Sa. Jul 31st, 2021

1. Bürgermeister Seißler im Interview

Herr Bürgermeister Seißler, was gibt es Neues in Ihrer Gemeinde?
Die turbulente Zeit mit dem Bürgerentscheid „Standort Kindergarten“ haben wir hinter uns gebracht. Mittlerweile wurde der Rohbau erstellt; die Installationen sind gelaufen. Ich bin guter Dinge, dass der Innenausbau bis zum neuen Kindergartenjahr fertig ist. Dann haben wir endlich wieder einen zeitgerechten, modernen Kindergarten in der Gemeinde. Er wird auch eine Kinderkrippe für Kinder unter 3 Jahren beherbergen. Wir haben das Baugebiet Bürgermeister-Haberl-Straße in Ludwigsmoos soweit fertiggestellt. Im letzten Vierteljahr wurden bereits die ersten Plätze verkauft. Beim Baugebiet Bürgermeister-Herb-Straße in Klingsmoos ist die Planung erstellt und auch bereits ein Beschluss gefasst worden. Wir können also heuer mit dem Straßen- und Kanalbau usw. beginnen. Wenn es gut läuft, stehen hier im nächsten Jahr auch Baugrundstücke zur Verfügung.

Was kostet ein Bauplatz?
Das ist immer ein bisschen unterschiedlich, je nach dem in welchem Bereich die Plätze sind: Im Gebiet Stengelheim/Untermaxfeld wird der Grund von der Gemeindeseite her für ca. 49 Euro/qm teilerschlossen verkauft, in der Bürgermeister-Haberl-Straße in Ludwigsmoos kostet der Quadratmeter 39 Euro und in dieser Größenordnung wird der Preis auch im Baugebiet Bürgermeister-Herb-Straße in Klingsmoos liegen.

Das ist aber schon ein guter Preis im Vergleich zu anderen Gemeinden oder zum Stadtgebiet Neuburg!
Ja, das sind sehr gute Preise! Sie werden in keiner anderen Gemeinde einen qm-Preis für Baugrund unter 50 Euro bekommen. Wir sind familienfreundlich. Wir wollen auch in den nächsten Jahren unser kontinuierliches Wachstum halten. Langsam, aber stetig – immer so, dass wir mit den strukturellen Maßnahmen hinterher kommen.

Wie lief es in Ihrer Gemeinde wirtschaftlich?
Von den Vorzeichen her wurde das Jahr 2010 wesentlich schlechter eingeschätzt, als es rückblickend war. Wir haben das Glück gehabt, dass uns die Krise und ihre katastrophalen Auswirkungen, die uns prophezeit wurden, deutschlandweit und auch bei uns in der Region nicht so stark getroffen hat, wie befürchtet. So konnten wir das Jahr 2010 auch wesentlich besser abschließen, was die finanzielle Situation der Gemeinde angeht, als auch hinsichtlich der Auswirkungen auf das Handwerk. Der Auftragsrückgang war bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet worden war.

Hat sich etwas beim Gewerbegebiet getan?
Wir konnten in unserem Gewerbegebiet, das wir letztes Jahr um einige 1000 qm erweitert haben, gleich drei Plätze verkaufen, was eigentlich ganz außergewöhnlich ist. Es ist zwar keine Großindustrie, weil wir ja weder Autobahnanschluss noch eine Bundesstraße in der Nähe haben, aber wir bieten unseren örtlichen Handwerkern und denen in der näheren Region die Möglichkeit, Gewerbeflächen sehr günstig erwerben zu können. Das haben wir bisher immer geschafft und da wollen wir auch zukünftig daran arbeiten. Durch die guten Verkäufe wird die Fläche, um die wir erweitert haben, schon wieder knapp. Wir müssen also weiter schauen, ob wir nicht neuen Grund erwerben können. Ich hoffe natürlich auch, dass die tollen Arbeitslosenzahlen, die wir in der Region 10 haben, weiter Bestand haben.

Und wie schaut es in Königsmoos bezüglich Arbeitslosigkeit aus?
Wir gehören zum Arbeitsamt Neuburg und haben mit 2,3 % Arbeitslosigkeit einen sehr guten Wert. Ich glaube, nur Eichstätt ist mit 2,1% besser. Auch die 2,4% in der Region 10 sind sehr gut. Das ist für uns sehr wichtig ist, denn die Einkommenssteuer-Beteiligung ist bei uns im Haushalt ein wesentlich größerer Betrag ist als die Gewerbesteuereinnahmen. Aber der Mix macht es natürlich aus, dass es für uns leichter wird, unsere Aufgaben zu erfüllen.

Die Gemeinde Königsmoos hat doch viele Betriebe oder?
Kleine Handwerker und Gewerbeanmeldungen haben wir ein paar Hundert. Das sind die, die uns die Gewerbesteuer bringen. Das ist auf der einen Seite sicherer, als nur von einem einzigen Großbetrieb abhängig zu sein; andererseits ist es für uns in der Verwaltung ein wenig aufwändiger vom Arbeitsanfall her.

