Bischof Dr. Walter Mixa - “Der Wächter auf dem Turm”
Das wissen nicht viele. Der Titel Bischof
kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: “Der Wächter auf dem Turm”.
Das und viel mehr lernt der Laie, wenn er mit dem Bischof der Diözese Eichstätt
zusammentrifft. Bischof Mixa ist seit 1996 mit dieser Aufgabe betraut und für
unsere Weihnachtsausgabe natürlich ‘unser Kopf im Dezember’.
Bischof werden ist nicht schwer...
“Die Position des Bischofs habe ich mir nicht herausgesucht
- ich wurde dazu berufen. Hierzu werden Vorschläge zu einer Bischofsberufung
von Priestern oder Laienchristen gemacht, die hernach vom Nuntius, dem Abgesandten
des Papstes, eingehend geprüft werden. Dieser sondiert die unterschiedlichen
Eingaben und Beurteilungen, schickt das alles nach Rom. Hier gelangt es in die
Kongregation der Bischofsernennung. Ein Kreis von Kardinälen und Bischöfen
bestimmt den Ponens, der die Kandidaten anhand der vorliegenden Informationen
vorstellt. So wurde auch ich zum Nuntius eingeladen, der mich fragte, ob ich
die Position des Diözesanbischofs übernehmen möchte, was ich
damals bejahte und Anfang 1996 mein neues Aufgabengebiet übernahm.
Einer solchen Berufung muss naturgemäß ein ‘beruflicher’
Werdegang vorausgehen. Ich war 20 1/2 Jahre lang Stadtpfarrer in Schrobenhausen
und 21 Jahre lang Regionaldekan für die Region Altbayern mit den beiden
Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen. Dazu möchte ich gerne
anfügen, dass die Erfahrungen, die ich in meiner Funktion als Stadtpfarrer
und Regionaldekan insbesondere in der Seelsorge machen konnte, mir heute in
Eichstätt viel nützen. Dafür bin ich sehr dankbar.”
Drei große Aufgabenbereiche...
“Meine Arbeit als Bischof basiert auf drei Aufgabengebiete.
Eine dieser Aufgaben ist es, mich in missionarischer und bekennender Weise für
den Wert unseres Glaubens einzusetzen. Ich suche das Gespräch mit Kindern,
Jugendlichen und unterschiedlichen Erwachsenengruppen. Außerdem führe
ich regelmäßig Visitationen in unseren 287 Pfarreien des Bistums
durch. Diese dauern in der Regel jeweils ein bis zwei Tage. Auch hier steht
das Gespräch mit den Pfarrern und den verschiedenen Gruppierungen im Vordergrund.
Oberste Prämisse bei meinen Besuchen und Gottesdiensten ist es, die Gläubigen
in ihrem Glauben und in ihrer Lebensbewältigung zu bestärken.
Die zweite große Aufgabe, die mich punktuell stark fordert, ist die Katholische
Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie ist die einzige Katholische
Universität im deutschsprachigen Raum mit insgesamt sieben Fakultäten.
Als Diözesanbischof und magnus cancellarius bin ich u.a. für das Gelingen
des universitären Lebens verantwortlich und kümmere mich um Fragen
zur Verbesserung der Infrastruktur in der Universität und trage somit zur
insgesamten Verbesserung der Gegebenheiten bei. Schön ist es natürlich,
dass die Universität in den nationalen Bewertungen ein so hohes Ranking
einnimmt und dass diese Daten auf unabhängigen Untersuchungen, zu Neudeutsch
Evaluationen, basieren. So verwundert es nicht, dass mit 4.800 Personen auch
für das Studienjahr ‘04/’05 ein Zuwachs an Studenten erzielt
wurde. Die größte Herausforderung ist jedoch die Umsetzung der Sparmaßnahmen,
die uns in diesen Zeiten so stark beschäftigt, ohne dabei an Qualität
und Quantität der studienspezifischen Gewerke zu verlieren.
