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Josef Beyrer: Stadtpfarrer von St. Jakob in Schrobenhausen
Neuburg, 19.09.2018 - 10:37 Uhr
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Josef Beyrer: Stadtpfarrer von St. Jakob in Schrobenhausen

Sie wurden 1963 in Kempten/Allgäu geboren. Was hat Sie nach Schrobenhausen geführt?
Der Wunsch des Bischofs! Von 1988 bis 1991 war ich hier schon Kaplan, kam dann nach Kaufbeuren und übernahm später als Pfarrer die Gemeinden Rieden und Zellerberg. Als der damalige Stadtpfarrer Dr. Mixa zum Bischof von Eichstätt berufen wurde, war seine Stelle vakant und es war wohl der Wunsch von Dr. Mixa und dem Augsburger Bischof, dass ich diese Pfarrei hier übernehme.

Wie groß ist sie?

Wir haben etwa 7500 Katholiken und viele Einrichtungen: Es sind alle Schulen am Ort; es gibt das Kreiskrankenhaus, die Altenheime, ein Kinder- und Jugendhilfezentrum, dazu kommen die ganz normalen täglichen Verrichtungen im Religionsunterricht, die seelsorgerischen Tätigkeiten wie Messfeiern, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, sowie Verwaltungsarbeit, Personal- und Finanzwesen. Es ist also immer was zu tun.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Beruf gekommen?

In meiner Verwandtschaft gab es Männer, die Pfarrer, sowie Frauen, die Ordensschwestern geworden sind. Der Gedanke war mir also nicht völlig fremd. Während meiner Gymnasialzeit in Kempten habe ich das Studienseminar besucht, eine Art Knabeninternat, aus dem immer wieder einige spätere Priester hervorgegangen sind. So habe ich mir in der Oberstufe, also 12./13. Klasse näher überlegt, ob das für mich was wäre. Das, was man Berufung nennt, klärt sich im Laufe von vielen Jahren im Priesterseminar.

Sie haben jeden Tag mit vielen Menschen zu tun, mit jungen und alten, gesunden und kranken. Überall gibt es Aggressionen und Konflikte. Wie sehen Sie die Stimmung in der jetzigen Zeit?

Ich glaube, dass mittlerweile in unserer Gesellschaft einigermaßen die Einsicht vorhanden ist, dass ein Fortschritt im rein quantitativen Bereich – immer mehr, immer größer – keine lebenswerte Zukunft bringt, auch was die ganze ökologische Dimension anbelangt. Die verständliche Nachkriegsmaxime „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ war schon gut gemeint, aber ging wohl mehr auf Quantität als auf Qualität! Ich denke, dass viel mehr die Qualität in den Vordergrund gerückt werden muss. Ich erlebe es bei manchen Gesprächen mit Arbeitnehmern, die sagen: „Ich liebe meinen Job, aber ich bin jetzt 57, 58 Jahre alt und dem Stress nicht mehr so gewachsen. Ich wäre froh, wenn ich ein bisschen langsamer arbeiten könnte, aber es geht nicht, denn sonst riskiere ich meinen Job!“ Und auf der anderen Seite haben wir junge Leute, die oft verzweifelt eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz suchen. Ich glaube, dass die Lebensqualität wieder mehr beachtet werden muss.
Ich stelle auch fest, dass im Bereich der Erziehung noch einiges getan werden muss. Ich sehe es als Religionslehrer schon mit gewisser Skepsis, wenn immer mehr Erziehungsaufgaben an die Schule abgegeben werden sollen. Da gab es sicherlich noch einige Möglichkeiten, die noch nicht ganz ausgeschöpft waren, aber Institutionen wie die Schule können nicht die Haupt- und Eigenverantwortung der Eltern übernehmen. Und da glaube ich, liegt in den Familien als Kernzelle der Gesellschaft, die ich jetzt nicht rosarot malen will, sondern als etwas Lebendiges mit Auf und Ab, schon noch ein größeres Potential. Das fängt oft bei winzigen Kleinigkeiten an. Ich sag es mal etwas provokativ: „Wenn die Mutti in der Früh zum Schminken länger braucht, als zum Nachschauen, ob ihr Grundschulkind ausreichend gefrühstückt und sich die Zähne geputzt hat und keine unnötigen Dinge im Schulranzen mitschleppt, dann stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht mehr!

Sie glauben also, dass der bisherige Weg in Richtung „immer mehr“ schädlich für unsere Gesellschaft ist?

