So. Aug 1st, 2021

ADAC Staubilanz 2020: rund 43 Prozent weniger Staus im Freistaat – A3 bei Passau bleibt Stauspitzenreiter
Wieder auf Platz 1 in der ADAC Staubilanz: die A3 zwischen Pocking und Passau-Süd

München – Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr zu einem drastischen Rückgang der Staus auf den deutschen und bayerischen Autobahnen geführt. Die Staus waren auch deutlich kürzer als 2019. So registrierte der ADAC in vergangenem Jahr rund 513.500 Staus, das waren etwa 28 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie die Auswertung der Verkehrsdatenbank des ADAC weiter zeigt, ging die Gesamtdauer der Störungen um 51 Prozent zurück, die Zahl der Staukilometer reduzierte sich um 52 Prozent. In Bayern verzeichnete der Automobilclub 72.419 Behinderungen mit einer Gesamtlänge von 105 876 Kilometern. Dies entspricht einem Rückgang um rund 43 Prozent bei der Anzahl (2019: 128.123 Staumeldungen).
Unangefochten bleibt wie im Vorjahr die A3 Passau/ Suben Richtung Regensburg Deutschlands Stau-Autobahn Nummer eins – nur auf niedrigerem Niveau. 1206 Stunden oder umgerechnet 50 Tage mussten die Autofahrer in 4982 Staus vor dem besonders betroffenen Abschnitt zwischen Pocking und Passau-Süd ausharren. Oder anders gerechnet: Auf jeden Autobahn-Kilometer entfielen in dem Bereich 316 Staukilometer. Grund hierfür waren die Grenzkontrollen und zusätzlich die Corona-Teststation, die im Sommer für Urlaubsrückkehrer eingerichtet wurde. „Das Verkehrsgeschehen hat sich dahingehend verändert, dass coronabedingt weiter entfernte Ziele, wie beispielsweise der Gardasee oder die Mittelmeer-Region, nicht mehr angesteuert wurden, dafür jedoch die bayerischen Naherholungsgebiete umso mehr. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr fortsetzen“, so die Einschätzung des verkehrs- und umweltpolitischen Sprechers des ADAC Südbayern, Alexander Kreipl.

Bei den Staulängen verzeichnete der ADAC in Südbayern am 8. Februar 2020 die längste Blechlawine auf der A9 Nürnberg – München. In der Dauerbaustelle zwischen den Anschluss-Stellen Langenbruck und Allershausen ging auf 26 Kilometern über 14 Stunden nur noch Stop-and-Go-Verkehr. Nur wenig besser war die Situation am 31. Juli auf der Gegenfahrbahn Richtung Nürnberg: Zwischen den Anschluss-Stellen Allershausen und Manching kam es 8 Stunden lange auf 20 Kilometern zu zähfließendem Verkehr mit Stauungen. Ursache auch hier die Baustelle. Zwar sorgt das Nadelöhr auf der A9 immer wieder für Behinderungen – nach derzeitigen Planungen noch bis Ende dieses Jahres. Doch die Situation könnte schlimmer sein. Für deutlich besseren Verkehrsfluss kam in einem Pilotprojekt für Deutschland erstmals der sogenannte „Road Zipper“ zum Einsatz.
Je nach Verkehrsbelastung kann die Maschine Fahrbahnabtrennungen verschieben. Dadurch kann eine Spur bedarfsabhängig einer Fahrtrichtung zugeordnet werden, beispielsweise im morgendlichen Berufsverkehr Richtung München und am Nachmittag der Gegenfahrbahn Richtung Nürnberg. „Baustellen erhöhen grundsätzlich die Unfallgefahr. Mit dem ‚Road Zipper‘ kann dynamisch und flexibel auf das Fahrzeugaufkommen reagiert und so der Verkehrsfluss optimiert werden. Das hilft nicht nur, Staus zu vermeiden, sondern dient gerade auf einer viel befahrenen Autobahn wie der A9 vor allem der Verkehrssicherheit“, lobt Kreipl den Einsatz des neuen Systems und befürwortet die Nutzung auch in Zukunft. Stark belastet war auch die A8 Salzburg – München. Spitzentag war der 12. September: An diesem Samstag stauten sich die Fahrzeuge zwischen der Anschluss-Stelle Irschenberg und dem Kreuz München Süd auf 19 Kilometern.

Weitere stauanfällige Abschnitte in Bayern sind die A3 Passau – Nürnberg zwischen Regensburg-Ost und Burgweinting in beiden Richtungen, die A8 München – Salzburg zwischen Holzkirchen und Bad Aibling, im Bereich des Inntaldreiecks sowie vor dem Grenzübergang Bad Reichenhall, die A9 Nürnberg – München zwischen Frankfurter Ring und dem Autobahnende Schwabing sowie die A99 München – Salzburg abschnittsweise zwischen der Anschluss-Stelle Ludwigsfeld und dem Kreuz München-Süd. Auffällig: Erstmals in der Stau-Statistik taucht die A94 Passau – München mit erheblichen Stauungen am Autobahnende auf. Dies steht in direktem Zusammenhang mit den seit Juni verkürzten Ampel-Grünphasen auf der Prinzregentenstraße, insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten.

