Mi. Jun 29th, 2022

Die Idee der Sozialsiedlung und des Stiftens findet man vor dem Augsburger Renaissancerathaus

Augsburg – Noch bis zum 10. Juni 2022 wirbt der Pavillon „Fuggerei NEXT 500“ vor dem monumentalen Augsburger Renaissancerathaus für einen Besuch der 1521 von Jakob Fugger „dem Reichen“ gestifteten Fuggerei – und für die Idee des Stiftens an sich. Damit wird in der Fuggerstadt Augsburg auch im Jahr eins nach dem Jubiläumsjahr 2021 die Idee weltweiter „Fuggereien der Zukunft“ auf dem Rathausplatz inszeniert. Ein renommiertes Architekturbüro hat als Referenz an die Sozialsiedlung das spektakuläre „Fuggereihaus“ – den Pavillon „Fuggerei NEXT500“ – entwickelt, der aus dem Baustoff Holz aus Fugger’schen Stiftungswäldern errichtet wurde. Der Bauplatz des „Fuggereihauses“? Beste Zentrumslage. Denn der Pavillon auf dem Augsburger Rathausplatz „schwebt“ dort quasi vor der Kulisse des Rathauses, des benachbarten Perlachturms und des Augustusbrunnens, Letzterer ein Objekt des Augsburger UNESCO-Welterbes. In diesem prominenten Umfeld ist das aufsehenerregende „Fuggereihaus“ der Schauplatz für international besetzte Ausstellungs-, Talk- und Kulturformate.

Es trifft sich gut, dass die von Jakob Fugger „dem Reichen“ gestiftete Reihenhaussiedlung – die schon bald so genannte Fuggerei – in der Jakobervorstadt und damit nur ein paar Schritte vom Rathausplatz entfernt liegt. 67 Häuser mit 142 Wohnungen, die Fuggereikirche St. Markus und die Administrationsge-bäude gruppieren sich um acht Gassen. Mehr als 220.000 Menschen besuchen jährlich die Fuggerei – seit dem Jahr 2006 müssen sie dafür Eintritt bezahlen. Die Einnahmen aus dem Tourismus tragen zum Erhalt der Idylle bei, in der heute rund 150 katholische Augsburger – überwiegend Senioren, aber auch Singles, Paare und ganze Familien – leben. Stadtführerinnen und Stadtführer der Regio Augsburg Tourismus GmbH ernten mit hundertprozentiger Sicherheit ungläubiges Staunen und Raunen, wenn die Rede auf die Miete kommt: 0,88 Euro (!) Kaltmiete zahlt ein Fuggereibewohner – pro Jahr (!). Derselbe Betrag wird für den fuggereieigenen Geistlichen erhoben, die Nebenkosten tragen die Bewohner selbst. Dem Stifter war eine „Nebeneinnahme“ wesentlich wichtiger als das Geld, von dem er ohnehin mehr als genug besaß: Die Fuggerei ist eine sogenannte Seelgerätstiftung: Ihre Bewohner sollen täglich drei Gebete für das Seelenheil des Kaufherrn, Bankiers und Montanunternehmers sowie für dessen Familie sprechen.

Auch außerhalb der Fuggerei ist die Fuggerstadt „voller Fugger“. Die Spuren und Denkmäler dieser Familie liegen eng beieinander: Die Fuggerkapelle in St. Anna und die Pfarrkirche St. Moritz erinnern an zwei weitere, nunmehr 501 Jahre alte Stiftungen Jakob Fuggers „des Reichen“. Die meisten Denkmäler der Fugger liegen an der Augsburger Prachtmeile zwischen dem romanisch-gotischen Mariendom und der Basilika St. Ulrich und Afra, wo Besucher fünf fürstlich ausgestattete Grabkapellen und die Fuggerorgel finden. Dazwischen stehen die Fuggerhäuser: Die ersten Bauten dieses Stadtpalastes hat Jakob Fugger bis 1521 errichten lassen. Den großen Stifter sieht man in Form seines Denkmals in der Fuggerei sowie jeweils auf einem der Flügelbilder der Fuggerorgeln in der Fuggerkapelle und auf der Empore von St. Ulrich und Afra. Das bekannteste Porträt des Augsburger Konzernlenkers, der Päpste und Kaisern, Königen, Kurfürsten und Kardinälen Kredite gewährte, sieht man freilich in der Staatsgalerie in der Katharinenkirche. Der Nürnberger Albrecht Dürer hat den Augsburger Krösus lebensnah und beinahe fotografisch exakt porträtiert. – Candida Sisto, context Augsburg

 

 

Bildmaterial: Mit dem Renaissancerathaus und dem Mariendom ist die 1521 gestiftete Fuggerei eine der ganz großen Attraktionen Augsburgs. Dort erzählen Museen die Geschichte der Fuggerei, ihres Stifters, der Stifterfamilie und der Bewohner dieser Sozialsiedlung. Ihr prominentester Bewohner hieß übrigens Franz Mozart: Eine Gedenktafel erinnert an W.A. Mozarts Urgroßvater. Foto:  Martin Kluger.

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