Mo. Mrz 1st, 2021

1. Bürgermeister Heinrich Seißler im Interview

Herr Bürgermeister Seißler, vor ca. zwei Jahren haben wir das letzte Mal über die Gemeinde Königsmoos berichtet. In dieser Zeit ist sicherlich Einiges passiert?
Wir haben 2009 vieles begonnen, einiges auf den Weg gebracht und auch fertig stellen können. Beginnen wir beim Gewerbegebiet, dessen Erweiterung wir geplant hatten. Im alten Bereich konnten wir bis auf die Deckschicht, die im kommenden Frühjahr aufgebracht wird, alles fertig stellen. Auch der Bereich der Erweiterung wurde mit der Tragschicht so weit hergerichtet, dass wir nun wieder gut 15.000 qm Gewerbefläche zur Verfügung haben.

Gibt es auch schon ein paar Interessenten?
Momentan haben wir zwei: einen ansässigen Handwerker, der eine Fläche im alten Teil in den nächsten Wochen kaufen wird und einen Unternehmer, der sich hier ansiedeln will. Bis auf eine Fläche ist dann der alte Teil komplett vergeben. Für den neuen Bereich gibt auch Interessenten, mit denen wir gerade Gespräche führen. Aber das ist noch nicht spruchreif. Meistens sind es Handwerker, die ihr Unternehmen erweitern wollen und daher einen günstigen Gewerbegrund bei uns suchen.

Ein anderes Bauvorhaben, das neue Feuerwehrhaus in Obermaxfeld, wurde auch inzwischen fertig gestellt?
Ja, das ist eine ganz tolle Sache geworden, zusammen mit dem Dorfplatz. Mit viel Eigenleistung der Feuerwehr (über 12.500 ehrenamtliche Stunden) wurde das Gebäude errichtet. Die neue automatische Schlauchwaschanlagen gehört zu den modernsten in Bayern und wird von allen vier Königsmooser Wehren benutzt. Sehr großes Lob fand auch der sehr schön gestaltete neue Dorfplatz, der nun zum zentralen Mittelpunkt für die Bewohner von Obermaxfeld werden soll. Bei dessen Planung und Gestaltung waren auch die Bürger in Form eines eigenen Arbeitskreises „Dorfplatz“ mit eingebunden. Außerdem wurde ein großer Festplatz für Dorffeste und ein Spielplatz erstellt. Im Sommer konnten wir die Einweihung feiern. Außerdem haben wir einige Grundstücksverhandlungen bezüglich der Gehweglücken zu Ende gebracht. An der Kehrhofstr. und der Grimolzhausener Str. in Klingsmoos möchten wir heuer beginnen.

In der Ortsmitte von Klingsmoos entstand ein neues Wohnviertel?
Wir bemühen uns stets, in den Ortsteilen Untermaxfeld, Obermaxfeld, Ludwigsmoos und Klingsmoos immer eine gewisse Anzahl an Bauplätzen für den normalen Häuslebauer zur Verfügung zu stellen, um ein kleines bisschen Einfluss nehmen zu können, wie die bauliche Entwicklung in unserer Gemeinde weitergeht. Wir wollen gewisse kleine Zentren schaffen.

Was kostet der qm Baugrund bei Ihnen?
Das ist unterschiedlich. Im unteren Bereich, weil der Untergrund ja nicht gar so tief ist, um die 50 Euro pro qm, teilerschlossen, d.h. Straße und Gehweg ist mit dabei, es kommt also nur noch Wasser und Abwasser hinzu. Im oberen Bereich liegen wir bei 40 – 45 Euro pro qm. Weil hier das Bauen wegen der Gründung teurer wird, ist der Baugrund etwas günstiger.

