Mi. Jun 16th, 2021

Bernd Eichinger, Deutschlands bekanntester Filmproduzent, Drehbuchautor und Regisseur der Nachkriegsgeschichte, starb am 24. Januar 2011 in Los Angeles im Alter von 61 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt.

Der Sohn eines Landarztes und einer Lehrerin wuchs in Rennertshofen auf und besuchte später ein Internat in Deggendorf. Nach seinem Abitur bewarb er sich an der Filmhochschule in München. Schon während seines Studiums arbeitete er als Aufnahmeleiter in den Bavaria Studios. 1974 gründete Eichinger eine eigene Filmproduktionsgesellschaft.1979 erwarb er die Verleihfirma Constantin Film. Seine erste Produktion für diese Firma, der Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, wurde 1981 zu einem der international erfolgreichsten deutschsprachigen Filme seit Kriegsende.

Zu seinen größten Erfolgen zählten Filme wie „Die unendliche Geschichte“, „Der Name der Rose“, „Der bewegte Mann“, „Das Superweib“, „Charly’s Tante“, „Das Mädchen Rosemarie“, „Der Schuh des Manitu“, „Nirgendwo in Afrika“, „Der Untergang“, „Das Parfüm – Die Geschichte eines Mörders“, „Der Baader Meinhof-Kemplex“ und viele mehr. In 30 Jahren produzierte Eichinger rund 70 Filme, die allein im deutschsprachigen Raum von über 70 Mio Besuchern gesehen wurden. Eichinger erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise, u.a. mehrere Male den Deutschen Filmpreis, den Bayerischen Filmpreis, das Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden, einen Oscar für „Nirgendwo in Afrika“, sowie posthum die Goldene Kamera als „Bester Produzent“. Als nächstes wollte er einen Film über das langjährige Entführungsopfer Natascha Kampusch drehen. Ob das Projekt nach seinem Tod weiter geführt wird, ist ungewiss.

Rennertshofen wird seinen berühmten, ehemaligen Mitbürger Bernd Eichinger immer in Erinnerung behalten, vor allem sein Jugendfreund, Horst Metzker, der gerne an die alten Zeiten denkt:

Herr Metzker, Sie haben mit Bernd Eichinger die Kindheit verbracht?
Ja, wir haben uns sehr gut verstanden. Vormittags besuchten wir die Schule. Nach den Hausaufgaben haben wir fast jeden Nachmittag miteinander gespielt, meistens bei ihm. Damals waren die Karl May-Filme ganz aktuell, weshalb wir oft als Cowboy und Indianer herumtobten. Manchmal sind wir auch zu den Mauerner Höhlen rausgefahren und haben dort „Hercules“ gespielt, wobei er wie immer der Held war. Nur bei „Tarzan“ habe ich mich geweigert, denn er wollte den Tarzan spielen und ich hätte den Affen machen sollen.

Damals waren noch andere Zeiten in Rennertshofen und in Deutschland. Es gab weder Handy noch Computer. Wie haben Sie sich die Zeit vertrieben?
Wie bereits gesagt: mit spielen! Das war wunderschön! Und uns ist immer wieder etwas Neues eingefallen. Die heutigen Kinder können ja nicht mehr richtig spielen. Nimmt man ihnen den PC weg, dann liegen sie auf der Couch und ihnen ist langweilig. Wir aber hatten noch Phantasie. Auch mit drei Steinen und ein paar Hölzern konnten wir uns beschäftigen. Oder wir haben uns einen Haselnussstrauch gesucht und Pfeil und Bogen für Winnetou gebastelt.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?
In Eichingers Garten war ein Sommerhäuschen. Das war dann unsere Ranch oder ein Salon. Der Weiher auf dem Grundstück war der Silbersee und die Ussel der Mississippi. Unsere Phantasie kannte keine Grenzen.

Wann haben sich Ihre Wege getrennt?
Bis zur 4. Klasse, also bis zu 10 Jahren waren wir immer beieinander. Ab der 5. Klasse besuchte Bernd das Gymnasium in Neuburg und dann ein Internat in Deggendorf. Ich ging ab der 7. Klasse nach Ingolstadt auf die Wirtschaftsschule und danach ins Internat. Da wir nun beide auf einem Internat waren, konnten wir uns nur noch alle vier Wochen sehen, z.B. am Sonntagnachmittag im Rennertshofener Kino von Fritz Appel. Wir trafen uns nur noch sporadisch. Der Bernd spielte damals in einer Deggendorfer Rockband, den Fighters. Gern erinnere ich mich auch an ein gemeinsames Rockkonzert mit ihm im Cafe Buchhart in Rennertshofen. Wir sagten Konzert, andere meinten: „Des war a schöner Krach!“ Kunst und Musik ist halt Geschmacksache. In Rennertshofen hatte man damals keinen Bedarf an Rockmusik. Deshalb habe ich Anfang der 60er Jahre eher Tanzmusik gespielt.

Und irgendwann ist dann Bernd Eichinger seinen internationalen Weg gegangen und Sie sind in Rennertshofen geblieben?
Über Bernds Mutter, die Kundin bei mir ist, waren wir immer miteinander verbunden, haben stets gewusst, wie es dem anderen geht, was der andere gerade macht. Persönlich haben wir uns nur selten treffen können. Im vergangenen September aber kam Bernd mit seiner Frau Katja nach Rennertshofen, um sich eine Dokumentation über Kinobetreiber Fritz Appel anzusehen. Da schaute er auch bei mir vorbei.

Welche schöne Erinnerung werden Sie nie vergessen?
In erster Linie unsere echte Freundschaft. Es gibt ein Volkslied, das lautet: „Wahre Freundschaft soll nicht wanken, wenn sie gleich entfernet ist. Lebet fort auch in Gedanken und der Treue nie vergisst…..“. Bernd und ich – das war eine wahre Freundschaft. Ich werde ihn nie vergessen.

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