Your Story: TRÄUME
Die Landschaft sah genauso aus, wie
ich es mir immer gerne in Gedanken vorstellte. Der Himmel war klar und zarte
weiße, vom Wind leicht bewegte Wolken zierten das Dach der Welt. Das Tal lag
sattgrün vor meinen Füßen, umgeben von imposanten Bergen auf deren Spitzen vereinzelt
Schnee lag. Die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen gab dieser Umgebung das Aussehen
eines Paradieses.
Weit von mir entfernt fielen
ewig und unaufhörlich Wassermaßen von Felsen herab und verschwanden als Fluss
in der Landschaft. Da stand ich und atmete die ganze Natur in mich ein. Die
Luft war erfrischend klar. Hummeln, Bienen und Schmetterlinge flogen scheinbar
ziellos umher und ich hörte Grillen zirpen. Mit den verschiedenen Stimmen der
Vögel, die sich durcheinander in der Luft bewegten oder auf den Baumästen saßen,
ergab die Wiese ein großes Orchester der besonderen Art. Ohne sich miteinander
abgesprochen zu haben, ertönte die Musik aus verschiedenen Klängen, die von
den Insekten natürlicherweise ausgeführt wurden und das ergab eine eigenartige
aber fröhliche Weise. Tief atmete ich durch und spürte eine Kraft in mir, von
der ich glaubte sie nicht zu haben. Gott oder das Wesen, dass ich für diese
Erschaffung verantwortlich hielt, drang in mich ein, durchströmte meinen Körper
und setzte sich in meinen Geist fest. Eine Welle der Glückseligkeit drang mir
in jede einzelne meiner tausend Lebenszellen.
Ich erwachte aus diesem Traum, wie immer war es zur frühen Morgenstunde. Konnten
nicht alle Träume so sein, indem eine schöne Landschaft und ein Naturorchester
vorkamen? Friedvoll und harmonisch. Träume, die den Menschen irgendwie kurze
Zeit glücklich machen, wo man im Inneren eine wollige Zufriedenheit noch nachspürt,
nachdem man schon erwacht war. Das kam leider viel zu selten vor. Meist träumt
man Dinge die sich im realen Leben abspielten und uns gerade besonders beschäftigten.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass wir in der Nacht unseren Datenmüll in
unserem kleinen Universum sortieren und Ballast von Brauchbaren trennten, oder
Erlebtes noch einmal durchfiltern. Andere wiederum meinen, dass die Träume einem
Wege aus verfahrenen und belastenden Gedanken deuten können. Ich glaube das
Beides ineinander verbunden zutrifft.
Die Träume zu deuten, ist ein etwas schwieriges Unterfangen. Die Analyse erweist
sich als schwierig, da die Inhalte der Träume sehr komplex sind. Hat auch der
Mond Einfluss auf unser Geträumtes? Ich begann den Mondzyklus genau zu studieren,
um zu sehen, inwiefern der Mond meinen Geist in der Nacht beeinflusste. Herausgekommen
ist ein erstaunliches Ergebnis. Tatsächlich sind meine Träume im Inhalt und
in der Art, bei den verschiedenen Mondständen, so verschieden und zugleich dem
Stand des Mondes angepasst, dass ich mich fragte, inwieweit lebt man eigentlich
sein Leben selbst. Sind wir wirklich so frei und unabhängig, wie wir oft glauben?
Oder sind wir einer anderen Macht unterworfen, ohne etwas davon zu wissen?
Schlaf und Traum gehören zusammen. Träume entfalten sich auch besser, wenn der
Schlaf ein gesunder ist. Meine Versuche, mich an meine Träume zu erinnern, waren
meist erfolgreich. Ich gab sehr viel auf die Bedeutung von Träumen und vor allem
auf das Gefühl, dass ich im Traum hatte. Heute vertraue ich meinen Träumen und
weiß sie zum größten Teil zu deuten. Ich versuche mich dann intuitiv danach
zu richten und auch neue, im Traum gezeigte Gefühle zu erkennen und zu beachten.
Wenn ich mich bei der Ausführung einer Änderung gut fühlte, so hatte der Traum
mit seinen aufgezeigten und verschüttenden Gefühlen mit Sicherheit recht. Träume
verraten unsere geheimsten Gefühle, sagen die einen. Die anderen halten Träume
schlicht für chaotische Entladungen in unserem Gehirn. Wissenschaftlich lässt
sich bislang weder das eine noch das andere hundertprozentig belegen. Als sicher
gilt, dass der Traumschlaf bei Kindern und Säuglingen wichtig für die Entwicklung
des Gehirns ist. Einige Studien zeigen, dass die Traumphasen entscheidend für
die Ablage von Informationen im Langzeitgedächtnis sind. Menschen, die vom Traumschlaf
abgehalten werden, haben deutliche Erinnerungslücken. Weiterhin löscht unser
Gehirn im Schlaf Erinnerungen, die nicht mehr benötigt werden oder unerwünscht
sind, dabei werden neue Daten auch gespeichert. Wir brauchen also unsere Träume,
um die Sinneseindrücke des Tages zu verarbeiten und um Ordnung in unserem kleinen
Universum zu schaffen.
Der REMschlaf ist vor allem für die Regeneration des Gehirns wichtig, und den
Tiefschlaf benötigen wir zur Erholung unseres Körpers. Zunächst sinkt dabei
die Körpertemperatur, dadurch wird Energie gespart, dann werden Wachstumshormone
ausgeschüttet, die unsere Zellen reparieren. Gleichzeitig wird das Immunsystem
gestärkt. Wenn wir Schlaf versäumt haben, gleicht der Körper zuerst die Tiefschlafdefizite
aus, dazu verlängert er einfach die Phasen. Kranke Menschen verharren besonders
lang in dieser Schlafphase aus. Die Tiefschlafphase tritt hauptsächlich im ersten
Teil der Nacht auf, gegen Morgen werden sie immer kürzer, so die Wissenschaft.
Ich gewöhnte mir an, jeden Morgen als erstes meine Träume zu notieren, soweit
ich mich an sie erinnern konnte, denn so manchmal erinnerte ich mich nicht mehr
daran und fand das dann sehr schade. Mir konnte schließlich etwas entgehen,
was ich für wichtig hielt und wichtig für meinen weiteren Weg war.
Doch ebenso eine gute Einrichtung ist das Erinnerungsvermögen, oft kam es tagsüber
unverhofft zurück. Ich analysierte die Träume und überlegte, was das Geträumte
bedeuten könnte. Ich suchte stets die Verbindung zu meinem Leben, dabei lege
ich sehr viel Wert auf die Gefühle, die ich beim träumen hatte. Es gab aber
auch lange Strecken, viele Morgenstunden an denen ich mich nicht an meine Träume
erinnerte. Vielleicht war es Zeiten in der ich keine größeren Sorgen hatte,
und keine positiven Erlebnisse? Ich bin noch nicht darauf gekommen, was es bedeutet,
sich nicht an seine Träume erinnern zukönnen. Erinnert man sich tatsächlich
nur an das Wichtige? Und das andere Geträumte entsorgt man ganz schnell, indem
man es vergisst? Auf jeden Fall sind Träume Wegweiser, ein Schlüsseldienst des
Verborgenen. Denn sicher ist, dass der Mensche bei jedem Schlaf träumt, und
so ganz umsonst wird dies nicht sein.
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