Thomas Rein - Pfarrer in Pöttmes
An Weihnachten feiern Christen die Geburt und Menschwerdung Jesu Christus, der in einer Krippe in Bethlehem zur Welt kam. Als Pfarrer Thomas Rein an einem Dezembertag im Jahre 2008 seine Kirche in Pöttmes betrat, fühlte er sich wie an Weihnachten: In der Krippe vorm Altar lag ein neugeborener Junge! Das Ereignis machte bundesweit Schlagzeilen.
Herr Pfarrer Rein, eine verzweifelte Rumänin hatte ihn damals in der Kirche ausgesetzt, damit er schnell gefunden werde. Wie geht es dem Kind heute?
Der Bub ist behindert, wird aber sehr gefördert. Er ist in einer sehr guten Pflegefamilie in der Region untergebracht. Es war letztlich sein Glück, dass er hier bleiben konnte.
Wie lange sind sie schon als Pfarrer in Pöttmes tätig?
Seit 10 Jahren! Ich betreue die Pfarreiengemeinschaft Pöttmes, wozu auch die Pfarreien Grimolzhausen, Schorn, Schnellmannskreuth und Handzell gehören.
Wie kamen Sie auf die Idee, Pfarrer werden zu wollen?
Meine Eltern sind Messner in Neuburg-Ried, wo ich auch aufgewachsen bin. Meine Tante ist Pfarrfrau und ich war von klein auf Ministrant. Von daher war ich immer in Kontakt mit der Kirche, mit Pfarrern und Kaplänen. Der Wunsch Priester zu werden, ist langsam gewachsen und hat sich dann konkretisiert.
Wie sind Sie nach Pöttmes gekommen?
Zuerst war ich zwei Jahre Kaplan in Gersthofen, dann drei Jahre in Kaufbeuren-Neugablonz. Als die Pfarrerstelle in Pöttmes frei wurde, habe ich mich darum beworben. Der Baron im Schloss hat als Patronatsherr einen Pfarrer ausgesucht. Das war ich. So führte mein Weg nach Pöttmes und mittlerweile bin ich schon 10 Jahre da.
Wie läuft es in der Pfarrgemeinde?
Die Zusammenarbeit in unserer Pfarreiengemeinschaft ist sehr gut. Es ist ein gutes Miteinander. Und weil ich aus der Region bin, ist mir auch die Mentalität nicht fremd.
Jetzt ein paar Fragen über Gott und die Welt. Was meinen Sie, hält ER von uns, wenn er sieht, dass jeden Tag irgend etwas Schlechtes und Schlimmes auf der Welt passiert?
Er schaut die Welt nicht nur von außen an - so wie wir uns das manchmal vorstellen - und denkt sich: Was machen die Menschen nur aus meiner Welt! Nein, er ist selber in diese Welt gekommen! Jesus hat uns vorgelebt, wie wir es hier richtig machen sollen. Er hat uns Gebote gegeben, hat uns Mut und Hoffnung gemacht. Wir müssen uns, unser Gewissen fragen: Was kann ich tun, damit diese Welt besser wird? Damit kann jeder in seinem Bereich beginnen! Das Wichtigste, was zählt, ist die Liebe und die können wir leben.
Aber die Realität zeigt doch, dass der heutige Mensch hauptsächlich vom Profitdenken beeinflusst ist. Nur Geld und der eigene Vorteil zählen.
Ja, es macht schon nachdenklich und es ist bedrückend, dass oft nur das Geld zählt und Geld die Welt regiert. Zunehmend ist die Wirtschaft die alleinig bestimmende Macht. Da fühlt man sich als Einzelner recht hilflos. Aber wir können uns überlegen: Was zählt denn für mich im Leben? Alles, was das Leben wirklich reich macht, kann man nicht kaufen, sondern bekommt es geschenkt: das Leben selbst, liebe Menschen, der Zusammenhalt in der Familie, Freunde, Geborgenheit, Liebe...... Das Wichtigste ist, dass ich geliebt werde, auch von Gott. Viele wissen gar nicht mehr, was wir an Weihnachten feiern. Wenn Konsum alles ist in der Welt und im eigenen Leben, dann hat es keinen Inhalt mehr!
Was würden Sie unseren Mitbürgern für die Advents- und Weihnachtszeit raten?
Sie sollen innerlich zur Ruhe kommen. Ich glaube, dass dieses "Geschäftige" oft eigentlich nur Verdrängung ist. Man braucht keine Angst vor der Stille zu haben. Wir fallen nicht in ein tiefes Loch, wenn wir einmal zur Ruhe kommen. Wir schalten z.B. die Lichter während der Gottesdienste aus und zünden Kerzen an, damit man die Dunkelheit einmal bewusst wahr nimmt. So kann man eher meditieren, sich mit seinem Leben auseinandersetzen: Was ist in meinem Leben dunkel? Und was macht es wirklich hell? Nichts gegen Feiern und Aktivitäten, das gehört auch dazu, aber die andere Seite ist eben, dass ich in mich hineinhorche, meine wirklichen Bedürfnisse entdecke. Da ist z.B. die Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit usw. Der Advent ist eine Zeit der Vorbereitung und Erwartung. Und was haben wir daraus gemacht? Was erwarten wir noch?
Der ganze Advent- und Weihnachtsrummel geht ja schon im September los. So landen wir also wieder beim Konsum.
Wir leben in einer freien Welt. Jeder kann tun und lassen, was er will. Jeder hat die Freiheit zu entscheiden, was ihm wichtig ist und wofür er sich Zeit nimmt. Natürlich hat jeder berufliche und familiäre Verpflichtungen. Doch gerade in der Familie ist es wichtig, dass man füreinander Zeit hat, vor allem für die Kinder. Das weiß ich noch aus meiner eigenen Kindheit. Es war eine schöne Zeit, wenn die ganze Familie im Advent am Abend zusammen saß, die Kerzen am Adventskranz angezündet, etwas vorgelesen und mit einander gesungen und gebetet wurde.
Was wünschen Sie unseren Lesern in der Weihnachtszeit?
Dass sich jeder geliebt fühlt, in der Familie oder durch die Mitmenschen, aber dass sie auch erfahren, dass wir von Gott so geliebt werden, dass er sogar einer von uns wurde. Dass sie das Jesuskind und Gott neu entdecken. Das wünsche ich mir.