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Johannes de Fallois - ev. Pfarrer der Apostelkirche Neuburg
Neuburg, 19.01.2019 - 09:53 Uhr
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Johannes de Fallois - ev. Pfarrer der Apostelkirche Neuburg

Privates: stammt aus dem Fränkischen, war vorher in Bamberg tätig, arbeitet seit 9 Jahren für die Apostelkirche in Neuburg, ist verheiratet mit der Pfarrerin Dr. Anne Stempel – de Fallois, beide teilen sich die Pfarrstelle, Ehefrau derzeit in Elternzeit, wird im nächsten Sommer wieder einsteigen, vier Kinder, davon eines im Alter von 9 Monaten verstorben.

Momentan spricht alles von der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Wie sieht die Kirche dieses Problem?
Die Kirche ist da für Menschen, die gerade ihr Geld verloren haben oder jetzt in Sorge um ihren Arbeitsplatz sind. Wenn Menschen große, existenzielle Sorgen haben, führt ihr Weg oft zur Kirche. Man weiß ja nicht, wie weit sich das Ganze noch verschärfen wird in der Autoindustrie und bei den Zulieferfirmen. Davon wären dann auch unsere Gemeindemitglieder betroffen. Aber ich hoffe, dass es für unsere Region nicht ganz so schlimm wird.

Die ganze Welt scheint jetzt ins Wanken zu geraten?
Die Welt war vorher schon nicht stabil und das haben viele gewusst. Man denke nur an die Krise im Hightech-Bereich vor einigen Jahren. Jetzt ist mit der Immobilienkrise in den USA das Kartenhaus der „Finanzierung auf Pump“ eingefallen. Plötzlich merken wir, welche Abhängigkeiten wir haben, die auch uns in den Strudel mitreißen können.

In 50er/60er Jahren hatten wir auch ständiges Wachstum und Kapitalismus. Konnten die Menschen damals besser damit umgehen?
Den heutigen Wohlstand kann man nicht mit dem Lebensstandard in den 50er und 60er Jahren vergleichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die ganze Welt lag danieder. Die Messlatte war ganz unten. Es herrschte eine Aufbruchstimmung mit Perspektive nach oben. Bis zur ersten Ölkrise in den 70er Jahren gab es ja kontinuierliche Steigerungen. Jetzt ist der Lebensstandard schon etwas überzeichnet. Er wird sich wieder auf normalem Niveau einpendeln müssen.

Wie reagieren die Menschen in Ihrer Kirchengemeinde auf die derzeitige Situation?
Ich hoffe, dass sie besonnen sind und jetzt nicht in Panik geraten, egal ob sie schlecht beraten wurden oder selber schlecht entschieden haben und ihre Existenz oder Altersvorsorge damit gefährdeten. Das ist schlimm für den Einzelnen, aber auch sehr heilsam für uns alle. Die Erfahrung zeigt nun: Man soll sich nicht nur von hohen Gewinnen leiten lassen.

Ob Börsianer, Bänker, Zocker oder unschuldig Geschädigte. Wir sind doch alles Gotteskinder?
Da gibt es für mich eine eindeutige Aussage - die 10 Gebote! Das erste lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Ich habe den Eindruck, dass Menschen stattdessen oft andere Dinge vergöttern wie z.B. die Kapital- und Aktienmärkte, Gewinnmaximierung und die Umsatzzahlen. Es ist gefährlich, ein Leben nur an Kursen, Renditen, Geld oder Äußerlichkeiten zu orientieren. Das ist nicht gut für uns Menschen. Es gibt andere Dinge, die viel wichtiger sind. Ich denke, auch in der jetzigen Weltwirtschaftskrise tut Gottvertrauen gut. Ich bin jedenfalls ganz zuversichtlich, dass es in einem Jahr wieder viel positiver aussieht.