Viele kleinere Betriebe sind doch besser als ein einziger großer!
Ja! Wenn die Arbeitsplätze und die Gewerbesteuer von einem Betrieb abhängig ist, wird es schwierig, wenn diese Firma in Turbulenzen gerät. Es fallen Arbeitsplätze weg oder es herrscht Kurzarbeit und die Gewerbesteuer bricht gewaltig ein. Dann wird es ganz schwierig.

Welche Preise verlangen Sie im Gewerbegebiet?
Fast das gleiche wie im oberen Bereich für unsere Baugrundstücke, nämlich 39 Euro/qm. Das haben wir es bisher immer geschafft, weil wir den Grund relativ günstig erwerben konnten und die Verhandlungen mit den Eigentümern sich im Normalfall sehr vernünftig und kooperativ gestalten. So lange dies so bleibt, hoffe ich, dass wir dieses Preisniveau halten können.

Wie viel Fläche steht noch zur Verfügung?
Ca. 6.000 qm! Wenn man bedenkt, dass wir die gleiche Fläche im letzten Jahr veräußert haben, dann haben wir nicht mehr allzu viel Zeit, nach neuem Grund Ausschau zu halten und zu erschließen.

Im vorigen Jahr ist einiges passiert. Auf was sind Sie stolz?
Dass wir die Turbulenzen um unseren Kindergarten gut überstanden haben und bei einer konstruktiven Zusammenarbeit im Gemeinderat und in der Gemeinde sind. Wir haben den Bau in relativ kurzer Zeit schon ziemlich weit gebracht. Es ist auch schön, dass wir unser Radwegenetz erweitern konnten. Wir haben jetzt noch eine Lücke an der 2050 Kehrhof – St. Wolfgang-Straße, die wir hoffentlich dieses Jahr in Angriff nehmen können und hätten noch an der Ehekirchener Straße ein Stück, das in die Nachbargemeinde Ehekirchen führen soll. Das ist meinem Bürgermeisterkollegen, Herrn Gamisch und mir sehr wichtig. Er hat die Vorarbeit geleistet, was die Grundstücksverhandlungen betrifft. Wir wollen es gemeinsam in Angriff nehmen.

Was planen Sie für dieses Jahr?
Zum einen die erwähnten Geh-/Radwege, sowie den Gehweg an der Grimolzhausener Straße. Leider hat uns jetzt der Winter einen Strich durch die Rechnung gemacht, sonst wäre der Unterbau bereits ausgeführt. Für das Baugebiet Bürgermeister-Herb-Straße soll die Erschließung erfolgen, Grundstücksgeschichten für unser Gewerbegebiet stehen an, die Fertigstellung unseres Kindergartens und die Planung für die Sanierung unserer Schule.

Apropos Schule – bleibt sie in der Gemeinde?
Die Grundschule bleibt definitiv hier. Wir haben alle unsere Klassen von der ersten bis zur vierten zweizügig und angesichts der positiven Tendenz bei Geburten und Zuzügen werden unsere Klassen auch zweizügig bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Kultusministerium 2-zügige Grundschulen schließen würde.

Was geschieht mit dem leer stehenden ehemaligen Schulgebäude in Klingsmoos?
Das möchte ich dieses Jahr einer sinnvollen anderen Nutzung in Richtung Seniorenbetreuung zuführen. Das liegt mir sehr am Herzen, ist aber noch nicht spruchreif. Wir müssten das Gebäude herrichten und einen Betreiber finden, der das Ganze übernimmt. Das wäre eine zukunftsweisende Bereicherung für die ganze Gemeinde.

Wie viele Einwohner hat Königsmoos?
4350! Karlshuld ist die größte Gemeinde im Landkreis, Burgheim und Rennertshofen haben noch ca. 200 Einwohner mehr als wir. Aber die holen wir noch ein (lacht)! Wir könnten ja schon noch schneller wachsen, aber ob das noch gesund für unsere Gemeinde wäre? Ich bin davon überzeugt, dass dieses langsame Wachstum, das wir seit über 10 Jahren haben, besser ist, damit man alle infrastrukturellen Maßnahmen wie Kindergarten, Schule, Abwassersystem, Straßen, Wege im gleichen Maße mit erstellen kann.

Wie viele Kinder sind im Kindergarten?
115 Kinder in 6 Gruppen und eine Krippengruppe.

Königsmoos ist ja eine ziemlich lange Gemeinde, reicht von fast Pöttmes bis fast Karlshuld. Da sind es schon ein paar km zum Kindergarten.
Wir bieten in unserem Kindergarten einen Fahrdienst an. Die Kinder werden vor der Haustür abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht. Ich weiß nicht, ob das noch eine andere Kommune im Landkreis anbietet. Der Kindergartenbus kostet 35 Euro im Monat. Das haben wir anpassen müssen, wobei es natürlich nie ganz kostendeckend ist. Ca. 70 % der Kindergartenkinder nutzen diesen Service. Auch die sehr langen Öffnungszeiten von 7.30 Uhr bis 17 Uhr, sowie die unterschiedlichen Buchungsmöglichkeiten ab 4 Stunden kommen den Eltern sehr entgegen.

Zum Schluss: Was wünschen Sie unseren Lesern fürs neue Jahr?
Gesundheit, ein bisschen Glück kann auch nicht schaden, Freude und Erfolg im Beruf.

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