Im Vergleich zu Neuburg und Schrobenhausen sind das natürlich schon sehr günstige Preise.
Ja, die Grundstücke sind billig, aber man muss natürlich dazu sagen, dass wir nicht die Infrastruktur einer Stadt bieten können, auch wenn wir uns bemühen, den Bürgern wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten und Arztbesuche zu ermöglichen. Wir liegen auch relativ nah an den Städten: Neuburg ist 9 km entfernt, Schrobenhausen 10 km, Ingolstadt 25 km, Augsburg 40 km, München 80 km. Das sind heutzutage keine Entfernungen mehr, wenn man bedenkt, dass man in Großstädten wie München auch schon teilweise 20 km quer durch die ganze Stadt fahren muss, um zur Arbeit zu kommen.

Das Thema „Kindergarten“ hat die Gemeinde auch ziemlich beschäftigt?
Das ist ein sehr heißes Thema, das wir zwei, eigentlich sogar drei Jahre heftig diskutiert haben und durch den Bürgerentscheid im letzten Jahr entschieden worden ist. Die Erweiterung wird in Ludwigsmoos vonstatten gehen. Wir werden dort für eine zusätzliche Gruppe bauen, um die bestehenden Gruppen zu entlasten und kleiner halten zu können. Auch eine Krippengruppe für Kinder von 0 – 3 Jahren soll dort untergebracht werden können. Das ist eigentlich das größte Projekt, das wir 2010 angreifen werden und es ist auch wichtig. Die Berufstätigkeit der Eltern ist einfach gegeben. Man muss heutzutage oftmals zu zweit in die Arbeit gehen. Und dann sollen die Kinder auch ordentlich untergebracht sein. In der Krippengruppe werden maximal 12 Kinder betreut. Je nach Entwicklung der Gemeinde und des Bedarfs können wir das ausweiten. Wir müssen erst mal sehen, was die Zukunft uns bringt. Wir wollen eine kontinuierliche, leichte Weiterentwicklung beim Bevölkerungszuwachs.

Die ganze Welt klagt wegen der Wirtschaftskrise. Inwieweit hat der Konjunktureinbruch Ihre Gemeinde erwischt?
Nach momentanen Stand hat es uns noch nicht so schlimm erwischt. Wenn die Arbeitslosigkeit bei uns in der Region 10 nicht extrem schlechter wird, dann kommen wir auch weiterhin mit einem blauen Auge davon. Wir haben natürlich auch einen gewissen Einbruch im Gewerbesteuerbereich, müssen also mit weniger Geld zurecht kommen. Und wenn die Leute arbeitslos werden, sinkt auch unsere Einkommenssteuerbeteiligung. Man muss also hinsichtlich der Finanzierung von Bauvorhaben vorsichtig planen. Etwas auf Pump finanzieren, zu Lasten kommender Generationen – das würden wir auf gar keinen Fall machen.

Wie hoch ist denn derzeit die Pro-Kopf-Verschuldung?
Wir liegen momentan bei 17,75 Euro! Ja, das ist im Grunde fast keine Verschuldung. Es kann sein, dass sie durch ein größeres Bauvorhaben mal wieder etwas nach oben geht, denn als Kommune müssen wir antizyklisch investieren, aber nur soviel, dass wir die Finanzierung in den nächsten Jahren ohne Probleme stemmen können.

Wasser, Kanal etc. sind also bei Ihnen tiptop?
Abwasser wird immer wieder ein Thema bleiben. Wir haben es im letzten Jahr geschafft, die letzten Häuser an die zentrale Abwasserversorgung anzuschließen, sind also komplett versorgt. Alle, die nicht angeschlossen sind, das sind ca. 30 Höfe, liegen weit außerhalb, sodass es nicht Sinn macht. Diese Bürger haben die biologische Nachklärung aber privat erledigt.

