Mo. Mrz 8th, 2021

“Für Neuburg allen Künsten verpflichtet…!”

Schon 18 Jahre ist es her, dass Dr. Dieter Distl die Geschicke NeuburgerKulturlebens als Amtsleiter für dieses Ressort in die Handnahm. Die Stelle wurde damals neu geschaffen, um Struktur in das vielfältige kulturelleTreiben der Ottheinrich stadt zubringen und neue Möglichkeiten für den Ausbau desselben zu suchen und zu finden. Obgelungen oder nicht sei müßigzu beantworten, betont Distl, jedoch war von Anfang an viel Substanz vorhanden und dieneu geschaffene Stelle eine echte berufliche ‘Lebens’-Her-ausforderung…..

zur Person – Biographie!

Der gebürtige Schrobenhausener,verheiratet und Vater von zwei Töchtern, studierte Germanistik, Politische Wissenschaften und Geschichte. Distl arbeitete ein Jahr beim Goethe-Institut in Helsinki, war fünf Jahre lang Lektor für den Deutschen Akademischen Austauschdienst in Frankreich und ist nunmehr seit 18 Jahren Leiter im Amt für Kultur und Tourismus in Neuburg.

Von der Politik zur Kultur!

“Durch den Umstand, dass ich mich seinerzeit in der Region Neuburg politisch engagierte, erfuhr ich, dass für Neuburg die Position eines Kulturamtsleiters ausgeschrieben war. Just zu dieser Zeit organisierte ich zum 150. Geburtstag Lenbachs eine Ausstellung in Schrobenhausen, die mit rund 14000 Besuchern sehr erfolgreich verlief. Der Grund für den Erfolg war die Beschaffung außergewöhnlicher Exponate aus der damals noch existierenden DDR. Wir bekamen damals aus Weimar deshalb den Zuschlag für die Bilder, dawir für diese Ausstellung auf diePräsentation von Lenbach bildern aus der Stiftung Preussischer Kultur besitz verzichteten.

Diese Sammlung wurde nämlich seitens der DDR als unrechtmäßig angesehen und aus dem Grunde die Herausgabe oder Verleihung dieser Exponate nicht gestattet. Es war also demnach eine Sensation, diese Bilder zeigen zu können und viele Lenbachliebhaber gaben sich in Schrobenhausen ein Stell-Dich-Ein. Eine bessere Empfehlung für meine Person und für den ausgeschriebenen Posten konnte es nicht geben und so bekam ich den Zuschlag.

”Ehrenamt – Lücke – Vollzeit-stelle!“

Viele Jahre wollte kaum jemand in Neuburg etwas von einer professionellen Vollzeitbesetzung eines Kulturamtes wissen. Bis Mitte der 80-ziger Jahre kümmerte sich Jugendrichter Sprenzel, 2. Bürgermeister in Neuburg, um die Kulturarbeit.  Nach seinem Weggang nach Augsburg klaffte eine große Lückein Neuburgs Kulturarbeit, die mit einer weiteren ehrenamtlichen Besetzung nicht zu schließen gewesen wäre. So kam es zur Ausschreibung. Zu dieser Zeit war das Neuburger Stadttheater aufgrund von TÜV-Mängel geschlossen. Insgesamt 300 graviende Mängel fanden sich auf dem Prüfpapier…

Neuburg beschloss als logische Konsequenz den Umbau des Stadttheaters und gleichsam sollte die Wiedereröffnung vorbereitet werden. Der damalige Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, August Everding, eröffnete hernach feierlich das neue Neuburger Stadttheater. ”Für Neuburg ans Eingemachte…Neues schaffen und Bewährtesweiterführen – so könnte wohl das Motto Distls bei seinen Aktivitäten gewesen sein.

“Neuburg hatte z.B. eine lange Tradition bei Ausstellungen politischer Karrikaturen. Diese lose Reihe führte ich mit einigennamhaften Künstlern weiter. Der Rathausfletz wurde umbenannt in Städtische Galerie im Rathausfletz. Explizit hierfür wurde ein eigenes Ausstellungsprogramm aufgebaut. Bei diesen Aktivitäten entstand auch die Idee, die Sommerakademie durch das Angebot verschiedener Sparten auszuweiten. Somit wuchs die Sommerakademie von anfangs einem Malkurs zu einem echtenkünstlerischen Studienevent für Musik, Malerei, Graphik, Bildhauerei, Fotokunst uvm. heran… und wächst kontinuierlich weiter… bisheute!

