Di. Apr 16th, 2024

München – Die meisten der rund 60.000 Beschäftigten im bayerischen Bäckerhandwerk müssen früh aufstehen, damit bereits am Morgen Brot und Brezeln frisch in der Verkaufstheke liegen. Für sie fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bei den laufenden Tarifverhandlungen eine kräftige Lohnerhöhung.
Konkret fordert die Gewerkschaft, dass die Löhne einheitlich für alle Tarifgruppen um 380 Euro pro Monat steigen sollen – dies entspricht einer Anhebung des Stundenlohnes um 2,20 Euro. Mit diesem Lohn-Plus würde eine gelernte Bäckereifachverkäuferin mit zwei Jahren Berufserfahrung künftig 16,82 Euro pro Stunde verdienen. Aktuell sind es 14,62 Euro. Gelernte Bäckerinnen bzw. Bäcker kämen mit der Erhöhung auf einen Stundenlohn von 18,51 Euro.

„Wer im Bäckerhandwerk arbeitet, macht einen wichtigen, aber auch anstrengenden Job. Der muss attraktiver werden, wenn die Branche künftig noch die Fachleute finden und halten will, die sie dringend braucht. Nachwuchssorgen plagen die Bäckermeister schon seit Jahren“, sagt Kurt Haberl, der für die Gewerkschaft NGG die Tarifverhandlungen führt.

„Nach wie vor treffen die Beschäftigten die gestiegenen Preise, insbesondere bei Nahrungsmitteln. Die Unternehmen im Bäckerhandwerk konnten steigende Kosten durch überdurchschnittliche Preiserhöhungen abfedern. Damit die Beschäftigten ihre Lebenshaltungskosten stemmen können, brauchen sie auch eine kräftige Einkommenssteigerung“, betont Haberl. Zugleich sei eine bessere Bezahlung ein „Zeichen der Wertschätzung“ für Traditionsberufe, auf die niemand verzichten wolle.

Nach Beobachtung von Gewerkschafter Haberl ist der Fachkräftemangel mittlerweile in nahezu allen der rund 1.300 Innungs-Bäckereien in Bayern zu einem handfesten Problem geworden. „Für manchen Ausbildungsplatz gibt es keine einzige Bewerbung. Die Folgen sind dramatisch. Nach Angaben des Landes-Innungsverbandes waren zum 31.12.2022 nur noch insgesamt 924 Auszubildende als Bäcker/in registriert, vor 10 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele“, macht Haberl deutlich. Und auch bewährte Kräfte verließen die Branche. So wechsele das Verkaufspersonal immer häufiger in den Lebensmitteleinzelhandel. Denn an der Kasse im Discounter werde teils mehr gezahlt als an der Bäckertheke.

Die Tarifverhandlungen zwischen der NGG und dem Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk gehen am 23. Januar in die zweite Runde. Die Gewerkschaft erwartet von den Arbeitgebern, dass diese ihr bisheriges Angebot von 120 Euro monatlicher Tariferhöhung noch deutlich aufbessern. – Elke Gattner, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Landesbezirk Bayern

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