Mi. Sep 22nd, 2021

Bayerns Gesundheitsminister ruft zu Vorsicht auf – Neue Daten des Bayerischen Krebsregisters zur ersten Corona-Welle

München – Im Jahr 2020 sind während der Corona-Pandemie weniger Krebsneuerkrankungen im frühen Stadium entdeckt worden, auch die Inanspruchnahme bestimmter Krebstherapien im Freistaat ist nach vorläufigen Daten des Bayerischen Krebsregisters zurückgegangen. Deshalb ruft Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek die Bürgerinnen und Bürger eindringlich zur Gesundheitsvorsorge auf. Der Minister sagte am Mittwoch in München: „Zwischen Januar und September 2020 ist die Zahl der diagnostizierten Krebsneuerkrankungen um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. Zudem wurden vier Prozent weniger Therapien vorgenommen.“

Holetschek fügte hinzu: „Schaut man auf die einzelnen Monate, zeigt sich ein alarmierendes Bild. Im April 2020 ging die Zahl der registrierten Neuerkrankungen um 18 Prozent, im Mai um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.“

Der Minister betonte: „Unsere Experten sind überzeugt, darin zeigt sich, dass in der Corona-Pandemie oft die Krebsvorsorge auf der Strecke geblieben ist. Weniger Menschen haben sich untersuchen lassen. Das kann gefährlich sein. Nutzen Sie auch während der Corona-Pandemie Angebote der Krebsvorsorge und klären Sie Verdachtsfälle zeitnah ab. Arztpraxen und Krankenhäuser haben höchste Hygiene-Standards etabliert und Schutzmaßnahmen getroffen.“

Die Zahlen basieren auf einer Stichprobe unter meldenden Ärzten und Einrichtungen, die das Bayerische Krebsregister, das vom LGL geführt wird, zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Regensburg und München erhoben hat. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden kürzlich auch im Deutschen Ärzteblatt publiziert.

Der Rückgang betraf vor allem Krebsneuerkrankungen in einem frühen Krankheitsstadium, für die sich die Zahl der Neuerkrankungen um zehn Prozent und die Zahl der Krebsoperationen um acht Prozent reduzierten. Von besonderem Interesse ist der Rückgang der Operationen in einem frühen Stadium der Erkrankungen, da hier die Heilungsaussichten besonders hoch sind. Über den gesamten Zeitraum fällt insbesondere der Rückgang der Operationen in einem frühen Stadium beim Darmkrebs (26 Prozent) und bei Melanomen (schwarzer Hautkrebs, 29 Prozent) auf.

Der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Walter Jonas, warnte: „Da auch kleinere Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen zu schlechteren Behandlungsaussichten führen könnten, ist hier Vorsicht geboten.“

Die Leiterin des Bayerischen Krebsregisters, Jacqueline Müller-Nordhorn, erläuterte: „Es besteht die Gefahr, dass Krebserkrankungen erst in einem höheren Stadium (Stadien-Shift) erkannt werden und sich durch eine spätere Behandlung die Prognose deutlich verschlechtert. Ein frühes Erkennen von Krebs ist daher besonders wichtig.“

Holetschek bekräftigte: „Krebsvorsorge ist trotz der Corona-Pandemie essentiell. Verzögerungen bei Früherkennung, Diagnostik und Behandlung von Krebserkrankungen sollten vermieden werden. Zeitnahe Diagnose und Behandlung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Tumore in einem frühen Krankheitsstadium mit vergleichsweise guten Behandlungsaussichten entdeckt werden.“

Die Krebsvorsorge in Deutschland umfasst Brustkrebs (klinische Untersuchung der Brust ab 30 Jahre, Mammografie-Screening ab 50 Jahre), Darmkrebs (ab 50 Jahre), Gebärmutterhalskrebs (ab 20 Jahre), Hautkrebs (ab 35 Jahre) und Prostatakrebs (ab 45 Jahre).

Das Bayerische Krebsregister erfasst seit 1998 Krebserkrankungen im Freistaat. Ziel ist es, die klinische Versorgung von Patientinnen und Patienten in den Regionen zu optimieren, Über- und Unterversorgung vorzubeugen und etwaige epidemiologische Häufungen abzuklären. Die Daten zeigen, wie häufig eine Krebsart vorkommt und in welchem Stadium ein Tumor diagnostiziert wird. Damit lässt sich der Nutzen von Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen verlässlich bewerten. Das Bayerische Krebsregister ist unter folgendem Link abrufbar: www.lgl.bayern.de/gesundheit/krebsregister/auswertung_forschung/datenbank/index.htmBayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Kommentar verfassen