In Zahlen ausgedrückt heißt das, von 40 auf 4-500 Teilnehmern pro Jahr.“Allen Genres der Künsteverpflichtet..” “Sicherlich komme ich von der Literatur… – sehe mich aber in meinerPosition allen Künsten verpflichtet, egal ob professionelle oder laienhafte… Wir haben zum Beispiel das Thema Tanz sehr intensiv gepflegt und die Städtische Schule für Tanz-theater auf ein gesundes Fundament gesetzt und ausgebaut. Diese Tanzschule ist eine tragende Säule vor allem auch für den Neuburger Steckenreitertanz.

Hierbei ist insbesondere die gute Kooperation mit dem Verkehrsvereinder Stadt Neuburg hervorzuheben. Neuburg hat außerdem durch reinehrenamtliches Engagement einen Literaturpreis geschaffen, der nahezu ausschließlich über Spenden und dem Verkauf alter Bücher gefördert wird. Das Engagement Neuburgs für Alte Musik ist ebenfalls ein Novum. Wir verleihen seiteinigen Jahren den Biagio-Marini-Preis für Alte Musik. Er war einer der bedeutendsten Musiker seiner Zeit und zu Zeiten Ottheinrichs knapp 30 Jahre für die Neuburg-Wittelsbacher tätig. Dieser Preis ist der einzige seiner Art für Alte Musik in Bayern!” Alle unter einen Hut! Wovon andere Kleinstädte nur träumen, ist in Neuburg längst Realität.

Stadt, Kulturamt, Gewerbetreibende und Vereine wie Institutionen arbeiten zusammen. “Ich war erst kürzlich auf einer Tagung. Wennman sieht, dass anderorts 85 jährige seit Jahrzehnten jährlich die gleiche Kulturplatte auflegen und nicht im stande sind über ihren Tellerrando der Kirchturm hinaus zu sehen,dann wundert einen nichts mehr…

In Neuburg war es ein glücklicher Umstand, Tourismus und Kultur ineinem Amt zusammen zu legen. Die positiven Ergebnisse werden von Jahr zu Jahr sichtbarer. Vergleicheich zum Beispiel Eichstätt mit Neuburg, fällt auf, dass auch Eichstätt beinahe gleichzeitig zu Neuburg sein Stadttheater wieder neu eröffnete.  In Eichstätt lag aber die Prämisse auf der Vermietung der Unternehmung. Das kann naturgemäß keine inhaltliche Arbeit sein. Die vor-rangige Aufgabe von Kulturarbeit ist nach meinem Verständnis eine völlig andere… – und so steht es auc hin der bayerischen Verfassung. ‘Diebayerischen Städte sind vor kultureller und wirtschaftlicher Verödung zu bewahren!’ Da würde ich jedemmal anraten sich heutzutage ein paar Städte anzusehen…

Beim Stadteingang grüßen mich Lidl, Aldi, H&M, Mac Donalds und viele mehr…- die Städte zum Teil austauschbar mit anderen… So sieht es zum Glückin Neuburg nicht aus. Es geht also darum in diesen Zeiten ein städtisches Profil herauszuformen. Das ist in Neuburg, vor allem vor den Hintergrund der vielen Kooperationen zwischen Gewerbe, Vereineund Kommune gelungen!”

2005 – Nationaler und Europäischer Höhepunkt für Neuburg “Mit der Eröffnung der Staatsgalerie für Flämische Barockmalerei wird sich Neuburg sicherlich in den näch-sten Jahren einen Namen machen können. Dann wird nämlich neben dem Prado in Madrid die größte Sammlung flämischer Barock-malerei in Neuburg an der Donau zu sehen sein. Diese Ausstellung bekannt zu machen ist eine unserer wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren.

Die Bayerische Landesausstellung und die Eröffnung des Stadtmuseums sind 2005 Glanzpunkte für Neuburg.

Bei all’diesen Gewerken zusammen zuagieren, am besten in gewohnter Manier, garantiert von Startweg ein gutes Gelingen, denn schließlich hat Neuburg nur zwei Rohstoffe – Kieselerde und Kultur.

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