Sie ist schädlich für die Menschen, weil sie diese Beschleunigung selber gar nicht mehr aushalten. Die technische Entwicklung wird immer schneller, aber der Mensch bleibt im Wesentlichen ja derselbe. Er ändert sich nicht viel in einem Jahrtausend. Die Sorgen und Fragen bleiben die gleichen. Für ihn ist ein Streit in der Partnerschaft oder die Erziehung der Kinder ein großes Problem. Der Rahmen ändert sich natürlich ganz stark, das ist keine Frage, aber die Inhalte bleiben im Wesentlichen die gleichen. Wenn sich das Drumherum mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit ändert, dann ist die Frage: „Wie wirkt sich das auf den Menschen aus, der sich eben nicht so schnell ändert? Aber Sinnfragen - wie z.B. „Wo geht mein Leben hin, wenn ich älter werde? Wie verbringe ich mein Alter? Was sind eigentlich meine Ziele, wenn sich die körperlichen Möglichkeiten vielleicht etwas einschränken? – die sind heute genauso wichtig wie früher.

Was sind Ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Dass viele Menschen erkennen, dass das Leben mit Gott nicht schwieriger wird, sondern es in ganz vielen Bereichen dadurch gewinnt. Bei der Taufe versprechen die Eltern, ihre Kinder im Glauben zu erziehen. Der Wille ist also da, aber das Können fehlt, ihn auch vorzuleben, denn nur dadurch kann man ihn an seine Kinder weitergeben. Es fehlt an Glaubenserfahrung und Glaubenswissen. Viele Erwachsene sind hier auf dem Niveau eines Grundschülers stehen geblieben. Deshalb wird auch oft nicht hinterfragt, was manche Magazine im Bereich kirchliche Themen abdrucken. Um dies kritisch zu beleuchten, fehlt einfach das eigene Wissen.

Die Menschen sollten sich also mehr mit dem Thema Kirche/Glauben beschäftigen?

Deswegen muss man ja nicht zweigleisig laufen. Das Menschsein verläuft nicht auf einer Spur und parallel dazu auf einem anderen Gleis das Christ-Sein, sondern es soll vollkommen ineinander verwoben sein. Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe sollen zu unserem täglichen Leben gehören. Der Glaube wird nicht vor Schwierigkeiten bewahren, aber er hilft uns, unser Leben gut zu bewältigen.

Jetzt kommen bald die schönsten Momente des Jahres, die Advents- und Weihnachtszeit. Was können Sie unseren Lesern empfehlen?

Für die meisten – auch für den Pfarrer – ist es eine besonders stressige Zeit. Ich rate daher, nicht jede angebotene Aktivität und Aktion mitzumachen, sondern bewusst auszuwählen, was einem geistlich-spirituell weiterbringt in Vorbereitung auf ein stimmungsvolles Weihnachtsfest.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche?

Global gesehen wird sie ihren Schwerpunkt weg von Europa nach Südamerika verlagern. Ich nehme an, dass der nächste oder übernächste Papst ein Südamerikaner sein wird. In Deutschland werden die Gemeinden zahlenmäßig zu kleineren Kerngemeinden schrumpfen, die aber wieder an „Leuchtkraft“ gewinnen werden. In den nächsten Jahrzehnten wird die Kirche nicht mehr alle Aufgaben – auch im sozialen Bereich - so erfüllen können, wie es momentan mit hohem Aufwand geschieht. Mehr Profilierung wird notwendig sein, z.B. Was zeichnet einen kirchlichen Kindergarten als kirchlichen Kindergarten aus? Nicht nur das Türschild....! Trotz Profilierung soll die Kirche aber immer noch Kontaktmöglichkeiten auch jenen bieten, die nur noch an Weihnachten, bei Taufen und Beerdigungen mit der Kirche in Berührung kommen.

Was wünschen Sie unseren Lesern?

Dass sie ein schönes Weihnachtsfest verbringen und wenn sie an Gott glauben, dass sie den Glauben als Geschenk auch im Alltag erfahren. Dann wünsche ich, dass jeder ein wenig Freude erlebt, die ihm ein anderer Mensch macht und auch er selbst anderen eine Freude bereitet. Ich bin gerade dabei alten, kranken Menschen die Krankenkommunion zu bringen und auf einem kleinen Blättchen, das ich ihnen zum Lesen gebe, steht: „Einen Menschen lieben, heißt Zeit für ihn haben“. Deshalb wünsche ich allen, dass jeder Zeit für sich und für andere findet!

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