Mi. Jun 16th, 2021

Stilstand ist Rückschritt…

Mit 1500 Einwohnern ist Langenmosen eine überproportional gewachsene und wachsende Ortschaft der Verwaltungsgemeinschaft Schrobenhausen. Gerne sprechen wir zum Jahreswechsel mit dem 1. Bürgermeister und Kreisrat Thomas Hümbs über die Entwicklung und die Zukunftsaussichten dieser starken Gemeinde.

Wirtschaftsstandort Langenmosen – Gewerbegebiet ist voll
Am Ortsende in Richtung Schrobenhausen, an der Staatsstraße gelegen, wurde vor Jahren ein Gewerbegebiet mit 40 Quadrathektar erschlossen. „Von öffentlicher Hand ist hier kein Platz mehr vorhanden.“ Verkündet der Bürgermeister zufrieden. Hauptaugenmerk bei der Umsetzung wirtschaftlicher Vorhaben ist für uns, dass der Bestand von heimischen Betrieben gesichert bleibt. Durch die acht Kilometer entfernte B300 ist eine Ansiedlung auswärtiger Betriebe eher nachrangig, haben wir hier doch einen nicht unerheblichen Standortnachteil..“ In seiner ihm eigenen Bescheidenheit verweist der erste Bürgermeister aber in erster Linie auf den Fleiß der heimischen Unternehmer bei der Generierung des Erfolges und nicht auf seine Leistung; die sei doch eher eine Verpflichtung beim zur Verfügung stellen von optimalen Rahmenbedingungen anzusiedeln…

Mammutprojekt Kanalisation und Kläranlage…
Wie wohl in jeder Gemeinde des Landkreises so sind auch die Arbeiten an der Kanalisation hierzulande eine immerwährende Bürde für die Einwohner. Hier sind Gelder gebunden, di e man nur allzu gerne in andere Segmente zukunftsorientiert einsetzen möchte. Trotzdem macht Langenmosen bei der Bewältigung dieses Kraftaktes stets Fortschritte. „In 2011 konnten wir den Teilbereich Burgstraße fertigstellen. Unter anderem sind wir jetzt in die Planungen einer umfangreichen Straßensanierung eingestiegen, den wir in 2012 sukzessive umsetzen möchten.“ Gibt Thomas Hümbs gerne Auskunft. Die Sanierung der Kanalisation ist laut Hümbs ein absoluter Kraftakt für jede Gemeinde in der Region, da zwar schon der Anschluss selbst an die Finanzierung beteiligt ist, jedoch die Gemeinde einen Anteil von ca. 25 % am Gesamtaufkommen zu leisten hat.

Kindergarten und Grundschule sind Lebensader
Nicht viele Gemeinden in der Größe Langenmosens verfügen noch gleichzeitig über einen Kindergarten und eine Grundschule. In 2011 konnte die Sanierung der Grundschule abgeschlossen werden. „Die Situation, dass wir im Schuljahr 2011/12 nur noch zwei Klassenlinien voll besetzt haben, ist für mich höchst unbefriedigend. Die konzeptionelle Umgestaltung mit dem Wegfall der Teilhauptschulen, also die fünften und sechsten Klassen, brachte keinen Fort-, sondern eher einen Rückschritt. Unser Grundsatz und unsere Grundbestrebung muss sein, dass die Kinder in der Gemeinde bleiben – denn Kindergarten und Schule sind unsere Lebensader und machen den Ort für Ansiedlungen attraktiv.“ Unterstreicht Hümbs mit Nachdruck. Überdies sind wir aber neben unserem örtlichen Engagement durch die Mitgliedschaft im Schulverband Schrobenhausen auch an der Finanzierung der Mittelschule Schrobenhausen beteiligt. Dies stellt für uns eine große Herausforderung, aber auch eine wichtige Investition für die Zukunft dar. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir bildungsspezifisch in einer Phase des großen Umbruchs stecken, der nicht nur den Gemeinden, sondern auch den Städten alles abverlangen wird…“

Die Rücklagen übersteigen die Schulden…
In Langenmosen liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 250 Euro. Das ist im Landkreisdurchschnitt mit ein Spitzenwert. Mit Recht stellt Hümbs fest, dass die Rücklagen der Gemeinde die Schulden übersteigen. „Trotzdem ist das Wirtschaften in einer Gemeinde unserer Größenordnung immer ein Tanz auf des Messers Schneide. Die Investitionen insbesondere in das Bildungswesen, in den Straßen- und Kanalbau etc. sind zum Teil unabwägbare Größen, die jederzeit die Verschuldung stark ansteigen lassen können. Wir lassen uns deshalb auch von dem derzeitigen guten Ergebnis nicht blenden und sorgen entsprechend vor… Trotz allem haben wir es uns erlaubt den Radweg nach Berg im Gau fertigzustellen, der leider nur mit 50% bezuschusst wurde. Die Lebensqualität der Bürger stand hier naturgemäß im Vordergrund“, stellt der Bürgermeister klar.

Wünsche für die Zukunft
In zwei Jahren läuft die letzte Periode meiner Amtszeit ab. Es gibt nicht mehr viele Bürgermeister, die in diesem Landkreis ehrenamtlich wirken. „Beruflich bin ich Polizeihauptwachtmeister und möchte mich nach Ablauf meiner Amtszeit wieder voll meinem Beruf widmen. Beide Jobs nebeneinander sind machbar, aber auf Dauer absolut kräftezehrend. Ich werde schließlich nicht jünger. Wichtig ist für mich die Erreichung meiner Ziele. Und da kann ich nach über 20 Jahren Bürgermeisteramt auf vieles zurückblicken, dass mir Freude machte und dass die Nachhaltigkeit unterstreicht mit der ich viele Projekte in Angriff genommen habe. Um meine Nachfolge ist mir nicht bange. Hier gibt es viele kompetente und engagierte Bürger, denen ich zutraue zum Wohle unserer Bürger vieles zu bewegen.“

Den Wünschen des Langenmosener Bürgermeisters Thomas Hümbs gibt es wohl nichts hinzuzufügen und so bedankt sich Brennessel für dieses sehr offene und herzliche Interview.

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