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Großes Theater auf kleiner Bühne
Neuburg, 07.07.2020 - 04:22 Uhr
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Großes Theater auf kleiner Bühne

Sonderausstellung im Museum im Pflegschloss, Schrobenhausen: Marionetten aus Böhmen aus der Sammlung: Anita und Hartmut Naefe

Sie sind stumm, aus Holz, Pappe, Textil und Gips, und doch voller Leben: Marionetten.

Die magische Ausstrahlung des Marionettenspiels fesselt mit grotesker Komik und herzhaftem Humor bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die traditionsreiche Geschichte des Marionettenspiels, das in Böhmen bis heute lebendig blieb, wird in einer facettenreichen Sonderschau zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Die Tradition der wandernden Puppenspieler reicht in Böhmen bis in das ausgehende Mittelalter zurück und gewann seit dem 17. Jahrhundert zunehmend an Popularität. Zunächst zogen Puppentheater-Gesellschaften aus deutschen Landen, aus England und Italien von Dorf zu Dorf, doch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tauchten zunehmend auch in tschechischer Sprache spielende Wanderpuppenspieler auf.

Die fahrenden Künstler spielten in erster Linie für Erwachsene und ihr Repertoire setzte sich aus dramatischen Stoffen zusammen, die ursprünglich für menschliche Schauspieler geschrieben worden waren. Als Quelle dienten die Klassiker der Literatur und der Oper sowie der Comedia dell´arte. Zu den ältesten und beliebtesten Stücken zählen „Doktor Faustus“ und „Don Juan“.
Das Figurenrepertoire umfasst die klassischen Charaktere wie Königin, König, Großvater und Großmutter, aber auch mystische Figuren wie Tod, Teufel und Zauberer. Das böhmische Puppentheater hatte schon bald seine Serienhelden. Zum einen den Kasperl (tschechisch: Kašpárek), der sich allein durch sein loses Mundwerk von den übrigen Figuren absetzte, daneben Vater Spejbl und Sohn Hurvinek, Erfindungen des Puppenspielers Josef Skupa, die klassische Generationenkonflikte miteinander austrugen.

Die Ausstellung zeigt mehr als 200 historische Marionetten sowie Originalbühnen und Requisiten aus der Sammlung von Anita und Hartmut Naefe. In der Zeit zwischen 1850 und 1950 entstanden beweisen, die bis zu 80 cm großen Puppen und kompletten kleinen Theaterbühnen die Vielseitigkeit der böhmischen Marionettenkunst. Von Holzschnitzern wurden Puppen anfangs als Unikate in aufwändiger Handarbeit gefertigt und mit phantasievollen Kostümen versehen.

Marionetten aus Böhmen

Große Bühnen wurden meist in Gasthöfen oder im Freien aufgebaut, die mittlere Bühnengröße diente als Tischbühne für pädagogische Stücke, die überwiegend mit Schulen zur Aufführung kamen. Die kleineren Privattheater hatten mit ihren zierlichen Figuren Platz bei begüterten Familien.

Dauer der Ausstellung: 10. Dezember 2006 bis 4. Februar 2007
Öffnungszeiten: Mi, Sa, So 14 – 16 Uhr; für Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten, auf Anfrage
Kontakt: Tel: 08252 / 90 98 50 und 08252 / 90-213
e-Mail: pflegschloss@schrobenhausen.de

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