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Trauer um ehemaligen KU-VizeprÀsidenten Prof. Dr. Helmut Witetschek


03. Nov. 2015 - 15:55

EichstĂ€tt – Die Katholische UniversitĂ€t EichstĂ€tt-Ingolstadt (KU) trauert um Prof. Dr. Helmut Witetschek, der am 27. Oktober 2015 völlig ĂŒberraschend im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

Er war der erste Inhaber eines Lehrstuhls fĂŒr Politikwissenschaft an der EichstĂ€tter Hochschule und wirkte von 1979 bis 1982 als VizeprĂ€sident der UniversitĂ€t. Von 1969 bis 2001, also mehr als 32 Jahre lang, lehrte Helmut Witetschek an der PĂ€dagogischen Hochschule EichstĂ€tt, dann an der Gesamthochschule, schließlich an der Katholischen UniversitĂ€t. Von 1972 bis 1975 hielt er zusĂ€tzlich auch Vorlesungen am Fachhochschulstudiengang Sozialwesen. Auch in der akademischen Selbstverwaltung war Helmut Witetschek engagiert: Von 1972 bis 1975 war er Dekan seiner FakultĂ€t. „Rei Publicae et Ecclesiae“ lautete der Titel der Festschrift, die Helmut Witetschek im Jahr 2001 zu seiner Emeritierung gewidmet wurde. Mit dieser Überschrift waren nicht nur seine Arbeitsschwerpunkte gut umschrieben, sondern auch die Grundlinien seiner persönlichen LebensfĂŒhrung: fĂŒr Staat und Kirche. Der freiheitliche Verfassungsstaat war sowohl wissenschaftlich als auch biographisch das eine wesentliche Thema Helmut Witetscheks. Geboren 1933 im Sudetenland, kam nach der Vertreibung 1946 die harte Erfahrung des Vertriebenenschicksals. Witetschek wuchs in die GrĂŒndungs- und frĂŒhe Entwicklungsphase der Bundesrepublik Deutschland hinein, deren Verfassungsprinzipien vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus der Vergangenheit und des Kommunismus der Gegenwart entwickelt worden waren. In diesem Kontext verbrachte Helmut Witetschek seine Kindheit und Jugend, studierte und begann seine wissenschaftliche TĂ€tigkeit. Mit der freiheitlichen Demokratie und der Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Kommunismus sind zugleich auch drei Schwerpunkte seiner TĂ€tigkeit als Wissenschaftler und Hochschullehrer umschrieben. Schon eine seiner frĂŒhen Schriften von 1961 trĂ€gt den Titel „Der Weg zu unserer Staats- und Gesellschaftsordnung“. Die Kirche blieb ĂŒber viele Jahre hinweg das zweite prĂ€gende Thema fĂŒr ihn. Schon in seiner Dissertation befasste er sich mit einem kirchlichen Forschungsgegenstand, und dies blieb so bis in die Zeit nach seiner Emeritierung. Hinzu kam eine tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben. Dass Helmut Witetschek auch im persönlichen Leben eine christliche Haltung bezeugte, was sich nicht nur in seiner bescheidenen Art, sondern vor allem auch in einem stets liebenswĂŒrdigen Umgang mit Studierenden und Kollegen Ă€ußerte, zeichnete ihn als Professor einer katholischen UniversitĂ€t besonders aus. Er war Herausgeber von insgesamt vier QuellenbĂ€nden unter dem Titel: „Die kirchliche Lage in Bayern nach den RegierungsprĂ€sidentenberichten 1933-1943", und zwar fĂŒr die Regierungsbezirke Oberbayern, Ober- und Mittelfranken sowie Schwaben, erschienen 1966. Ein ErgĂ€nzungsband folgte im Jahr 1981 fĂŒr den Zeitraum 1943 bis 1945. Damit war eine vorzĂŒgliche Quelle erschlossen fĂŒr die Erforschung der nationalsozialistischen Kirchenpolitik und des Kirchenkampfes. Die Edition ist bis heute eine fundierte Quelle zur Erfassung der Stimmungen in der bayerischen Bevölkerung in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur geblieben. Helmut Witetschek hat sich in einer Reihe von AufsĂ€tzen zu diesem und zu vergleichbaren Themen mehrfach geĂ€ußert. In diesem Zusammenhang darf gerade in EichstĂ€tt nicht unerwĂ€hnt bleiben, dass er im Jahr 1985 das schöne Lebensbild „Pater Ingbert Naab. Ein Prophet wider den Zeitgeist" vorlegte. Mehrere Lebensbilder deutscher WiderstĂ€ndler und Opfer des Nationalsozialismus trug er 1999 zum deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts bei. Es war Witetscheks Hauptintention, den Studierenden den freiheitlichen Verfassungsstaat Bundesrepublik Deutschland verstehbar zu machen. Die GrĂŒndung der Bundesrepublik im zeitgeschichtlichen Kontext, ihre grundrechtlichen Fundamente, ihre Verfassung und die sie tragenden politischen sowie gesellschaftlichen KrĂ€fte waren ĂŒber drei Jahrzehnte hinweg Themen seiner akademischen Veranstaltungen. Generationen von Studierenden lernten bei ihm auch die GrundzĂŒge des politischen Systems der damaligen DDR kennen. Seine Vorlesungen, kenntnisreich vorgetragen aus den obligatorischen Manuskripten im DIN A 5-Format, waren geradezu legendĂ€r. Ebenso obligatorisch war die Halbzeitpause wĂ€hrend der Vorlesungen, in der geduldig Fragen beantwortet wurden. Dieses fĂŒr ihn selbstverstĂ€ndliche Engagement in der Lehre hatte Konsequenzen, die Helmut Witetschek mit großem PflichtgefĂŒhl trug: die Betreuung des grĂ¶ĂŸten Teiles der Lehramtskandidaten im Fach und eine entsprechend große Zahl an Seminararbeiten, Klausuren sowie schriftlichen und mĂŒndlichen PrĂŒfungen. Über sein wissenschaftliches und akademisches Wirken im engeren Sinn hinaus war es fĂŒr Helmut Witetschek selbstverstĂ€ndlich, sich fĂŒr ehrenamtliche TĂ€tigkeiten zur VerfĂŒgung zu stellen, vor allem im Bereich der kirchlichen und politischen Erwachsenenbildung, sowohl als Referent wie auch als Mitglied in verschiedenen Leitungsgremien. Zu erwĂ€hnen sind hier beispielsweise seine leitende TĂ€tigkeit im Katholischen Kreisbildungswerk seiner Heimatstadt Schrobenhausen, im Vorstand der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft fĂŒr Erwachsenenbildung in Bayern und vor allem seine Mitgliedschaft im Bildungsausschuss und in der Leitung der Katholischen Akademie in Bayern. Auch nach seiner Emeritierung blieb Helmut Witetschek seiner UniversitĂ€t treu verbunden. Er fehlte bei keinem Dies Academicus und bei keiner Antrittsvorlesung in seiner FakultĂ€t. Die Semesteranfangs- und Schlussgottesdienste in der Schutzengelkirche waren fĂŒr ihn Pflichttermine. Requiescat in pace. Prof. Dr. Klaus StĂŒwe, Lehrstuhl fĂŒr Vergleichende Politikwissenschaft

Johanna Karch

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