Wenn man Richtung Schrobenhausen fährt, ist linker Hand eine Biogasanlage. Ist das eine private oder gemeindliche Investition?
Sie wird privat betrieben. Biogasanlagen gehören zum Bereich „regenerative Energien“, sind daher interessant, geben aber immer wieder Emissionen ab. Deshalb muss man immer darauf achten, diese so niedrig wie möglich zu halten, vor allem in Wohngebieten. Ich bin für Biogasanlagen, wenn die Abwärme genutzt werden kann, aber auch dann sollten sie nur in Außenbereichen stehen, sodass Bewohner nicht dadurch belastet werden. Gleiches gilt meiner Meinung auch für Photovoltaik-Anlagen auf Bodenflächen. Sie gehören auf die Dächer und erst wenn alle Dächer voll sind, dann können wir darüber nachdenken, ob wir unsere Landschaft mit Photovoltaik zupflastern. Das liegt vielleicht auch an der Struktur unserer Gemeinde, weil aufgrund unseres Straßennetzes die Anlagen immer irgendwie an Wohnhäuser grenzen würden.

Man sieht, dass in letzter Zeit fast jedes Haus eine solche Anlage besitzt.
Solaranlagen für den Brauchwasserbereich oder auch für die Heizungsunterstützung werden auch weiterhin von unserer Gemeinde mit 500 Euro für Planung und Ausführung bezuschusst. Das ist unser Beitrag für die Förderung regenerativer Energien und sie ist nicht mehr alltäglich. Für Photovoltaikanlagen gibt es von uns keine Zuschüsse mehr. Dafür kann man ja mit der Einspeisevergütung rechnen.

Welche Planungen haben Sie für 2010?
Wie gesagt, die Fertigstellung des Gewerbegebiets, die Beseitigung der Gehweglücken Grimolzhausener Straße und Kehrhofstraße und den Bau unseres Kindergartens mit Krippengruppe. Das größte Bauvorhaben ist natürlich der Kindergarten und die Weiterplanung der ökologischen Sanierung unserer Schule. Inwieweit wir diese uns heuer finanziell leisten können, weiß ich noch nicht.

Bisher haben wir nur über die schönen Dinge gesprochen. Was bereitet Ihnen Schmerzen?
Die zum Teil heftigen Diskussionen um den Kindergarten liegen mir noch immer sehr schwer im Magen. Natürlich ist auch die Finanzierung der Vorhaben immer so eine Sache, die manchmal Bauchschmerzen verursachen kann. Aber wie schon erwähnt: Die finanzielle Lage ist bei uns noch so ordentlich, dass wir hier weiter arbeiten können und wir achten auch darauf, dass dies weiterhin bleibt.

Die Regierung muss angesichts der Milliardenlöcher im Haushalt sparen, sparen und nochmals sparen. Das heißt wohl, dass die Gemeinden in Zukunft weniger Unterstützung bekommen werden?
Es ist anzunehmen, dass die Zuschüsse von verschiedenen Stellen geringer werden. Man muss halt immer überlegen: Kann man eine Baumaßnahme mit den Zuschüssen, die man noch bekommt, finanzieren? Bekommt man überhaupt noch Zuschüsse? Dementsprechend müssen die Vorhaben weitergeführt werden. Kontinuierlich, mit Bedacht und nicht ins Blaue hinein. Wir haben uns ja noch nie weit aus dem Fenster gelehnt, was das Finanzielle anbelangt, sondern immer solide Finanzpolitik betrieben. So soll es auch weiter gehen, hoffe ich.

Was möchten Sie Ihren Bürgern mitteilen und wünschen?
Für das neue Jahr alles Gute – das ist klar! Gesundheit, ein bisschen Glück, dass wir alle miteinander weiterhin im Gespräch bleiben, wenn Probleme da sind. Dass sich die Bürger weiterhin einbringen, denn miteinander kann man etwas bewegen. Das kann von Vereinsarbeit wie z.B. der Feuerwehr bis hin zur Schule, einfach alles sein. Ich wünsche mir, dass die Leute stets das Ganze betrachten und miteinander versuchen, das Beste daraus zu machen. Nur das Miteinander und nicht das Gegeneinander hilft einer Kommune weiter. Gerade in einer so kleinen Gemeinde wie wir es sind, kann man miteinander noch ganz viel bewegen, was in einer größeren Kommune vielleicht gar nicht mehr möglich ist.

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