Do. Okt 28th, 2021

1. Bürgermeister Karl Seitle

Herr Seitle, vor zwei Jahren haben wir Sie zum letzten Mal befragt. Was hat sich in der Zwischenzeit in Karlshuld getan?
Bei uns tut sich ständig etwas! Wir haben z.B. für das Projekt „Barrierefreies Wohnen“ noch ein drittes Haus mit Wohnungen errichten lassen. Insgesamt sind es nun 25 Wohnungen und mittlerweile ist alles verkauft. Dazu kommt noch das Seniorenheim selbst. Dann haben wir für den Bauhof Fahrzeuge angeschafft und vor zwei Jahren ein Neubaugebiet mit 12 Plätzen erschlossen, die innerhalb von 6 Wochen verkauft waren. Deshalb planten wir erneut ein Baugebiet („Erlenweg“) mit 12 Plätzen. Hier wird als nächstes die Teerdecke auf die Erschließungsstraße aufgebracht.

Was kostet derzeit der Quadratmeter Baugrund?
65 Euro erschlossen. Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass auch hier der Preis nicht erhöht wird.

Die Hauptstraße wurde auch saniert. Jetzt fährt man durch Karlshuld und fühlt sich dabei fast wie in Paris…
Ja, es ist wunderschön geworden! Auch von der Bevölkerung hört man nur Positives. Das ist uns wichtig, denn die Baumaßnahme hat ja immerhin 2 Mio Euro an Kosten verursacht. Und weil es den Bürgern gefällt, wollen wir die Neuburger Straße genauso gestalten. Wir sind schon mitten in der Planung, brauchen dazu aber das Straußenbauamt Ingolstadt, weil es eine Staatsstraße ist.

Was kostet der ganze Spaß?
Diese Straße ist zwar ein bisschen kürzer, aber wir rechnen auch wieder mit 1,5 – 2 Mio Euro. Das können wir uns leisten, ohne die Bürger daran beteiligen zu müssen. Darauf sind wir stolz. Denn es ist uns immer ein großes Anliegen, die Bürger finanziell zu schonen, wo immer es geht. Und es ist uns bisher auch immer gelungen.

Vor zwei Jahren haben wir auch über ein neues Sportzentrum gesprochen….
Schon seit 10 Jahren sprechen wir darüber! Inzwischen haben sich alle geeinigt und die Planung konnte eingereicht werden (Kosten ca. 1 Mio Euro). Der Landessportverband benötigt jetzt noch ein paar Unterlagen, damit es einen vorzeitigen Baubeginn geben kann. Vor kurzem wurde auch die neue Zufahrtsstraße zum neuen Sportgelände erstellt, sodass der Sportverein dann auf alle Fälle beginnen kann. In 1 ½ bis 2 Jahren soll es dann fertig sein.

Wie läuft es beim Gewerbegebiet?
Wir haben derzeit keinen Quadratmeter Grund mehr! Aber es sieht gut aus. Wir haben inzwischen im Gemeindegebiet viele Grundstücke aufgekauft, insgesamt ca. 15 Tagwerk, damit wir immer flexibel sind und tauschen oder direkt Baugebiete dort ausweisen können.

Wie viele Einwohner hat Karlshuld?
5.155 Einwohner. Wir sind mittlerweile neben den Städten Neuburg und Schrobenhausen die drittgrößte Kommune im Landkreis. Früher lagen Rennertshofen und Burgheim vor uns. Wir haben auch eine sehr gute Infrastruktur. In Karlshuld fehlt es im Grunde an gar nichts.

Was können Sie uns Neues im Bereich Kindergarten und Schule erzählen?
Wir werden eine Kinderkrippe für 24 Kinder in zwei Gruppen bauen. Baukosten: ca. 1 Mio Euro, aber das wird gut bezuschusst. Die Planung steht und wurde eingereicht. Dann sind wir wohl wieder die ersten im Landkreis, die eine eigene Kinderkrippe haben.

Karlshuld ist immer vorne mit dran. Woher bekommen Sie eigentlich stets als Erster die entsprechenden Informationen?
Ja, mei! Wir lesen halt Zeitung in der Arbeit! (grinst) Und weil wir gerade bei dem Thema „Vorne dran“ sind: Wir bauen auch zwei neue Allwetter-Tennisplätze nach einem neuen System: Die Unterfläche wird asphaltiert. Darauf kommt ein Spezialteppich, auf den der rote Sand eingekehrt wird. Karlshuld ist die erste Gemeinde im Landkreis, die so etwas bekommt.

