So. Aug 14th, 2022

Den zweiten Monat hintereinander hat sich die Inflation in Deutschland etwas abgeschwächt. Im Durchschnitt kosteten Dienstleitungen und Waren noch 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

München – Die hohe Inflation in Deutschland hat sich im Juli den zweiten Monat in Folge abgeschwächt. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich nur noch 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Es handelt sich dabei um eine vorläufige Schätzung. Im Juni hatte die Inflationsrate 7,6 Prozent im Vorjahresvergleich betragen, im Mai noch 7,9 Prozent.

Hochpunkt der Inflation erreicht?
Das Münchner Ifo-Institut geht auf Basis einer Unternehmensumfrage davon aus, dass der Hochpunkt der Inflation voraussichtlich erreicht sein dürfte. LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch ist sich da nicht so sicher: „Ich würde noch nicht so weit gehen, dass wir den Hochpunkt erreicht haben.“ Es sei beispielsweise noch völlig unklar, wie sich die Energiekosten für die Verbraucher entwickelten.

Ein nachhaltiger Rückgang der Teuerung ist damit keineswegs gesichert, auch weil das Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt bis Ende August befristet sind. „In den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate weiter hoch bleiben. Im September könnte sie sogar wieder ansteigen, weil dann die temporären Entlastungsmaßnahmen entfallen“, schrieb wiederum die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngst veröffentlichten Monatsbericht.

Ukraine-Krieg: Preise steigen stark an
Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg sind die Preise für Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel teils kräftig gestiegen. Im Juli verteuerte sich Energie um 35,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nahrungsmittel kosteten 14,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Wiesbadener Behörde mitteilte.

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sich diese für einen Euro weniger leisten können. Das birgt sozialen Sprengstoff. Hohe Inflationsraten treffen Studien zufolge einkommensschwache Haushalte überdurchschnittlich stark. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im Juli den vorläufigen Daten zufolge um 0,9 Prozent.

Entlastungspakete der Bundesregierung
Die Bundesregierung versucht, die Menschen unter anderem mit dem Anfang Juni eingeführten Tankrabatt und dem Neun-Euro-Ticket zu entlasten. Zudem müssen Stromkunden seit 1. Juli die Förderung des Ökostroms nicht mehr über die Stromrechnung zahlen. Weitere Entlastungsmaßnahmen, wie Anschlussregelungen für das Neun-Euro-Ticker, werden derzeit diskutiert.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern gab es ähnlich hohe Werte im Winter 1973/1974. Damals stiegen die Ölpreise wegen der ersten Ölkrise stark. – BR mit Material von dpa und Reuters.

Kommentar verfassen