Sa.. Jan. 24th, 2026

Neuburg – Man soll Dichtern nicht widersprechen – und bayrischen Mundartdichtern schon gleich gar nicht – aber wer auch immer sich den Spruch von Weihnachten als „staade Zeit“ hat einfallen lassen, der irrt gewaltig. Zumindest heutzutage.
Vor gut hundert Jahren mag das anders gewesen sein, da war Weihnachten vielleicht tatsächlich noch still und besinnlich – obwohl so ganz glaube ich das auch nicht. Denn eine Gans wollte – sofern man sich das leisten konnte (heutzutage übrigens auch wieder nahezu unerschwinglich geworden) – zubereitet und gegessen werden, Blaukraut und Knödel verlangten nach ihrem Recht, und was wären all diesen kulinarischen Köstlichkeiten, heute wie damals, ohne Christbaum. Und dass unter dem Christbaum Geschenke liegen sollten, das weiß schließlich jedes Kind.

All das zu Organisieren, verlangt jede Menge Geschäftigkeit. Wann soll man den Christbaum kaufen? Wenn man ihn zu früh ins Haus holt, dann nadelt er, zu spät bekommt man nur noch die sehr eigenwillig geformten, krummen Exemplare. Und wie hält man es mit den Kerzen? Nimmt man echte Bienenwachskerzen, wunderschön, aber brandgefährlich, oder elektrische Lichterketten? Letztere scheinen ein geheimes Eigenleben zu führen, sie verknoten sich wie von selbst und funktionieren nur dann, wenn sie Lust dazu haben. Und, schwerste Frage aller Zeiten, wem schenkt man was? Herrenduft und Krawatte, Rotwein, Bücher und Pralinen – alles schon tausendmal gehabt. Man kann durch Läden streifen und Ausschau nach ausgefalleneren schönen Dingen halten, oder das Internet nach Ideen befragen für Menschen, die schon alles besitzen. Die Vorschläge, die man dann von der KI erhält, gleichen dem Gruselkabinett von Dr.Caligari. Das Ärgerlichste von allem ist, dass nach Weihnachten, wenn man jede Menge unnützen Kram verschenkt hat, einem schlagartig die wirklich guten Geschenkideen kommen.

Und dann sind die Tage vor Weihnachten oft noch gefüllt mit jeder Menge extra Vorweihnachtsfeiern: Mit Arbeitskollegen, mit Nachbarn, mit dem Yogakurs, dem Gesangsverein, etc. etc. Schlimmstenfalls soll dort noch gewichtelt werden, was bedeutet nochmals ein Geschenk, das gekauft und eingepackt werden soll, nicht zuletzt erwartet man selbst gebackene Plätzchen. Die sind zwar lecker, aber besser man denkt nicht daran, wie die Küche nach solch einer Aktion ausschaut!

Also, von wegen „staade Zeit“. Es ist maximal der Sturm vor der Ruhe. Oder wie ein anderer bayrischer Schriftsteller und Komiker – nämlich der unübertreffliche Karl Valentin – es auf den Punkt gebracht: „Wenn de staade Zeit vorüber ist, dann werd ich auch wieder ruhiger.“ In diesem Sinne ein schönes und erholsames Fest! – Christiane Maria Borrmann, brennessel Magazin

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