Do. Mai 26th, 2022

Sparen lohnt sich nicht mehr – weder für Privathaushalte, noch für Unternehmen. Dies ist insbesondere der Fall, da die Inflation im Januar mit 4,9 Prozent  erneut deutlich höher lag, als von Experten zunächst angenommen. Dies dürfte nachhaltige Auswirkungen sowohl auf das Konsumverhalten der Deutschen haben, als auch auf die hierzulande agierenden Firmen. Wieso Geld 2022 besser ausgegeben und investiert, statt gespart wird. Und was das für die Wirtschaft bedeutet.

Weniger sparen, mehr ausgeben
Auf Seite der Privathaushalte sorgt die hohe Inflation dafür, dass weniger Geld gespart wird und dafür mehr Ausgaben getätigt werden. Das Geld wird nun also anders verwendet. Denn durch die spürbaren Preissteigerungen lohnt es sich für Normalverdiener nicht mehr, das eigene Geld etwa auf dem Bausparvertrag oder dem Bankkonto zu lagern. Verstärkt wird die Situation noch dadurch, dass viele Banken inzwischen Minuszinsen ab einer bestimmten Einlagesumme erheben.
Die Folge: Die Konsumlaune verbessert sich, was sich gleich in mehreren Bereichen zeigt. Reiseanbieter wie TUI, Schauinsland oder alltours beispielsweise berichten bereits von deutlich gestiegener Nachfrage für das Jahr 2022 – die Kunden möchten ihr Geld lieber ausgeben, statt es durch die Inflation entwerten zu lassen. Und das, obwohl laut Studien die Deutschen bereits seit Jahrzehnten die Weltmeister im Sparen sind.

Auch im Bereich des E-Commerce ist der Trend sichtbar. Dies ist einmal der Fall bei großen Händlern wie Amazon, die sich ohnehin schon seit längerem über Umsatzwachstum freuen. Aufgrund der Inflation sind Privathaushalte auch hier verstärkt bereit, frei verfügbares Geld für Konsumgüter auszugeben.
Besonders stark von der Entwicklung profitiert der Unterhaltungssektor. Auch hier freuen Anbieter sich über ein kräftiges Umsatzplus: Echtgeld Casinos  etwa ermöglichen es Interessenten, Slots oder Kartenspiele über das Netz zu spielen. Die Anbieter profitieren von gestiegenen Spielerzahlen und der Konsumfreude der Verbraucher. Im verwandten Bereich der Videospiele sieht die Lage ähnlich aus. So klagen die Konsolen-Hersteller Nintendo, Sony und Microsoft darüber, dass sie aufgrund der hohen Konsumquote nicht mehr mit der Produktion ihrer Spielkonsolen hinterherkommen – im Fall von Nintendo ganze fünf Jahre nach dem Erscheinen der Hardware.
Und auch Direktkäufe und Konsum vor Ort werden für Privathaushalte attraktiver. Das betrifft sowohl Dienstleistungen wie Friseure, als auch Kinos, Restaurants und Einzelhandel.

Auch Unternehmen wollen mehr investieren
Sparen ist also für die Privathaushalte aktuell nicht attraktiv – worüber die Wirtschaft sich freut. Investitionen dagegen könnten als Inflationsschutz in den kommenden Monaten noch einmal deutlich gefragter werden, als sie es ohnehin bereits sind. Das betrifft vor allem auch die Unternehmen: Aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten beiden Jahre hielten viele Konzerne sich mit größeren Investitionen zurück. Nun jedoch, da die weltweiten Wirtschaftsnetzwerke wieder auf Wachstumskurs sind, ist es für Firmen deutlich attraktiver, ihre angesammelten Profite zu investieren, als sie schutzlos der Inflation auszusetzen. Auch die Datenlage stützt diese Interpretation: Der ifo-Geschäftsklimaindex  ist im Februar 2022 auf 98,9 Punkte gestiegen – ein deutliches Plus zu den 96,0 Punkten aus dem Januar. Der Geschäftsklimaindex gilt als wichtiger Indikator für die Stabilität der Wirtschaft. Der Anstieg zeigt, dass die deutschen Unternehmen für die kommenden Monate mit einem kräftigen Wachstum rechnen. Und das trotz aller Turbulenzen am Markt.

Fazit
Aufgrund der hohen Inflation ist Sparen sowohl für Privathaushalte, als auch für Firmen unattraktiver geworden. Die Folgen für die Wirtschaft sind durchaus positiv: So sind die Konsumenten aktuell deutlich spendabler als sonst, wenn es um das Ausgeben geht – sowohl vor Ort, als auch im Netz. Und für die deutschen Unternehmen sind Investitionen attraktiver als in den vergangenen Jahren. Beide Faktoren zusammen sollten die Wirtschaft spürbar ankurbeln. – Niklas Stilbe

 

Bild: Quelle: Pexels

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