Denken die Menschen nur an Gott, wenn sie krank sind oder Probleme haben?
Die Menschen beten in der Regel meistens in Notsituationen. Lob und Dank kommen ganz selten vor, vielleicht bei der Geburt eines Kindes oder in größten Glücksmomenten. Aber zu einem lebendigen Kontakt mit Gott gehört mehr: Man muss sein ganzes Leben danach ausrichten. Beim Nachtgebet mit unseren Kindern fragen wir ja auch: „Was war schön an diesem Tag!“, und danken dafür. Oder was war nicht so schön und bitten dann, dass es anders wird. Beten ist reden mit Gott! Ich bin ganz fest davon überzeugt: Gott erfährt jedes Gebet. Aber er wird nicht jedes so „erhören“, wie wir es gerne hätten. Meine Schüler fragen: „Darf ich für eine gute Note in Mathe beten?“ Ich sage dann: „Du kannst darum beten, dass Gott dir die Kraft und Konzentration schenkt, damit du die Mathearbeit gut bestehst. Aber du kannst ihn nicht um eine gute Note bitten, wenn du überhaupt nicht gelernt hast.“

Glauben Sie, dass die Menschheit „böser“ geworden ist?
Nein. Die Menschen waren noch nie besser oder schlechter. Wir sind eben Menschen mit all unseren Fehlern und auch all unseren Vorzügen. Martin Luther sagte einmal: „Ihr habt die Freiheit eines Christenmenschen!“ Wir können selbst entscheiden, ob wir Gutes oder Schlechtes tun! Man darf Gott nicht für das verantwortlich machen, was wir Menschen nicht gut machen.

Bald kommt die schönste und stimmungsvollste Zeit, die Advents- und Weihnachtszeit. Was empfehlen Sie den Menschen in unserer Region?
Weihnachten ist ein wunderbares Fest. Auch ich freue mich darauf, mit unseren drei Kindern vor dem Christbaum zu stehen. Der Advent ist eigentlich eine Bußzeit, eine „stade Zeit“; bei uns sind diese vier Wochen jedoch so laut wie nie. Bei all dem Kommerz, vorweihnachtlichem Remmidemmi und dem in Neuburg ausgebrochenen „Engelwahn“ soll man nicht vergessen: Die 4-wöchige Adventszeit ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf die Ankunft (lateinisch: adventus) des Gottessohnes Jesus Christus, dessen Geburt und Menschwerdung wir an Weihnachten feiern. Gott kam vom Himmel ganz tief herunter in unsere Welt, in die Krippe eines Stalles, klein, hilflos, verletzlich, um auch jene Menschen zu erreichen, die ganz unten in unserer Gesellschaft sind. Das ist etwas ganz Tröstliches und Großartiges. Wenn man sich das mal überlegt, vielleicht wird dann Weihnachten ein klein wenig bescheidener gefeiert. Oder ist Weihnachten nur noch dafür da, dass man Geschenke unter den Christbaum legt oder findet?

Hat sich das Weihnachtsfest in ein Konsumfest verwandelt?
Ich will nicht kritisieren, dass viele Sachen gekauft werden. Die Wirtschaft braucht das Weihnachtsgeschäft, denn es bringt ¼ des Jahresumsatzes. Das gönne ich allen und ich freue mich auch, wenn ich etwas geschenkt bekomme. Ich finde es aber schade, dass der Advent nicht mehr als besinnliche Vorbereitungszeit wahrgenommen wird, in der man sich und anderen Zeit schenkt, und dass Weihnachten bei vielen schon am Hl. Abend um 24 Uhr vorbei ist, weil man dann zur Party oder in die Kneipe geht. Liturgisch gesehen ist Weihnachten erst am 1. und 2. Weihnachtstag.

Am Hl. Abend sind die Kirchen proppenvoll. Da sieht man viele, die sich das ganze Jahr über nie blicken lassen.
Ich freue mich immer, wenn die Kirche voll ist. Die Menschen sehnen sich zunehmend nach Spiritualität. Das Thema „Engel“ ist in aller Munde. Die Klöster sind voll von meditationsinteressierten und -willigen Menschen. Advent und Weihnachten bieten viele gute Möglichkeiten zur Glaubenserfahrung, z.B. die ganz bewusst meditativen Adventsandachten bei Kerzenlicht, die sehr gut angenommen werden. Auch der Gottesdienst am 24. Dezember gehört für die allermeisten Menschen dazu. Ich denke, gerade am besinnlichen Hl. Abend sehnen sich viele Menschen nach Geborgenheit.... und Gott kam auf die Welt, um sie zu bergen in seiner Liebe und seiner Nähe.

Was wünschen Sie unseren Lesern?
Dass sie etwas von dem Licht spüren, das mit dem Kind in der Krippe auf die Welt gekommen ist. Dass jeder einzelne dieses Licht in seiner persönlichen Dunkelheit aus Sorgen, Ängsten und Zweifeln spürt. Dass jeder an Weihnachten merkt, wie nahe ihm Gott ist und dieses Vertrauen mit ins neue Jahr nimmt.

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