Der dritte Aufgabenbereich für mich als Bischof ist seit
4 1/2 Jahren meine Tätigkeit als Militärbischof in der katholischen
Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Hierbei werde ich z.B noch im November
einige Standorte im Raum Düsseldorf besuchen. Außerdem habe ich in
dieser Funktion bereits mehrere Auslandsaufenthalte in Krisenregionen hinter
mir. U.a. war ich in einem Feldlager in Kabul und schlief dort sogar zusammen
mit den Soldaten in deren Unterkünfte. Die Besuche und Gespräche mit
den Soldaten erfüllen mich mit großer Dankbarkeit, denn nur ein knapp
ein Drittel der deutschen Truppen sind katholisch. Jedoch suchen auch evangelische
und konfessionslose Soldaten das Gespräch, was mich sehr freut. In diesen
Gesprächen diskutieren wir über Fragen nach dem Sinn des Lebens wie
über die Bedeutung von Krieg und Frieden gerade vor dem Hintergrund ethischer
Beurteilungen. Der Umgang mit der Politik zu diesem Thema gestaltet sich häufig
als schwierig. Als Militärbischof treffe ich natürlich mit den Bundestagsabgeordneten
und auch mit Vertretern des Verteidigungsministeriums zusammen und es gibt mit
diesen Personen einen regen Austausch über sehr vielfältige Themen,
die sich um das Militär spannen. Jedoch habe ich manchmal den Eindruck,
dass die Probleme der Soldaten in der Öffentlichkeit nicht ernst genommen
werden. Insbesondere geht es hier um Einstellungen zum Krieg oder zur Rechtfertigung
eines selben. In diesem Zuge habe ich mich bereits desöfteren gegen einen
Krieg der USA ohne UN-Mandat ausgesprochen. Der Angriff auf den Irak war unrechtmäßig,
was dann auch die Beweislage klar erbrachte. Genauso war ich gegen ein flächendeckendes
Bombardement in Afghanistan, bei dem auf einen Schlag mehrere Menschen ums Leben
kamen, wie z.B. bei dem Terroranschlag auf das World Trade Center. Vor allem
aber traf dieses Bombardement auch Frauen Kinder und alte wie gebrechliche Menschen!”
Wie kommt der Bischof mit dem Bistum Eichstätt klar?
“In Eichstätt habe ich es ja mit vier Volksstämmen
zu tun. Da sind die Schwaben, die Altbayern, die Oberpfälzer und die Oberbayern.
Das sind vier Volksstämme mit unterschiedlicher Geschichte und daraus resultierend
auch unterschiedlichen Mentalitäten. Dazu kommt, dass es keinesfalls so
ist, dass in diesen Gebieten ausschließlich Katholiken beheimatet sind.
Teilweise haben wir Dörfer, z.B. in Mittelfranken, die nahezu rein protestantisch
sind und umgekehrt. Im Süden Nürnbergs gibt es Gebiete des Bistums,
in denen ein sehr hoher Ausländeranteil von um die 50 % zu Buche schlägt.
Es macht also keinen Sinn hier nur rein katholisch zu denken und zu handeln,
sondern viel eher zu versuchen, Volksgruppen miteinander ins Gespräch zu
bringen und somit für einen Ausgleich unter den Menschen zu sorgen. In
Eichstätt selbst fühle ich mich sehr wohl und habe viele neue Freunde
und Helfer gefunden. Bei meiner wenigen Freizeit, die ich habe, bin ich gerne
mit meinem Hund an der Altmühl spazieren und genieße die wunderbare
Natur des Altmühltals. Doch auch Schrobenhausen bin ich sehr verbunden
und fragt man mich nach Heimatgefühlen, so sehe ich die gesamte Region
mit seinen wunderbaren Einzigartigkeiten als Heimat an.”
Weihnachtsgruß von Bischof Mixa
“Ein Weihnachtsgruß gerade in der Weise sollte
uns in der gegenwärtigen Zeit schon vom Inhalt her bedeutend sein, dass
wir bei aller Toleranz als Christen gegenüber anderen Kulturen und anderen
Religionen die eigene Überzeugung nicht verleugnen. Wir sollten nicht in
einen Toleranztaumel verfallen. Denn schließlich ist es im Gegensatz zu
anderen Weltreligionen die Aussage, dass Gott als Schöpfer des gesamten
Universums in der Sprache der Liebe nicht in einer für uns unerreichbaren
Distanz geblieben ist, sondern dass Gott durch die Menschwerdung seines Sohnes
sich radikal auf die Seite von uns Menschen gestellt hat. Und das gerade vor
dem Hintergrund von Leid, Krankheit und Krieg sich Gott durch die Menschwerdung
seines Sohnes buchstäblich mit dem Dreck dieser Erde, mit unserem Blut
und unseren Tränen unwiderruflich verbunden hat. Das Kind in der Krippe
ist das sehr menschliche Herz Gottes, das in einem jeden von uns schlägt.
Es soll uns eine Stütze sein und verkündet die Botschaft, dass wir
niemals allein sind und dass wir von Gott in unseren menschlichen Höhen
und Tiefen getragen sind. Denn am Ende eines Lebens steht nicht Tod und Leid,
sondern viel eher die Hoffnung und die Gewißheit, dass unsere innerste
Sehnsucht nach Friede, Beheimatung und Liebe im Glauben an Gott erfüllt
wird.”