Do. Feb 22nd, 2024

Bayerns Gesundheitsministerin sprach mit Experten über Infektionslage – Menschen über 60 und andere gefährdete Gruppen sollten ihren Impfstatus überprüfen.

München – Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat mit Experten über die aktuelle Corona-Lage beraten. Gerlach betonte am Donnerstag in München: „Insgesamt ist die Entwicklung bei SARS-CoV-2 derzeit nicht besorgniserregend.
Zwar steigen die gemeldeten SARS-CoV-2-Infektionen auch in Bayern. Aber die Zunahme von Atemwegserkrankungen ist im Herbst und Winter nicht ungewöhnlich. Darauf hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ausdrücklich hingewiesen. Außerdem lösen die bei uns derzeit zirkulierenden Omikron-Subtypen von SARS-CoV-2 vor dem Hintergrund der insgesamt guten Immunitätslage der Bevölkerung nur selten schwere Krankheitsverläufe aus.“

Die Ministerin fügte hinzu: „Glücklicherweise sind wir heute in einer ganz anderen Situation als noch zu Beginn oder in der Mitte der Pandemie. Dank der erfolgreichen Impfkampagne und durchgemachter Infektionen haben wir einen sehr hohen Immunitätsgrad in der Bevölkerung. Entscheidend ist und bleibt Eigenverantwortung und gegenseitige Rücksichtnahme.“

Gerlach kritisierte mit Blick auf den umstrittenen Aufruf von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vom vergangenen Wochenende, Weihnachtsfeiern zu meiden: „Es ist falsch, die Menschen unnötig zu verunsichern. Corona wird nicht mehr weggehen. Wir müssen deshalb lernen, mit dem Virus zu leben und umzugehen. Eigenverantwortung – zum Beispiel auch beim Tragen von Masken in bestimmten Situationen – ist das Gebot der Stunde, nicht staatliche Bevormundung.“ Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte Lauterbach in einem Zeitungsinterview überzogene Warnungen vorgeworfen.

An dem Gespräch mit der Ministerin nahmen am Mittwochnachmittag neben Virologen auch Vertreter von ärztlichen Verbänden und Universitätskliniken sowie Krankenhausärzte teil. Dabei waren zudem Mitglieder der Ständigen Impfkommission und des LGL.

Gerlach erläuterte: „Den besten Schutz vor schweren Verläufen einer Corona-Infektion bietet nach wie vor die COVID-19-Impfung. Insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal sollten ihren Impfstatus überprüfen lassen.“

LGL-Präsident Professor Christian Weidner sagte: „Besonders Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen, zum Beispiel an Lunge, Herz oder Niere oder Personen, die an Diabetes mellitus leiden, profitieren von einer Auffrischimpfung gegen Covid-19 in Absprache mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt.“

Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer, betonte: „Auch ich nehme in meiner Praxis vermehrt COVID-19-Fälle im Rahmen der allgemeinen Infektwelle wahr. Ich rate den Patientinnen und Patienten gegebenenfalls zum Tragen einer Maske und zum Einhalten der AHA-L-Regeln. Und vor allem: Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben. Bezüglich der Impfung gegen COVID-19 gibt es Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, wonach über 60-jährigen und Kranken zur Impfung geraten wird.“

Der Virologe Professor Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität München ergänzte: „Der Aufbau eines mehrschichtigen Überwachungssystems für das Infektionsgeschehen in den Pandemiejahren und die regelmäßigen Expertenrunden mit dem Gesundheitsministerium ermöglichen eine sehr gute Beurteilung der Lage in Bayern. Neben SARS-CoV-2 kann in Zukunft auch die Dynamik anderer Infektionserreger wie Influenzaviren und RSV noch engmaschiger abgebildet werden.“

Gerlach erläuterte: „Bayern hat in der Pandemie ein umfassendes Monitoring aufgebaut, das uns heute eine belastbare Basis zur Bewertung des Infektionsgeschehens bietet. Dazu zählt das Verbundprojekt Bay-VOC, in dem die virologischen Institute an allen bayerischen Universitätskliniken und Universitäten, sowie das Genzentrum der LMU zusammen mit dem LGL die zirkulierenden Varianten von SARS-CoV-2 molekulargenetisch erfassen und analysieren. Wir haben zudem das Netzwerk der Sentinel-Praxen erweitert, die die Verbreitung verschiedener Erreger von Atemwegserkrankungen überwachen.“

Die Ministerin ergänzte: „Dritter wesentlicher Baustein war der Aufbau des Abwassermonitorings auf SARS-CoV-2, das heute landesweit an 30 Standorten erfolgt und damit belastbare Ergebnisse liefert. Zusammen mit den Meldungen der Infektionsfälle nach dem Infektionsschutzgesetz erhalten wir so einen guten Überblick über das Infektionsgeschehen.“

Wichtig bei der Beurteilung der Corona-Entwicklung ist zudem die Lage auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Gerlach sagte: „Derzeit befinden sich in Bayern 154 Patientinnen und Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion in intensivmedizinischer Behandlung. Damit sind in Bayern 6,1 Prozent der als betreibbar gemeldeten Intensivbetten mit Patienten mit einem positiven SARS-CoV-2-Nachweis belegt.“ (Quelle: DIVI-Intensivregister; Stand 11.12.2023; nur Erwachsenenkapazitäten).

Die Ministerin fügte hinzu: „Insofern stellen wir momentan bei der Belegung der Intensivbetten mit COVID-19-Fällen insgesamt eine Stagnation fest. Die Zahlen liegen nach wie vor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.“

Gerlach betonte: „In der kalten Jahreszeit, in der wir uns wieder mehr in Innenräumen aufhalten, setzen wir weiterhin auf die Eigenverantwortung und die gegenseitige Rücksichtnahme. Das heißt: Grundsätzlich sollte jeder, der Erkältungssymptome hat, Kontakte meiden und sich auskurieren. Dies reduziert das Risiko, dass sich andere Menschen anstecken, und unterstützt eine schnelle Genesung.“ – Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention

Kommentar verfassen