Mi. Jun 23rd, 2021

1. Bürgermeister Fridolin Gößl

Herr Bürgermeister Gößl, in Oberhausen scheint derzeit alles gut zu laufen?
Ja, es herrscht auch ein sehr konstruktives und vertrauen-volles Verhältnis im Gemeinderat, einfach ein gutes Miteinander.

Im Osten von Oberhausen ist ein vollkommen neues Wohnviertel entstanden.
Ja, das Baugebiet Strassäcker, das bereits zu 80 % veräußert ist. Wer dieses Baugebiet näher betrachtet, stellt fest, dass wir bei der Planung sehr auf die Situierung der Häuser geachtet haben, damit möglichst große Abstände zu den Nachbargebäuden entstehen.

Was kostet der qm Bauland?
Das ist unterschiedlich. Im Baugebiet Strassäcker in Oberhausen voll erschlossen 102 Euro, in Kreut 89 Euro und in Sinning 75 €. Für die Nähe zur Stadt Neuburg ist der Baulandpreis in Kreut ein sehr guter Preis. Die Ansiedlung von Wohngebäuden im Baugebiet „Am Burgholz“ in Kreut floriert in diesem Jahr. 6-7 Grundstücke wurden dort verkauft und es entstehen momentan fast gleichzeitig 5 Häuser. Ich denke, wenn die Baugebiete und die Gemeinde nicht so attraktiv wären, hätten wir nicht so einen Zulauf.

D.h. die Gemeinde spürt die Wirtschaftskrise nicht bzw. nicht so stark?
Ich würde es mal anders formulieren: Wir spüren im positiven Sinne das Umdenken der Menschen. Statt in Wertpapiere zu investieren, von denen man nicht weiß, was wirklich dahinter steckt, wird jetzt wieder lieber in reale Werte wie Immobilien investiert. Davon profitiert meiner Meinung nach derzeit unsere Gemeinde. Die Rezession selbst wird sich erst bemerkbar machen, wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt.

In Unterhausen wurde schon vor ein paar Jahren die Bebauung des Wohngebiets am Flachsberg begonnen. Wie weit ist hier das Ganze?
Die Ausweisung ist ja schon fast wieder 10 Jahre her. Hier ist alles veräußert und bebaut. Wir haben zur Zeit nur noch im Ortsteil Sinning zwei Bauplätze im Baugebiet „Am Lohwald Ost“, in Oberhausen acht Plätze im Baugebiet „Strassäcker“ und im Ortsteil Kreut ca. 25 Plätze im Baugebiet „Burgholz“. Danach muss der Gemeinderat sich überlegen, wie sich die Gemeinde weiter entwickeln soll. Wir legen ja sehr großen Wert auf eine gute Infrastruktur, d.h. dass die Grundschule gut ausgestattet und betreut wird, die Kinderbetreuung im Kindergarten forciert wird und wir eine Kinderkrippe anbieten können. Wir wollen die Infrastruktur auch dem demographischen Wandel anpassen, was wir mit der Wohnanlage „Lebensräume für Jung & Alt“ und dem Seniorenbüro realisieren konnten. Das ist ein Pilotprojekt, das vom Sozialministerium gefördert wird. Von 90 Kommunen, die sich darum beworben haben, wurden 14 ausgewählt. Wir waren die kleinste Kommune. Mit dem Projekt wollen wir älteren Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten, noch lange in ihrer vertrauten Heimatgemeinde wohnen bleiben zu können

Wie ist die aktuelle Situation im Bereich Schule?
Wir haben eine Grundschule mit einer sehr innovativen Rektorin. Wir bieten u.a. jahrgangsübergreifende Klassen an. Dabei werden die 1. und 2. Klasse gemeinsam unterrichtet.

Wie sieht es finanziell in der Gemeinde aus?
Der Haushalt ist in diesem Jahr ausgeglichen. Ob und in welcher Höhe Steuerausfälle kommen, das müssen wir erst noch abwarten. Die Spielräume werden aber immer kleiner, auch wenn wir bei Baumaßnahmen stets versuchen, durch Fördermittel die finanziellen Belastungen der Gemeinde zu reduzieren. In der Wifosiedlung wird mit dem Straßenausbau begonnen und der Dorfplatz in Sinning steht an. Die anderen Baumaßnahmen wie die Wohnanlage „Lebensräume für Jung und Alt“ oder die Kanalbaumaßnahmen wurden über unser Kommunalunternehmen abgewickelt, sodass wir uns dadurch einen gewissen Spielraum erhalten konnten. Die Kosten der Wohnanlage wollen wir über die Mieten und über den Verkauf der einzelnen Wohnungen refinanzieren und im Abwasserbereich durch die Gebühren und Verbesserungsbeiträge. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in unserer Gemeinde bei 160 Euro.

