Fr. Mai 14th, 2021

1. Bürgermeister (+ Kreisrat) Johann Wenger

Die Gemeinde Brunnen (1624 Einwohner) liegt zwischen Karlshuld und Schrobenhausen und bildet mit den Gemeinden Berg im Gau, Gachenbach, Langenmosen und Waidhofen die Verwaltungsgemeinschaft Schrobenhausen.

Herr Bürgermeister Wenger, Sie wurden im letzten Jahr erneut zum ehrenamtlichen Gemeindechef gewählt. Wie viele Jahre müssen oder dürfen Sie noch bis zu Ihrer Pensionierung arbeiten?
Diese Periode noch, also 5 Jahre. Dann mache ich – soweit es meine Gesundheit und Fitness zulässt – nur noch meine Landwirtschaft und mein Geschäft (Landhandel Wenger).

Was hat sich in den letzten Jahren in Brunnen hinsichtlich Renovierung und Modernisierung getan?
Wir haben 2008 die Ortsteile Kaltenherberg und Niederarnbach für knapp 400.000 Euro neu kanalisiert. Dies mussten die Bürger über die Herstellungsbeiträge finanzieren. Heuer ist Hohenried dran. Dort werden für rund 1 Mio Euro die Kanäle erneuert und ergänzt. Das war eigentlich für letztes Jahr vorgesehen; wir haben es aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr geschafft. Ein in unserer Region ansässiger Betrieb wird dafür den Auftrag bekommen. Es ist also auch eine kleine antizyklische Wirtschaftsförderung.

Vergeben Sie die Aufträge in erster Linie an einheimische Firmen?
Dies ist nur bei kleinen, nicht ausschreibungspflichtigen Leistungen möglich. Lediglich bei einer beschränkten Ausschreibung dürfen wir uns die Firmen aussuchen, die wir zur Angebotsabgabe einladen. Ab einer bestimmten Auftragssumme müssen Bauvorhaben bzw. Teilgewerke öffentlich ausgeschrieben werden.

Dann gibt es sicherlich auch eine staatliche Förderung?
Nein! Wir bekommen dafür keine Zuschüsse. Kanalmaßnahmen müssen von unseren Bürgern voll selbst bezahlt werden (kostendeckende Einrichtungen).

Die Umgehungsstraße ist noch ziemlich neu?
Die gibt es schon seit 6 – 7 Jahren. Sie ist für die meisten Bürger ein Segen, denn wir haben dadurch vielleicht noch 1/3 des früheren Verkehrs. Wir wollen hier natürlich keinen Dornröschenschlaf abhalten und brauchen auch einen Teil des Verkehrs. Aber wir hatten früher starken Lkw-Verkehr und sind deshalb froh, dass wir jetzt die Umgehungsstraße haben.

Die Straße, die ich meine, wurde aber erst kürzlich gebaut. Da muss erst noch die Feinasphaltdecke aufgebracht werden.
Das ist die Staatstraße Hohenwart – Niederarnbach – Karlshuld. Die ist im letzten Jahr begonnen worden. Damit hat die Gemeinde eigentlich nichts zu tun, nur dass wir in den letzten 6 – 7 Jahren immer wieder beim Straßenbauamt vorstellig wurden mit der Bitte, diese Straße doch auszubauen, weil sie von unseren Bürgern, die zu ihren Arbeitsplätzen fahren müssen, stark frequentiert wird. Damit diese Straße schnell verwirklicht werden konnte, musste alles passen: Grunderwerb, Ausschreibung, Waldgutachten etc. Das haben wir mit dem Straßenbauamt als Baulastträger gut hinbekommen. Im April 2008 kam die Zusage zum Ausbau und jetzt im April geht es weiter mit den Abschlussarbeiten wie Feinschicht und Bankette. Eigentlich war die Fortführung der Straße durch den OT Niederarnbach für heuer vorgesehen. Diese Maßnahme wird dieses Jahr geplant, aber erst nächstes Jahr verwirklicht. Den Kanalbau haben wir vorgezogen, denn es wäre ja unsinnig, zuerst eine neue Straße zu bauen und sie später für die Kanalsanierung wieder aufzureißen!

In den letzten Jahren wurden auch zwei Rad- und Gehwege durch die Gemeinde Brunnen gebaut?
Damit wurde die erste Radweg-Verbindung zwischen den Kreisstädten Neuburg und Schrobenhausen geschaffen. Zusammen mit der Gemeinde Karlskron haben wir beim Staatl. Bauamt auch für die Strecke Pobenhausen-Brunnen einen Geh- und Radweg beantragt.
Das Damoklesschwert „Schulschließung“ hängt zur Zeit über vielen Gemeinden. Wie ist die Schulsituation in Brunnen?
Wir haben das Problem, dass wir zwei Schulverbänden angehören. Für den OT Hohenried haben wir den Schulverband Hohenwart von der Klasse 1 – 9, für Brunnen haben wir die Grundschule in Brunnen mit dem Schulverband Berg im Gau-Langenmosen; die Hauptschule für Brunnen befindet sich ebenfalls in Hohenwart. Dann haben wir nur noch die Grundschule. Diese Grundschulklassen müssen aufgeteilt werden auf die Schulstandorte Brunnen, Langenmosen und Berg im Gau. Die Schulhäuser gehören den jeweiligen Gemeinden. Wir sind gerade dabei, unsere Schule in Brunnen zu renovieren. Die ersten 400.000 Euro sind bereits verbaut worden. Für heuer wurde der 3. Bauabschnitt für ca. 320.000 Euro beschlossen.