Welche Baumaßnahmen stehen in der Zukunft an?
Wie schon erwähnt: das Sportzentrum, die Kinderkrippe, ein neuer Verbrauchermarkt wird entstehen und natürlich immer wieder Neubaugebiete, damit auch die Kinder unserer Einwohner sich ein Wohnhaus zu vernünftigen Preisen leisten können und hier bleiben und eine Familie gründen. So sind wir auch gewachsen.

Und irgendwann wird in Karlshuld ein Wolkenkratzer stehen?
Der dann denn Kirchturm verdeckt? Nein, das tun wir uns nicht an. Wir kaufen lieber immer wieder Grundstücke und schauen, dass für den Bürger alles günstig ist. Wir erheben bis heute noch keine Konzessionsabgabe auf den Strompreis! Bis auf zwei Gemeinden tun das alle anderen Kommunen im Landkreis. Zum Wohle unserer Bürger verzichten wir dadurch auf rund 150.000 Euro Einnahmen pro Jahr. Wir haben auch die günstigsten Abwasserpreise (1,40 Euro/cbm) und sehr günstige Wasserpreise (0,45 Euro/cbm). Wir – ich bin Vorsitzender des Wasserzweckverbandes Arnbachgruppe – investieren derzeit auch in eine Wasseraufbereitungsanlage bei Niederarnbach (Kosten 2,5 Mio Euro). Der Bürger wird damit finanziell jedoch nicht belastet.

Immer wieder Investitionen im Millionenbereich. Das lässt vermuten, dass im Karlshulde Rathaus ein Goldesel steht, der die Euros nur so rausspuckt….
Nein, (lacht) wir haben bei der Arnbachgruppe z.B. einen ganz guten Bautrupp und machen alles selber! Der Vorteil der Gemeinde Karlshuld gegenüber anderen Kommunen ist, dass wir keine Schuldzinsbelastungen haben, weil wir stets bei allen Bauprojekten darauf geachtet haben, ohne Schulden bauen zu können. Sie wissen ja – ich will und kann bei der Einweihung immer sagen: „Und zahlt is auch schon!“ Und das nun schon seit 25 Jahren! Wir haben also die Bauprojekte schon längst finanziert, wenn die Zuschüsse dafür eintreffen. Mit diesem Geld können wir dann schon wieder das nächste Projekt anschieben.

Aufgrund der Wirtschaftskrise wird die Verschuldung der Kommunen ziemlich steigen?
Eine Gemeinde im Lkr. PAF hat 20 Mio Schulden bei 8.000 – 9.000 Einwohnern. „Des ist ja narrisch!!!“ Sicherlich werden die Einnahmen gewaltig sinken, vor allem wegen des Einbruchs bei der Gewerbesteuer. In Karlshuld hatten wir immer so ca. 800.000 Euro an Gewerbesteuer. Das ist nicht viel für so eine Gemeinde. Der Vorteil dabei ist, dass unser System deshalb nicht auf die Gewerbesteuer aufgebaut ist. Für uns ist das eine Einnahme, die auch nicht schlecht ist, aber wenn sie weg brechen würde, geht die Welt davon auch nicht unter.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Dass das Sportzentrum endlich gebaut und fertig gestellt wird. Dass wir im Gemeinderat auch weiterhin von Streitigkeiten verschont bleiben und unsere Projekte 1-stimmig beschließen. Dass unsere Bürger immer zufrieden mit mir sind, denn dann bin ich es auch. Mein Ergebnis bei der Kommunalwahl 2008 mit 97,3 % der Stimmen ist eine schöne Bestätigung und hat mich sehr gefreut.

Wie lange möchten Sie denn noch Bürgermeister bleiben?
Meine fünfte Amtszeit dauert bis 2014. Bei der nächsten Wahl wäre ich also 64 Jahre alt. Dann war ich 30 Jahre lang Bürgermeister und 45 Jahre lang bei der Gemeinde beschäftigt. Bis dahin kann ich noch überlegen, was ich dann mache. Aber man muss ja erst mal 64 werden!

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