Die Top Ten der schlimmsten Stau-Ereignisse in Bayern
– A9 Nürnberg – München: 08.02. AS Langenbruck bis Allershausen, 26 km
– A9 München – Nürnberg: 31.07. AS Allershausen bis Manching, 20 km
– A9 München – Nürnberg: 29.02. Kreuz Neufahrn bis AS Langenbruck, 20 km
– A9 München – Nürnberg: 28.01. AS Garching-Nord bis Pfaffenhofen, 20 km
– A8 Salzburg – München: 12.09. AS Irschenberg bis Kreuz München-Süd, 19 km
– A9 München – Nürnberg: 25.09. AS Allershausen bis Manching, 19 km
– A8 München – Stuttgart: 05.10. AS Sulzemoos bis Friedberg, 19 km
– A9 Nürnberg – München: 15.02. AS Langenbruck bis Kreuz Neufahrn, 19 km
– A9 München – Nürnberg: 07.08. AS Allershausen bis Langenbruck, 18 km
– A3 Würzburg – Nürnberg: 01.09. AS Erlangen-West bis Nürnberg-Behringersdorf, 18 km

Verkehrsaufkommen sinkt mit dem Lockdown
Mit Beginn des ersten Lockdowns im März zählte der ADAC bundesweit nur noch halb so viele Staukilometer wie im Februar, im April lag der Wert nochmals um etwa 70 Prozent unter dem des Vormonats. Insgesamt registrierte der Club im April mit nur knapp 12.000 Staukilometern das geringste Stauaufkommen des Jahres. Mit den Corona-Lockerungen nahm der Verkehr wieder zu und die Staus wurden mehr. Staureichster Monat war der September mit rund 67.500 Staumeldungen bei einer Gesamtlänge von 103.000 Kilometern. Ab Oktober nahm das Stauaufkommen wieder spürbar ab, was an der Gesamtlänge der Staus von rund 73.000 Kilometern abzulesen ist. Mit den verschärften Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung ab November gingen die Zahlen weiter zurück. Im November und Dezember zählte der ADAC nur mehr rund 34.000 bzw. 33.000 Staukilometer.

Auffällig ist, dass sich die Länge der Staus im Vergleich zum – ebenfalls gesunkenen – Verkehrsaufkommen deutlich stärker reduziert hat. Ebenso ist erkennbar, dass die Staubelastung in der Lockerungsphase wieder stärker zugenommen hat, als es der Zuwachs des Verkehrsaufkommens vermuten lässt. Insbesondere auf hoch belasteten Autobahnen genügt schon ein relativ geringer Rückgang des Verkehrs, um die Stausituation spürbar zu entschärfen. Während es 2019 einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Staugeschehen und der Zahl der Baustellen gab, nahm die Stausituation 2020 unabhängig von Baustellen ihren Lauf. Das Verkehrs- und Staugeschehen auf den Autobahnen stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie, obwohl die Zahl der gemeldeten Baustellen im Schnitt um etwa 30 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.

14 Prozent der Staumeldungen in Bayern
Die von Staus am meisten betroffenen Bundesländer waren – wie in den Vorjahren – Nordrhein-Westfalen (32 Prozent), Bayern (14 Prozent) und Baden-Württemberg (10 Prozent). Auf sie entfielen 56 Prozent aller Staumeldungen (Vorjahr: 65 Prozent). Gemessen am jeweils vorhandenen Autobahnnetz ergibt sich ein anderes Bild: Setzt man die in den einzelnen Bundesländern gemessenen Staukilometer ins Verhältnis zu den Autobahnkilometern, liegen die Stadtstaaten Berlin und Hamburg an der Spitze der staubelasteten Bundesländer, vor Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Bayern und Hessen rangieren hinter Niedersachsen auf einem mittleren Platz. Die geringste Staubelastung verzeichnete der ADAC in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Wie im Vorjahr entfielen 2020 knapp 60 Prozent aller Staukilometer auf die überregionalen Fernautobahnen. Betrachtet man die Staukilometer der einzelnen Fernautobahnen bezogen auf ihre jeweilige Länge, so waren die Autobahnen A1, A3, A5 und A8 die Stau-Spitzenreiter, allerdings auf deutlich geringerem Niveau als 2019.

Öffentlichen Personennahverkehr wiederbeleben
Um die Zahl der Staus möglichst auch nach der Corona-Pandemie niedrig zu halten, sind laut ADAC mehrere Maßnahmen erforderlich. So zeigt die Pandemie bis heute, dass sich Berufsverkehr und Dienstreisen dank Homeoffice und Videokonferenzen reduzieren lassen. Auch muss der ÖPNV seine Kunden, die aus Angst vor Corona aufs Auto umgestiegen sind, wiedergewinnen. Deshalb ist die Modernisierung der Schienensysteme im Nah- aber auch Fernverkehr konsequent voranzutreiben, um ein zuverlässiges und attraktives Angebot zu gewährleisten. Zudem müssen auch solchen Pendlern, die nicht jeden Tag unterwegs sind, flexible und attraktive Mehrfahrten-Tickets bzw. Abos angeboten werden. Grundsätzlich ist für einen möglichst reibungslosen Verkehr das Verkehrs- und Baustellenmanagement weiter zu verbessern. Hier setzt der ADAC große Hoffnungen in die neue Autobahn GmbH des Bundes. – Ansprechpartner, Rudolf Vogler

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