lohnt hartnäckig langfristige Ziele zu verfolgen. Denn so sieht
Keßler seine Aufgabe - und nur darin liegt der Erfolg und in gleicher Weise
auch die Vision des Landrats ‘Verantwortung für die Heimat zu leben;
nachhaltige Politik für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises
umzusetzen’.
Laufende Konzeptionen
..sind das Donaumoosprojekt ‘Haus im Moos’ und das Donauentwicklungskonzept,
die eigenständige Fachoberschule, die sich im 2. Jahr seit Gründung befindet,
die Neuordnung des Berufsschulwesens mit Schaffung von Kompetenzzentren und der
bevorstehende Abschluss der Schlosssanierung, die ihren Höhepunkt in der 2005
stattfindenden Landesausstellung des Freistaates Bayern zur Gründung des Fürstentums
Pfalz-Neuburg erlebt.
Wir hoffen, dass brennessel ein bisschen Klarheit über die Aufgabengebiete
und die Funktion eines Landrates vermitteln konnte. Wir bedanken uns bei Landrat
Dr. Richard Keßler für die Zeit, die er uns trotz seines überquellenden
Terminkalenders zur Verfügung stellte.