Wie schaut es im Bereich Kindergarten aus?
Mit dem 1-gruppigen Kindergarten in Hohenried und den zwei Gruppen in Brunnen können wir eine 100 %-ige Versorgung mit Kindergartenplätzen anbieten. Beide Einrichtungen sind sehr beliebt.

Auf welches Freizeitangebot kann die jüngere Generation zurückgreifen?
Wir haben das Glück, dass unser Dorfleben, unsere Dorfkultur von sehr vielen Vereinen getragen wird. Wir als Gemeinde könnten dies ja gar nicht gestalten und finanzieren. Wir haben über 20 Vereine, von der Feuerwehr, Sportverein, Tennis, Fußball, Stockschießen, Schützenverein, Laienspielgruppe bis hin zum Gartenbauverein. Dort kann sich die Jugend je nach Gusto betätigen. Wir haben auch ehrenamtliche Helfer, die in den Wintermonaten Lesestunden für Kinder anbieten. Für das ehrenamtliche Engagement der Vereine sind wir sehr dankbar. Wir fördern deren Jugendarbeit mit rund 8.000 Euro im Jahr.

Wie hoch ist die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde?
2008 haben wir mit 580.000 Euro Schulden begonnen und mit 430.000 Euro beendet. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von insgesamt 280 Euro. Das ist im landesweiten Vergleich günstig. Davon wurden 50 Euro/pro Kopf in eine gemeindliche Photovoltaikanlage investiert. In 10 Jahren hat sich das amortisiert. Dann können wir den Ertrag daraus als zusätzliche Einnahme verbuchen. Wir haben heuer einige Investitionen vor: weitere Baugebiete, Grunderwerb (ca. 850.000 Euro), Schule, unsere Anteile an den Kanälen – wir werden heuer also neue Schulden machen müssen. Aber wir im Gemeinderat sind der Meinung: Wenn diese Dinge schon notwendig sind, dann ist es heuer günstiger. Erstens bringen Investitionen Arbeit und zweitens gibt es günstige Zinssätze.

Brunnen liegt nah an der Schnellstraße B300. Bringt Ihnen das Vorteile bei der Ansiedlung von Firmen?
Wir haben nur Gewerbeflächen für Kleingewerbetreibende. Bisher haben wir auch keine Anfragen für eine größere Gewerbefläche erhalten. Wenn aber morgen ein Interessant käme und 10 Hektar bräuchte, wäre es sehr wahrscheinlich schnell möglich diese bereit zu stellen. Aber ein Gewerbegebiet zu erschließen und vorzuhalten ist uns zu teuer und zu risikoreich.

Was kostet ein Bauplatz?
Beim Einheimischen-Modell liegt das günstigste Angebot bei 58 Euro/qm zuzüglich Erschließungskosten, wenn jemand zur Eigennutzung bauen will. 10 Euro mehr pro qm kostet es, wenn ein Gemeindebürger ein Mietshaus bauen will. Und im freien Verkauf kostet der qm inkl. Erschließung zwischen 80 und 95 Euro. In der Region liegen war damit gut im Rennen.

Welche Projekte haben Sie als nächstes in Planung?
Außer den bisher besprochenen müssen wir in den nächsten fünf Jahren in Richtung Kläranlage und Kanal in Brunnen etwas unternehmen. Außerdem sind jedes Jahr einige Straßen zu sanieren. Wenn die großen Projekte Schule und Kanäle heuer beendet werden, dann wird es in den nächsten Jahren etwas leichter für uns. Mein Ziel ist es, bei Beendigung meiner Amtszeit in 5 Jahren die Verschuldung mindestens wieder auf den Stand reduziert zu haben, als ich angefangen habe. Da war die Pro-Kopf-Verschuldung bei ca. 300 bis 400 DM, also 150 bis 200 Euro. Bisher haben wir es immer geschafft, trotz Investitionen die Verschuldung niedrig zu halten.

Engagiert sich Brunnen auch im Bereich Natur?
Wir sind eine ländliche und landwirtschaftlich strukturierte Gemeinde und damit eigentlich mitten in der Natur. Wenn wir Baugebiete erschließen, müssen wir auch entsprechende Ausgleichsflächen schaffen und pflegen. Wir haben Anfang dieses Jahres 5.000 – 10.000 Euro für Pflege und Erhalt dieser Flächen ausgegeben. Außerdem versuchen wir mit einer Hochwasserschutz-Maßnahme bei Hohenried ins staatliche Konjunkturprogramm aufgenommen zu werden. Wenn dies funktionieren sollte, wird über diese Maßnahme auch Naturschutz betrieben, denn diese Rückhalte- und Stauräume werden natürlich auch entsprechend gestaltet.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Persönlich: dass ich fit und gesund bleibe, damit ich meine Aufgaben gut ausführen kann. Für die Bürger: dass die Konjunkturaussichten wieder freundlicher und besser werden, denn ich kann mir gut vorstellen, dass gegenwärtig viele Leute um ihren Arbeitsplatz und die Selbständigen um ihre Firma bangen. Positive Aussichten und positive Stimmung im Land, das wünsche ich mir.

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