Do. Dez 1st, 2022

Neuburg – Sparen ist derzeit das Gebot der Stunde. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man den Medien derzeit folgt. Weniger Körperhygiene, weniger fahren, Strom sparen, Gas sparen. Prinzipiell ist gegen das Konzept des Sparens nichts einzuwenden, doch ist der Welt wirklich geholfen, wenn der Deutsche gemütlich vor sich hinstinkt? Wir sparen, indem sich der Hans nicht mehr duscht, aber in der Arbeit ein Produkt entwickelt, welches darauf ausgelegt ist, kaputt zu gehen. Dass diese Produkte aber auch Energie benötigen, um überhaupt am Ende verkauft werden zu können, ignorieren wir. Wir ignorieren auch, dass diese Energiemenge vermutlich größer ist, als das, was wir beim Duschen verwenden.

Geplante Obsoleszenz bedeutet, ein Produkt soll nach einer gewissen Zeit seine Verwendbarkeit verlieren und muss ersetzt werden. Für den Produzenten ist das super, für den Kunden eher weniger. Die Zeit, nach welcher die Produkte ihre Verwendbarkeit verlieren, richtet sich meist nach der Gewährleistung. Denn wenn beispielsweise ein Elektronikartikel innerhalb von 2 Jahren seinen Dienst einstellt, ist das ein Fall für die Gewährleistung. Liebe Media Markt Mitarbeiter, jetzt müsst ihr ganz ganz stark sein.

Gewährleistung in Deutschland
Hierbei gilt eine Nachweispflicht. Die ersten 12 Monate muss der Händler nachweisen, dass der Defekt durch den Kunden verursacht wurde, bis 2021 waren es sechs Monate. Die nächsten 12 Monate muss der Kunde nachweisen, dass der Defekt bereits im Gerät vorhanden war und nicht der Kunde selbst daran schuld ist. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Bauteile verwendet wurden, welche auf niedrigere Temperaturen oder niedrigere mechanische Belastungen ausgelegt sind. Diese stellen dann aufgrund der Überbelastung irgendwann ihren Dienst ein. Gewährleistung ist nicht Garantie. Denn die Garantie gibt der Hersteller freiwillig, die Gewährleistung muss der Verkäufer geben, das ist, vollkommen unabhängig von der Herstellergarantie, staatlich vorgeschrieben. Der Händler kann sich vorbehalten, ein defektes Produkt zu reparieren, zu ersetzen, oder dem Kunden das Geld zu erstatten. Als Kunde muss man mindestens zwei Reparaturversuche abwarten, bevor man sein Geld einfordern kann. Wird ein defektes Produkt ersetzt, verlängert dies nicht die Gewährleistungszeit. Im Übrigen kann die Gewährleistungszeit von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert werden, wenn es sich um Gebrauchtgüter handelt. Bitte merken, liebe Media Markt Mitarbeiter, ihr müsst Gewährleistung gewährleisten.

Der Betrug mit der Glühbirne
Ein Fall, welcher auch in der Arte-Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ von 2010 zu diesem Thema behandelt wurde, ist der des Phoebuskartells. Hier sprachen sich Glühbirnenproduzenten unter der Leitung von General Electric ab, wie lange eine Glühbirne halten dürfe. Bislang glühten die Birnen einfach viel zu lange und die Kunden mussten nicht so oft neue Birnen kaufen. Das war schlecht fürs Geschäft. Daher verringerte man die durchschnittliche Lebensdauer der Glühbirnen. Zuerst hielt eine Glühbirne etwa 2500 Stunden. Diese Zeit wurde innerhalb von 16 Jahren auf 1000 Stunden reduziert.
Immer wieder heißt es, geplante Obsoleszenz sei Schwurbelei, eine Verschwörungstheorie, an die nur Spinner glauben können. Das Phoebuskartell wurde 1941 aufgelöst und der Anführer, General Electric, 1953 rechtskräftig verurteilt. Es ist demnach bewiesen, dass es diese Absprachen gab und Produkte verändert wurden, um schneller kaputt zu gehen.

Stoppen statt stinken
Dieser Text will auf folgendes hinaus: Um zu sparen, müssen wir nicht stinken. Es würde bereits ausreichen, das Kartellamt mit einem ordentlichen Schlag gegen den Kopf aufzuwecken und gegen geplante Obsoleszenz vorzugehen. Denn hierzu zählt auch, wenn man es genau nimmt, jedes Gerät, welches so produziert wurde, dass es kaum bis gar nicht repariert werden kann. Wer einmal versucht hat, seine Elektronikartikel zu reparieren, weiß genau wovon hier die Rede ist.
Produkte sollten langlebig und reparierbar sein. Zur Not, wenn es nicht mehr anders geht, können wir auch stinken um zu sparen. Aber vorher sollten wir vielleicht versuchen, nicht mehr für die Mülltonne zu produzieren. Viele neue Produkte sind es auch nicht wert, den Vorgänger zu ersetzen. Ein iPhone ist ja schön und gut, aber benötigt das jedes Jahr ein Neues? Dieser Text wurde auf einem 11 Jahre alten Laptop verfasst. Der läuft immer noch gut, weil er regelmäßig gewartet und, mit einer schnellen Linux-Distro ausgestattet, allen Büro-Anforderungen gerecht wird. Neukauf nicht nötig. – brennessel Magazin

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