Haben sich in den letzten Jahren neue Betriebe angesiedelt?
Ja, insgesamt drei Unternehmen. Für Gewerbetreibende ist die unmittelbare Anbindung an die B 16 ein großer Vorteil. Die Kombination gewerbliche und wohnbauliche Nutzung im Ortsteil Kreut, sowie das reine Gewerbegebiet in Kreut als auch das Industriegebiet in Oberhausen bieten insgesamt umfangreiche Möglichkeiten für gewerbliche Ansiedlungen.

Was bereitet Ihnen derzeit am meisten Kopfzerbrechen?
Die Breitbandversorgung! Ein Gemeindeteil ist praktisch komplett unterversorgt! Wir sind derzeit mit verschiedenen Anbietern in Verhandlung, um dieses Problem zu lösen. Die Berufs- und Schulwelt hat sich in den letzten Jahren total verändert. Überall wird auf das Internet zugegriffen. Wenn man beim Aufruf einer Webseite mit Bildern aber nebenbei gemütlich Kaffee trinken kann, bis es endlich soweit ist, dann entspricht dies nicht mehr den heutigen Standard-Anforderungen. Ich weiß auch von anderen Bürgermeisterkollegen, die Bauplätze teilweise nicht verkaufen oder Hausbesitzer ihre Wohnungen nicht vermieten können, aufgrund der Nicht- oder Unterversorgung beim Breitband. Auf Dauer kann dies zu einer Abwertung einer Immobilie führen. Ich sehe deshalb die Versorgung mit DSL als wichtigen Faktor für den ländlichen Raum, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Das Breitband wird in den nächsten Jahren noch viel mehr an Bedeutung gewinnen, weshalb wir so schnell wie möglich eine Lösung anbieten wollen.

Liegt Ihnen sonst noch etwas auf dem Herzen?
Ja! Die Frage: Was passiert mit unseren Ortskernen? Es gibt dort etliche landwirtschaftliche Gehöfte, die nicht mehr bewirtschaftet werden. Hier müssen wir versuchen, wieder Leben hinein zu bringen. Da sind zwar die Eigentümer gefragt, aber wir als Gemeinde können Ideen einbringen, beraten und die Rahmenbedingungen schaffen.

Was bietet Oberhausen der jüngeren Generation?
Hinsichtlich der Betreuung im Alter von 0 – 10 Jahren: Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule, Mittagsbetreuung. Für die älteren Kinder und Jugendlichen bieten sich die vielen Vereine für Freizeitaktivitäten an. Außerdem haben wir einen Reiterhof und ein Waldfreibad.

Genau! Oberhausen ist die einzige Kommune im Landkreis – außer den Städten ND und SOB – die sich ein eigenes Freibad leisten kann!
Dieses wird ehrenamtlich vom „Waldbadverein“ betrieben, worüber wir natürlich sehr froh sind. Das örtliche Freibad steigert den Freizeitwert in unserer Gemeinde erheblich. Dann haben wir noch die Landjugend, Schützen- und Sportvereine, Feuerwehren, den Modellsportclub, den Schachclub Kreut, Gartenbauvereine, Wanderverein usw. Im Bereich Kultur engagieren sich der Theaterverein, sowie die beiden Blaskapellen Sinning und Oberhausen, die auf ihre Nachwuchsförderung größten Wert legen. Momentan werden dort 35 Kinder und Jugendliche von qualifizierten Musiklehrern auf verschiedenen Blasinstrumenten ausgebildet und können in der Jugendkapelle mit Gleichaltrigen musizieren. In allen Vereinen sind neue Mitglieder stets willkommen. Sicherlich gibt es von der jüngeren Generation noch Wünsche an die Gemeinde; die einen kann man erfüllen, die anderen nicht. Aber ich denke, es ist ein gutes Angebot vorhanden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Gemeinde?
Dass wir endlich das Problem „Breitband“ zukunftsträchtig lösen. Dass wir gleichermaßen attraktiv für junge Familien als auch für die Senioren bleiben und dass wir den Ortskernen wieder mehr Leben zuführen können.

Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Sie sollten das Brennessel-Magazin immer lesen. Ich persönlich halte es für sehr informativ, denn es stehen sehr gute und interessante Artikel drin. Vor allem die Berichte über die verschiedenen Kommunen finde ich äußerst aufschlussreich. Ansonsten wünsche ich allen Lesern, dass es ihnen gut geht und sie ihre persönlichen Wünsche erfüllen können.

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